Statusberichte, Key Performance Indicators, Kennzahlen, Scorecards, Traffic Lights bestimmen den Alltag vieler Führungskräfte. In unruhigen Zeiten ist es naheliegend, dass man sein Business genau im Griff haben will, möglichst exakt Schwachstellen erkennen will, den Finger auf die Wunde legen will. In der Hoffnung, dass damit der erste Schritt zur Heilung gesetzt wurde. Nur leider führt die Sehnsucht nach Exaktem allzu oft in Richtung Mikromanagement und dann gilt ganz rasch: EKG funktioniert, Patient tot.
Seit Heisenberg wissen wir in der Physik zweierlei: Erstens, man kann nur entweder den Ort oder die Geschwindigkeit exakt messen, nicht aber beides gleichzeitig. Und zweitens: Durch das Messen selbst verändert sich das System. Beides trifft auch auf die Wirtschaft zu.
Wer den Versuch unternimmt, die Leistungen und Prozesse seines Unternehmens möglichst exakt zu messen, um jederzeit seinen Standort bestimmen zu können, wird rasch zu der Erkenntnis gelangen, dass damit die Dynamik des Unternehmens gebremst wird.
Und natürlich verändert kleinteiliges Performance Management das Unternehmen. Wer ständig seine Arbeit verteidigen muss, wird sich recht rasch eine passende Strategie dafür zurechtlegen. Nicht immer wird diese Strategie jedoch dahin führen, dass die Arbeitsleistung steigt. Viel häufiger wird wohl nach Methoden gesucht werden, das Meßsystem auszutricksen. Mit dem Resultat, dass keine Leistungssteigerung bewirkt wurde und dennoch alle Kennziffern auf Grün stehen. Der erzielte Wandel hat sich dann in der Unternehmenskultur eingestellt, und war so wohl nicht gewünscht.
Im Ergebnis finden wir Strukturen vor, die nach innen gerichtet sind anstatt in Richtung Markt und Kunden. Und Mitarbeiter, die den wirklichen Sinn ihrer Arbeit nicht mehr erkennen und im besten Fall erschöpft, im schlechtesten Fall destruktiv agieren. Die Leistung des Unternehmens sinkt. Und wieder ergibt sich ein Grund, der Leistungsschwäche exakter auf den Zahn fühlen zu wollen, genauer nachzufragen, exakter zu messen. Die Abwärtsspirale beginnt sich zu drehen.
Der Weg in Richtung Zukunftssicherheit sieht anders aus. Es ist der Weg des unternehmerischen Vertrauens. Mit Vertrauen zu beginnen, grundsätzlich davon auszugehen, dass Menschen gerne etwas leisten wollen, sich einbringen und entfalten wollen. Die heutige Wirtschaft ist zu schnell, zu komplex, zu vielschichtig, um alle Dinge kontrollieren zu können. In der kreativen Wissensgesellschaft ist eine tayloristische Haltung, die darauf abzielt, dass Menschen zu funktionieren haben und man sie dabei messen kann, völlig falsch am Platz. Stattdessen ist eine ethische Grundhaltung gefragt, die darauf ausgelegt ist, Potentiale zu erkennen und dazu beizutragen, sie zu erschließen – fordernd, fördernd, unterstützend.
Keine Rede von Blauäugigkeit oder von Planlosigkeit. Aber eine Menge Rede von Führung, vom Schaffen von Freiheitsgraden innerhalb gesteckter Rahmen, von Lösungsorientierung statt Problemorientierung.
Das ist keine einfache Aufgabe, da fällt das Ablesen von roten, gelben und grünen Lichtern auf einer Scorecard bestimmt leichter. Aber es ist die dringend notwendige Aufgabe.
Franz Kühmayer ist Trendforscher am Zukunftsinstitut Österreich und Eigentümer eines Strategieberatungsunternehmens mit Schwerpunkt "Future of Work".