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Bild: Pixabay 

Wenn der gemeinsame Nenner fehlt

08.06.2017 | 16:19 |  Charlotte Weber (DiePresse.com)

Jeder dritte Arbeitnehmer ist im Job zufrieden und plant dennoch, zu kündigen. Das geht aus einer aktuellen Mercer-Studie hervor.

34 Prozent der Arbeitnehmer planen, ihre aktuelle Stelle in den nächsten zwölf Monaten aufzugeben, obwohl sie eigentlich zufrieden sind. Grund hierfür sind mangelnde langfristige Karrierechancen im Unternehmen (23 Prozent) und die Aussicht auf bessere Optionen auf dem Arbeitsmarkt (elf Prozent). Weitere drei Prozent sind sehr unzufrieden in ihrem derzeitigen Job und möchten deshalb innerhalb der nächsten sechs Monate kündigen.

Das sind Ergebnisse der Mercer "Global Talent Trends Study" 2017, für die mehr als 7500 Datensätze von Managern, HR-Leitern und Mitarbeitern aus 15 Ländern in 20 Branchen untersucht wurden. Die Studie zeigt außerdem, dass das fehlende Vertrauen der Mitarbeiter in die Karriereplanung von vielen HR-Leitern offenbar nicht erkannt wird. So sind 70 Prozent der befragten HR-Manager mit ihrem Talent Management-Prozess zufrieden.

Nicht flexibel genug

Auch bei anderen Themen klaffen die Vorstellungen von Mitarbeitern und Managern auseinander. Mehr als die Hälfte der befragten Arbeitnehmer gibt an, dass sowohl ihr direkter Manager (61 Prozent) als auch ihre Kollegen (64 Prozent) flexibles Arbeiten unterstützen. Allerdings berichtet jeder dritte Mitarbeiter, dass ihm in der Vergangenheit die erbetenen flexiblen Arbeitsbedingungen nicht gewährt wurden. Jeder zweite Mitarbeiter hat außerdem Bedenken, dass sich Arbeit in Teilzeit oder im Home Office negativ auf die eigenen Karrieremöglichkeiten auswirken. Und obwohl fast zwei Drittel (77 Prozent) der Vollzeitbeschäftigten an neuartigen Anstellungsverhältnissen auf Kontingent- oder Vertragsbasis interessiert sind, stehen dem bislang weder Business- noch HR-Manager offen gegenüber. Sie meinen, dass die sogenannte "Gig Economy" in den nächsten zwei Jahren keinen großen Einfluss auf ihre Geschäftstätigkeit haben wird.

Der Studie zufolge ist Veränderung generell aber ein großes Thema für die Organisationen. So planen 93 Prozent der Unternehmen, ihre Organisation in den nächsten zwei Jahren signifikant zu verändern. Gleichzeitig sagen aber nur vier Prozent der leitenden Manager, dass ihre Organisation diese Veränderungsprozesse systematisch und auf moderne Art und Weise vorantreibt. Tatsächlich stehen die Themen Organisation und Anpassung von Rollenprofilen aktuell nicht auf der Prioritätenliste deutscher HR-Leiter. Das liege daran, dass die Mitarbeiter schnell übersehen werden, wenn es darum geht, die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens zu sichern, sagt Dieter Kern, Partner und Leiter der People & Organization Excellence Practice bei Mercer: "In einer Zeit, in der Digitalisierung, Robotik und künstliche Intelligenz traditionelle Geschäftsmodelle in Frage stellen, verlassen sich manche Unternehmen zu sehr auf neue Technologien.“ Wachstum basiere jedoch darauf, Mitarbeiter richtig zu motivieren und sie zu befähigen, innovative Lösungen zu entwickeln.

Nachholbedarf bei Digitalisierung von HR-Aufgaben

Auch im Bereich Technologie haben Personalabteilungen Nachholbedarf was die Erwartungen des leitenden Managements und der Belegschaft angeht. 61 Prozent der Manager glauben, dass neue Technologien wie Robotik und Wearables innerhalb der nächsten zwei Jahre den größten Einfluss auf ihre Organisation haben werden. Doch nur knapp die Hälfte der HR-Spezialisten stimmt dem zu. Die digitalen Fähigkeiten der Mitarbeiter schätzen die Organisationen gering ein: etwa jedes dritte befragte Unternehmen gibt an, dass Mitarbeiter mehr als nur Urlaubsanträge und andere standardmäßigen HR-Aufgaben digital abwickeln können.

Arbeitswelt und Talentpools würden sich viel zu schnell ändern, als dass man ausschließlich an traditionellen Methoden festhalten könne, kommentiert Kate Bravery, Global Leader des Bereichs Career bei Mercer: "Einige Unternehmen beginnen zu Recht bereits heute, neue Ansätze dafür zu entwickeln, wie Mitarbeiter auf Wissen zugreifen, Technologien nutzen, führen, kommunizieren und ihre persönliche Berufsbiografie gestalten können."

Gesundheit wichtiger als Wohlstand

Für 61 Prozent der Angestellten ist die eigene Gesundheit wichtiger als ihr Wohlstand. Ber der Wahl des Arbeitgebers sehen die befragten Arbeitnehmer - vom Gehalt abgesehen - Urlaub bzw. Freizeit als größten Pluspunkt - in Form von Sabbaticals, zusätzlichen Urlaubstagen oder weniger Arbeitsstunden für ein geringeres Gehalt. Benefits wie Fitnessstudios oder Erholungsräume am Arbeitsplatz sind den Mitarbeitern hingegen weniger wichtig.

Das Arbeitsumfeld fördert dann zufriedene Mitarbeiter, wenn es nicht nur flexibel, sondern auch individuell gestaltet ist. Weniger als die Hälfte der Mitarbeiter sagt, dass ihr Unternehmen ihre individuellen Interessen und Fähigkeiten kennt, 53 Prozent wünschen sich jedoch genau dies.

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