Ballsaison im Management!
09.01.2012 | 11:41 | Franz Kühmayer (DiePresse.com)
Leadership ist wie Tanzen: Es geht darum, die richtige Schwingung herzustellen.
Der Kaiserball hat, ganz traditionell, zu Silvester den Auftakt zur Ballsaison gemacht. Alleine in Wien werden in den nächsten zwei Monaten mehr als 300 Bälle stattfinden, die Stadt des Walzers tanzt ins Neue Jahr. Und auch im übrigen Österreich beginnt das Jahr gerne beschwingt. Gut so, denn vom Tanzen können wir viel für die Zukunft der Arbeit lernen.
Haben Sie beispielsweise schon einmal Tango-Tänzern zugeschaut, wie sie spielerisch zwischen intimer Nähe und weiter Distanz wechseln, wie sich Führung und Geführtwerden in Harmonie ergeben und sich scheinbar ganz von alleine der richtige Rhythmus einstellt?
Dann haben Sie bereits die Grundlage für das ein zukünftig sehr entscheidendes Führungsprinzip gelegt: Denn so wie im Tanz besteht Leadership darin, den richtigen Ausgleich zwischen Gegensätzen herzustellen, und in losen Verbindungen Einklang und die richtige Schwingung herzustellen.
War etwa in der Vergangenheit die Beziehung zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber auf Dauer ausgelegt, so gestaltet sich diese in Zukunft viel kurzfristiger. Menschen schlagen von sich aus vielschichtigere Karrierepfade ein, wechseln häufiger die Position und nehmen bewusst Brüche im Lebenslauf in Kauf. Hatten Unternehmen und Mitarbeiter in der Vergangenheit Jahre, nicht selten sogar Jahrzehnte Zeit, sich aneinander zu gewöhnen, so lösen sich Tanzpartner heute viel schneller ab. Aus wirtschaftsphilosphischer Sicht kann man trefflich darüber diskutieren, ob diese Entwicklung zielführend, sinnvoll oder wünschenswert ist, und zwar aus der Sicht aller Beteiligten. Doch in der Praxis stellen sich andere Fragen. Nämlich: Wodurch entsteht in derart fragmentierten Strukturen Vertrauen? Wie kann Bindung in kurzer Zeit aufgebaut werden? Wie läßt sich eine On-/Off-Beziehung so gestalten, dass sich Gleichklang und Produktivität einstellen
Ähnliches gilt nicht nur im Beziehungsgeflecht innerhalb der Grenzen des Betriebs, sondern weit darüberhinaus. Waren Partnerschaftsverhältnisse zwischen Unternehmen früher klar strukturiert, so sorgt heute - und in Zukunft noch viel stärker - die sogenannte Coopetition für verworrenere Verhältnisse. In manchen Situationen tritt man als Partner am Markt auf, in anderen ist man engagierter Wettbewerber. Nehmen Sie als Beispiel die beiden IT-Giganten SAP und Microsoft. Zwei Softwareunternehmen, die durch eine strategische Allianz miteinander verbunden sind, sogar gemeinsam Produkte entwickeln und vermarkten. Und doch, in einzelnen Kundensegmenten treten die beiden als eindeutige Rivalen auf, rittern um jeden Kunden und jeden Auftrag.
Ein neues Stück, ein neuer Tanzpartner - ohne dabei den bisherigen Partner zu vergrämen, sondern im Gegenteil, dieses Wechselspiel nicht nur zu beherrschen, sondern geradezu zu genießen. Und wieder die gleichen Fragen: Wie gelingt es, in einer solchen Situation Vertrauen aufzubauen? Wo sind Grenzen zu ziehen, und wie schnell können solche Grenzen wieder durchlässig gemacht werden, wenn es nötig und sinnvoll ist?
Leader von morgen sind begeisterte Tänzer. Sie gehen spielerisch mit Führung um, können ihre Rolle im Dialog mit anderen wandeln und bringen ihre Organisation in den perfekten Rhythmus. In Zukunft heisst es also auch in der Führungsebene immer öfter: Alles Walzer!
Franz Kühmayer ist Trendforscher am Zukunftsinstitut Österreich und Eigentümer eines Strategieberatungsunternehmens mit Schwerpunkt "Future of Work".


