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Schüsse, die nach hinten losgehen

10.02.2012 | 12:10 |  Johanna Zugmann (Die Presse)

Social Media: Pfründeverteidigung durch Zensur von Links zu eigenen Webpräsenzen.

Wie aus der Employer Branding-Studie „Career's Best Recruiters“ hervorgeht, wenden sich große Arbeitgeber immer öfter über Social-Media-Kanäle an Bewerber.
Eine Entwicklung, die eine der größten Online-Jobbörsen offensichtlich als Existenzbedrohung wertete und die sie zu einer (inzwischen wieder zurückgezogenen) Abänderung der Geschäftsbedingungen veranlasste: Die Anzeigen der personalsuchenden Unternehmen sollten mit nur noch einem Link, nämlich jenem auf deren Homepage, erscheinen und keine Hinweise mehr auf die Social-Media-Auftritte wie etwa auf Facebook-Karriereseiten, Twitter-HR-Accounts und YouTube-Kanälen liefern.

Das kommt dem Versuch gleich, einen mit Höchstgeschwindigkeit fahrenden Zug zu bremsen, um damit die eigenen Pfründe zu sichern. Mich erinnert der Versuch an das Jahr 1997, als das Internet allmählich aufhörte, ein Fremdwort zu sein. Damals begann das große Zittern der Printmedien vor dem Abwandern gedruckter Stelleninserate ins World Wide Web, und manche Zeitungen begannen, das Vorhandensein von Online-Jobbörsen totzuschweigen. Als ob User ohne sie nie dorthin gefunden hätten!
15 Jahre später gibt's immer noch Printinserate, etwa um Leute zu erreichen, die nicht akut Jobs suchen. Und auch künftig werden Bewerber, die keinen bestimmten Wunscharbeitgeber haben, aber eine genaue Jobvorstellung, eher in Jobbörsen suchen als in den Karriereseiten der Unternehmen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.02.2011)

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