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Weihnachten, die Zeit der Müdigkeit?

16.12.2011 | 18:30 |  Harry Gatterer (DiePresse.com)

Wenn Kraftreserven nachlassen, sind wir müde. Und genau das ist ein wichtiger Teil unseres täglichen Lebens, den wir nur allzu oft vergessen.

20 Prozent der Körperenergie geht für das Gehirn drauf. Das ist enorm. Und je mehr wir uns als Gehirnjongleure unser Geld verdienen, umso mehr können wir das auch nachvollziehen. Der Bedarf an Körperenergie ist grade bei geistiger Hochleistung immens hoch. Diese Tatsache spüren wir, wenn wir mitbekommen, wie viele Menschen an Burnout leiden. Nun ist heute aber die Frage zu stellen: Bekommen wir das Managements des eigenen Energiehaushalts in den Griff? Jedenfalls lässt sich sagen, dass wir als Gesellschaft da in einem Dilemma stecken: Unsere Systeme krachen und brauchen unsere Kraft – unseren Geist aber auch unsere Leidenschaft für Zukunft.

Unsere täglichen Jobs fordern uns aber und lassen nicht mehr viel Kraftreserven, um uns auch noch gesellschaftlich aufzubäumen. Und dann kommt noch die hohe Alltags-Komplexität dazu, die wir nicht mehr verhindern können. Wir müssen sogar damit rechnen, dass unser Leben in den kommenden Jahren noch komplexer wird. Und das alles gilt es auch noch zu verarbeiten und zu überblicken.

Das fordert. Und deshalb sind wir von der Gegenwart müde und über die Zukunft verstört. Denn sie bietet – so wirkt es – keinen Ausweg aus der Misere. Außer: sich selbst zu verändern. Das ist wohl auch ein zentraler Schlüssel für die Zukunft, kann aber nicht per Knopfdruck geschehen. Faktor Nummer eins wird in jedem Fall die Gesundheit sein. Die Vitalität des Körpers ist gerade wegen der Dominanz geistiger Arbeit die Voraussetzung für das Gelingen des Alltags. Die Gesundheit ist es also, die uns Kraft für die Zukunft gibt, die wir mehr denn je brauchen werden.

„Die Eintrittskarte für die Teilnahme am Leben ist energetisch aufwendiger geworden – wir bezahlen heute für das Dabei-Sein mit deutlich mehr Energie als früher“, pointiert das der Alt-Vordenker Gerd Gerken. Ich denke, damit ist viel erklärt. Wenn wir aber in der Medizin nachfragen, was uns denn gesund hält, erfahren wir nichts Neues. Die drei wichtigsten Treiber für unsere Gesundheit wären: Schlaf (jeder Fünfte leidet unter Schlafstörungen), frische Luft (Menschen in Mitteleuropa befinden sich 5 Prozent ihrer Zeit nicht in geschlossenen Räumen), gesunde Ernährung (wir wissen alle, was das bedeuten würde).

Die Konsequenz ist jedenfalls einfach: Wer sich in seinem Job fit halten möchte, muss körperlich fit sein. Wer viel geistig arbeitet muss Kraft für das Hirn erzeugen. Auch das ist nicht neu. Aber schwer. Bis wir dieses Verständnis in eine gängige Alltagslösung bekommen, geht wohl noch ein bisschen Zeit ins Land. Die nächsten Monate bringen uns daher eher eine gesellschaftliche Müdigkeit. Wir werden noch mehr Erschöpfung und Ausbrennen erleben. Wir werden – als Gesellschaft – müder.

Das Ziel dieser Kolumne ist aber nicht die Desillusion. Vielmehr möchte ich auf die Bedeutung der Müdigkeit hinweisen und sie neu kontextuieren. Denn müde zu sein ist Teil eines natürlichen Rhythmus. Müde sein bedeutet, sich zu entspannen, loszulassen und Abstand zu erhalten. Müde sein gehört also dazu, wenn man neue Kraft tanken will. Weshalb ich an dieser Stelle mit einer Weihnachtsidee auf Sie zukomme: Üben Sie sich in Müdigkeit.

Harry Gatterer ist Trendforscher, Geschäftsführer des Zukunftsinstitut Österreich und Experte für „New Living“.

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