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Die Diskutanten Georg Markus Kainz, Wolfgang Aigner, Kathrin Kränkl, Tassilo Pellegrini, Christa Müller und Matthias Schmidl sowie Moderator Michael Köttritsch ("Presse") bei der Veranstaltung von Wissen.Vorsprung der FH St. Pölten in Kooperation mit der „Presse“. / Bild: FH St. Pölten/Anna Achleitner 

Big Data – und welche Chancen Daten bieten

10.06.2017 | 15:00 |  red. (Die Presse)

Diskussion. Im Rahmen der Serie Wissen.Vorsprung der FH St. Pölten betrachteten vergangene Woche sechs Experten das aktuelle Thema aus verschiedenen Blickwinkeln. Bei aller Begeisterung für Big Data zeigte sich auch einige Skepsis.

Vor rund zehn Jahren wurde Big Data als Marketingbegriff eingeführt. Heute gilt Big Data als Modewort, in das viele Bedeutungen verpackt werden. Zudem sorgt die Datenschutzgrundverordnung, die in knapp einem Jahr in Kraft treten wird, für jede Menge Diskussionsstoff. Diesen griff die Serie Wissen.Vorsprung der FH St. Pölten in Kooperation mit der „Presse“ auf.

Im Impact Hub Vienna diskutierten vergangenen Mittwoch Wolfgang Aigner und Tassilo Pellegrini (beide FH St. Pölten), Georg Markus Kainz (Quintessenz, Verein zur Wiederherstellung der Bürgerrechte im Informationszeitalter), Kathrin Kränkl (KKR Consulting und Sprecherin des Arbeitskreises Industrie 4.0/IoT in der Ubit), Christa Müller (Österreichische Nationalbibliothek) und Matthias Schmidl (Österreichische Datenschutzbehörde) unter der Moderation von Michael Köttritsch („Presse“).

Zur Sprache kamen dabei unter anderem die Bedenken, die die „Datafizierung“ mit sich bringt. Denn mit Algorithmen mehr über die Umwelt zu erfahren, menschliches Verhalten zu antizipieren und so der Risikominimierung zu dienen, ist nur die eine Seite der Medaille. Die Mustererkennung könne auch zur Klassifizierung der Gesellschaft und damit in der Folge zu einem Demokratiedefizit führen: etwa wenn Teile der Bevölkerung von Informationen ausgeschlossen werden oder durch „personal prizing“, bei dem unterschiedlichen Kundengruppen dieselbe Ware zu unterschiedlichen Preisen angeboten wird.

Thematisiert wurde neben der Qualität der erhobenen Daten – es kommt schließlich nicht nur auf die Menge der Daten, sondern u. a. auch auf die Validität an – auch die „data literacy“, also die Datenkompetenz. Denn „Daten sind nicht gleich Daten“, hieß es in der Diskussion, sie müssten unterschiedlich verarbeitet und interpretiert werden. Gegebenenfalls müsse auch mit widersprüchlichen Daten operiert werden. Das dafür notwendige Verständnis sei (noch) unterentwickelt.

Daten sind keine Fakten

Dabei würden Daten tatsächlich große Chancen bieten. Konkret angesprochen wurden in der Diskussion die personifizierte Medizin und die Grundlagenforschung, aber auch der Handels- und Dienstleistungssektor. Oder das groß angelegte Digitalisierungsprojekt „Anno“ der Nationalbibliothek, von dem u. a. die „digital humanities“, die „digitalen Geisteswissenschaften“, profitieren.

Fazit: Man müsse sich vor Augen halten, dass es sich bei Daten nicht um Fakten handle. Ziel müsse sein, mit den gesammelten Daten Fakten zu schaffen, die der Würde und Autonomie dienen.

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