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Bild: Pixabay 

Unternehmenskultur behindert digitale Transformation

12.06.2017 | 16:16 |  Charlotte Weber (DiePresse.com)

Eine aktuelle Studie verdeutlicht, wie stark Mitarbeiter und Führungskräfte digitale Unternehmenskultur wahrnehmen.

62 Prozent der Teilnehmer einer weltweiten Umfrage sehen die Unternehmenskultur als eines der größten Hindernisse auf dem Weg zu einer digitalen Organisation. Im deutschsprachigen Raum sind es sogar 72 Prozent. Damit riskieren die Unternehmen, in der digitalen Transformation gegenüber ihren Wettbewerbern zurückzufallen. Die Daten zeigen dabei auch, dass sich der Stand gegenüber der letztmaligen Untersuchung aus dem Jahr 2011 um sieben Prozentpunkte verschlechtert hat. Für die Untersuchung haben das Beratungs- und IT-Dienstleistungsunternehmen Capgemini und der Digitalanalyst und Buchautor Brian Solis im März und April 2017 1700 Mitarbeiter von 340 Unternehmen aus acht Ländern befragt.

Die Digital-Affinität nehmen insbesondere Top-Management-Vertreter und die weiteren Mitarbeiter deutlich unterschiedlich wahr: Während 40 Prozent auf Top-Management-Level von einer bereits existierenden digitalen Unternehmenskultur sprechen, sind es bei den restlichen Mitarbeitern nur 27 Prozent. In Deutschland, Österreich und der Schweiz ist der Abstand noch größer. In der Studie beschreiben sieben Attribute eine digitale Unternehmenskultur: die Art der Zusammenarbeit, Innovation, offene Kultur, Digital-First-Vorgehen, Agilität und Flexibilität, Kundenzentrierung und ein datengetriebener Ansatz. Die Daten sowie zusätzlich durchgeführte Fokus-Interviews zeigen die Gründe für diese Wahrnehmungslücke in der digitalen Kultur auf: etwa die Unfähigkeit von Führungskräften, eine klare digitale Vision zu vermitteln, das Fehlen von beispielgebenden Mitarbeitern sowie fehlende Kennziffern für die Ziele der digitalen Transformation.

„Die Digitalisierung kann einen signifikanten Wertbeitrag erzeugen, aber es braucht dazu die passende Unternehmenskultur“, sagt Claudia Crummenerl, Leiterin Executive Leadership & Change bei Capgemini Consulting in Deutschland, Österreich und Schweiz. „Unternehmen müssen alle Mitarbeiter in Sachen Digitalisierung mitnehmen, sie befähigen und inspirieren. Diejenigen Firmen, die eine digitale Kultur zum Eckpfeiler ihrer Strategie machen, werden bessere Beziehungen zu ihren Kunden aufbauen können, ziehen die besten Mitarbeiter an und wappnen sich für Erfolg in der digitalen Welt.”

Diskrepanz zwischen Führungskräften und Mitarbeitern

  • Innovation ist für viele Organisationen noch keine Realität Nur sieben Prozent der Unternehmensvertreter sehen ihre Organisation in der Lage, neue Ideen zu testen und schnell umzusetzen. Lediglich 37 Prozent der Mitarbeiter, ihre Organisation habe eine Innovationskultur und sei experimentier- und risikofreudig. Bei den Top-Managern sind es 75 Prozent.
  • Unterschiedliche Wahrnehmungen von Zusammenarbeit        Den Studienergebnissen zufolge gaben 85 Prozent des Top-Managements an, ihr Unternehmen würde die interne Zusammenarbeit fördern. Lediglich 41 Prozent der weiteren Mitarbeiter hingegen empfinden das so.
  • Bemerkenswerte Kluft in Sachen „digitale“ Vision                62 Prozent der Führungskräfte sehen ihr Unternehmen mit einer gut definierten Strategie hinsichtlich der zu erreichenden digitalen Ziele ausgestattet. Derselben Aussage stimmen allerdings nur 37 Prozent der Mitarbeiter unterhalb der Führungsriege zu.

„Unternehmen sind offensichtlich nicht in der Lage, ihre Mitarbeiter an der kulturellen Weiterentwicklung zu beteiligen”, schlussfolgert Crummenerl. Doch genau dies sei notwendig für eine effektive Digitalkultur wie auch die gesamte digitale Transformation einer Organisation. Die Führungskräfte auf Top- wie auch mittlerer Ebene seien es, die aus der allgemein gültigen Digitalvision greifbare Ergebnisse ableiten und entsprechendes beispielhaftes Verhalten auch honorieren müssten. „Der große Moment für ein Unternehmen kommt, wenn es entdeckt, dass die digitale Transformation keine Frage der Technik ist, sondern ein Wandel der Kultur“, sagt Ian Rogers, Chief Digital Officer bei LVHM.

Fehlende Strategie auf Management-Ebene

Die Studie identifiziert sogenannte kulturelle Digitalvordenker – jede Dritte (34 Prozent) untersuchte Organisation gehört dazu: Sie schneiden über alle sieben Dimensionen von Digitalkultur hinweg gut ab, das Management hat das gesamte Unternehmen erfolgreich auf die Zielkultur eingeschworen. Diese Gruppe ist besonders stark in Großbritannien (63 Prozent), Schweden (60 Prozent) und den USA (56 Prozent) vertreten.
„Kultur ist entweder das größte Hindernis oder aber der stärkste Beschleuniger digitaler Transformation wie auch Innovation. Viele Manager glauben, dass ihre Unternehmenskultur bereits digital sei. Aber wenn man ihre Mitarbeiter fragt, dann sehen die das völlig anders. Diese Lücke zeigt ein Fehlen von digitaler Vision, Strategie und taktischer Umsetzung von oben her“, sagt Brian Solis, der Koautor der Studie.

Digitale Unternehmenskultur aufbauen

Eine Digitalkultur aufzubauen benötigt Geduld, Beharrlichkeit und kontinuierliche Wachsamkeit. Einige zentrale Elemente sind allen Unternehmen beim Wechsel gemein:

  • Change-Agenten ausbilden und Mitarbeiter befähigen, selbst zur digitalen Kultur beizutragen
  • Neue Kennziffern entwickeln, die auf das Verhalten abzielen
  • Digitalen Kulturwandel greifbar machen
  • In Fähigkeiten investieren, die tatsächlich gebraucht werden
  • Die Digital Vision klar kommunizieren und sichtbare Unterstützung durch das Management
  • Einsatz von digitalen Kollaborations-Tools, um Transparenz und den engen Kontakt zu den Mitarbeitern sicherzustellen
  • Ein systemischer Denkansatz, um kulturellen Wandel anzugehen
1 Kommentare
Mariee
16.06.2017 09:24
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Differenzierte Betrachtung

Der Artikel vermittelt den Eindruck, dass Unternehmenskultur alleine die Trends der Digitalisierung behindert. Hier müssten beide Bereiche aber differenziert betrachtet werden, da ein hoher Grad an Digitalisierung nicht in jedem Unternehmen in Frage kommt und in nicht wenigen Fällen fördert die Unternehmenskultur auch Innovationsprozesse. Hannover ist in Deutschland stark von der Logistikstruktur geprägt und das schlägt sich auch nieder in den Jobs hier unter https://www.hannover-jobanzeiger.de/ . Würde man hier auf fortschreitende Technisierung verzichten, hätte der Standorte auf wirtschaftlicher Ebene schlechte Chancen auf dem Arbeitsmarkt.
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