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Fortschritt trotz Rückschritt

30.01.2012 | 18:26 |  Harry Gatterer (DiePresse.com)

In den kommenden Monaten werden immer mehr Unternehmen ihren Fokus auf „Kerngeschäfte“ verschärfen. Und dabei eine Business-Diät durchmachen, um fit für schwerere Zeiten zu werden. Am Arbeitsplatz werden wir das alle merken.

Die Zeiten werden rauher, als wir das gerne hätten. Der Fokus auf Innovation, der im letzten Jahrzehnt eine ganze Heerschar an neuen Berufen (vom Innovations-Berater bis zum Crowd-Sourcing-Manager) gebracht hat, ebbt ein wenig ab. Nicht, weil Innovation weniger wichtig wird. Im Gegenteil. Aber weil Unternehmen sich zunehmend einer Business-Diät verschreiben müssen und wollen. Damit meine ich Maßnahmen, die sich auf Fokussierung fokussieren.

Begriffe wie „Kerngeschäft“ und „Ballast abwerfen“ werden vermeintlich öfter auftauchen. Nun wird darin aber die Kunst bestehen: Wie gelingt eine Zuspitzung der Aufmerksamkeit ohne langweilig zu werden. Wie gelingt der scheinbare Widerspruch zwischen dem, was ich Business-Diät nenne, und dem trotzdem notwendigen Fortschritt. Die Herausforderung liegt tatsächlich genau darin: Eine Alltags-Kultur des Fortschrittes zu erzeugen.

Dies bedeutet schlicht, dass auch im alltäglichen Miteinander neue Ideen entstehen können, diese den nötigen Raum bekommen und gehört werden. Dies meint, dass man nicht immer riesige (Innovations-)Prozesse starten muss, um dennoch Sichtweisen zu verändern. Für jeden Einzelnen von uns bedeutet es, sich in einer volatilen Arbeitsumgebung zurecht zu finden, in der es heute um Kostendruck und morgen um Utopien geht. Es geht um ein Umfeld, in dem der nächste große Innovations-Gedanke beim Kaffee zwischendurch erlaubt ist. Und den Weg auch von der Kaffee-Maschine bis in die Ohren der Chefs schafft.

Planung im klassischen Sinne wird ja, wie wir alle erahnen, zunehmend schwieriger. Festgeschriebene Jahresabläufe werden von immer komplexeren Abläufen und Zusammenhängen konterkariert. Weshalb es in Zukunft eben vielmehr Kultur- als Prozess-Arbeit ist, wenn wir über Innovation nachdenken wollen. Für Unternehmen gilt also, ein Klima der alltäglichen Unmöglichkeit zu erzeugen, jenseits von nur geplanten Abläufen. Für den Einzelnen bedeutet diese Entwicklung, Gegensätze  lieben zu lernen, um auf die Anforderungen der kommenden Monate gut eingestellt zu sein.

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