Arbeiten Sie im richtigen Unternehmen?
02.11.2011 | 10:34 | Harry Gatterer (DiePresse.com)
In Zukunft kommt es mehr denn je darauf an, das richtige Unternehmen für sich zu finden. Der Ort der Arbeit, das Büro, erhält dabei eine Schlüsselrolle.
Unsere Arbeitswelt wird mobiler, flexibler und digitaler. Darüber sind sich fast alle einig. Aber bedeutet das auch, dass Arbeiten wirklich nicht mehr an einen Ort gebunden ist? Eine erste schnelle Antwort lautet: Ja. Arbeit ist weniger an Orte gebunden denn je. Ob Flieger, Starbucks oder Couch, allenorts findet man Menschen, die Arbeiten. Immer wieder muss man zum Beispiel im Zug die Business-Cases anderer Menschen mitlauschen - ob man will oder nicht. Aber genau weil Arbeit für viele so mobil geworden, ist kommt es mehr denn je auf den Ort der Arbeit an.
Dabei geht es in Zukunft um die Gestaltung von Räumen der Arbeit, nur eben mit anderen Funktionen: Architekten und Arbeitswissenschaftler haben beispielsweise herausgefunden, dass das, was früher als Arbeitspause bezeichnet wurde, tatsächlich die kreativen Funkenschläge erzeugt: die Gespräche zwischen den Mitarbeitern, in denen sich Wissen automatisch generiert. Beim Unternehmen Zukunft wird es also darauf ankommen, die Mitarbeiter nicht nur in den Pausen in der Firma (in der Kantine, im Rückzugsraum etc.) zu halten, sondern auch während der Arbeitszeit Momente und Räume des informellen Zusammenkommens zu schaffen. Wem dies gelingt, der kann künftig von einem kreativeren Output seiner Mitarbeiter profitieren.
Einen Arbeitsplatz im klassischen Sinne - definiert durch Schreibtisch und Computer - wird es kaum noch geben. Die Frage bei der Gestaltung von Arbeitsraum muss also anders lauten: Warum sollte ein Mensch hier her kommen, um zu arbeiten. Kommen Menschen denn eigentlich, um zu arbeiten oder um ihr eigenes Talent auszuleben? Und wenn, wie ich annehme, es vermehrt in Richtung Talent geht, wie „anders“ muss dann zum Beispiel ein Büro aussehen? Vorreiter wie Google legen dabei die Latte hoch. In den Büros des digitalen Riesen geht es um Kreativität, um Individualität und Inspiration. Die Offices wirken eher wie Spielplätze denn wie Büros. Es ist aber auch nicht gekünztelt - es passt einfach zur Firma. Diese mittlerweile berühmten Büros einfach zu kopieren ist zu wenig.
Die Aufgabe bei der Schaffung von Arbeitsraum ist eine Kulturaufgabe. Es ist nicht nur die Funktion, die die Form steuert. Architektur ist „gefrohrene Musik“ - hat Goethe geschrieben. Und mehr denn je trifft dies heute zu. Wenn sie im Augenblick, ja jetzt in diesem Moment, gerade in Ihrem Büro sitzen, schauen Sie sich doch bitte einmal um. Stehen sie auf und betrachten Sie das ach so gewohnte Bild mal und fragen sich: In welcher Unternehmenskultur lebe ich? Sieht man in den Büros das, was Franz Kühmayer in der letzten Kolumne postulierte: Vertrauen. Gibt es Raum für Kreativität (jenseits der engen Kaffeküche), gibt es Elemente, die Sie inspirieren und antörnen. Wenn ja, sind Sie wahrscheinlich richtig. Wenn nein, vielleicht ist es das falsche Unternehmen für Sie.
Harry Gatterer ist Trendforscher, Geschäftsführer des Zukunftsinstitut Österreich und Experte für „New Living“.


