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Bild: (c) Erwin Wodicka 

Burnout vermeiden

09.11.2017 | 07:00 |   (DiePresse.com)

Kolumne "Hirt on Management". Folge 59. Was Sie wirklich tun können, jenseits gutgemeinter, aber naiver Ratschläge.

In unserer Rubrik „Hirt on Management“ beantwortet Michael Hirt, Managementexperte und -berater, Executive Coach und Keynote Speaker alle zwei Wochen Fragen von Managern zu herausfordernden Situationen und kritischen Entscheidungen.

Frage:

Was kann ich tun, um Burn-Out zu vermeiden?

Michael Hirt antwortet:

Burn-Out ist ein Zustand extremer seelischer, mentaler und körperlicher Erschöpfung. Der Weg in den Burn-Out führt schrittweise, von einem anfänglichen Zwang sich zu beweisen, zu verstärktem Einsatz, über Änderung der Werte und übertriebenem Einsatz, Verhaltensänderungen, innerer Leere, Depression, bis zum vollständigen Zusammenbruch.

Der wichtigste Punkt, den Sie sich klarmachen müssen ist, dass Sie nur ein einziges Instrument des Erfolges haben, nämlich sich selber.

Wenn Sie dieses Instrument in Grund und Boden fahren, dann haben Sie alles verloren. Dann können Sie nicht nur die Verantwortung für Sich selber nicht mehr wahrnehmen, sondern auch die Verantwortung für Ihre Familie, Freunde und andere Menschen in deren Leben Sie eine wichtige Rolle spielen.

Wenn sie merken, dass es Ihnen schwer fällt abzuschalten, dass Sie einen dauernden Widerwillen gegen Ihre Arbeit haben und Sie sich immer mehr überwinden müssen, um Ihre Leistung zu erbringen, dann sind Sie Burn-Out gefährdet.

Was Sie konkret tun können:

  • Entwickeln Sie einen gesunden Egoismus, um sich selber an die erste Stelle zu setzen und sich regelmäßig geistige, körperliche und seelische Erholung und Revitalisierung zu gönnen.
  • Bauen Sie Erholung in ihren normalen Tagesablauf ein, damit Sie eine höhere Wahrscheinlichkeit haben, diese umzusetzen: Nehmen Sie die Stiege, statt dem Lift. Arbeiten Sie im Kaffeehaus, statt dem Büro. Setzen Sie sich in den Park, um zu telefonieren, oder den Enten am Wasser zuzusehen.
  • Machen Sie ihren Kalender nicht ihren Kollegen und anderen transparent. Wie sie mit ihrer Zeit umgehen, geht nur Sie etwas an. Was zählt ist nämlich nicht wie viele Stunden Sie arbeiten, sondern was dabei rauskommt. Deshalb ist es total o.k., wenn sie tagsüber 1 Stunde im Park spazieren gehen, um sich zu entspannen, und dafür auch keine Zeit haben, an irgend einem sinnlosen Meeting teilzunehmen. Was zählt sind die Ergebnisse und nicht Präsenz.
  • Analysieren Sie alle externen Stressoren, die Sie betreffen, und reduzieren Sie diese, beziehungsweise schalten Sie diese aus. Trennen Sie sich von inkompetenten Mitarbeitern, und ersetzen Sie diese durch kompetente Mitarbeiter, gehen Sie einem mühsamen Kollegen aus dem Weg, schieben Sie lästige Arbeiten an andere weiter, usw.
  • Gestalten Sie Ihre Arbeitsumgebung so, dass Sie die optimalen Produktivitäts- und Leistungsbedingungen haben, der richtige Bildschirm, die richtige Ablage, alle anderen Produktivitätssteigerungsinstrumente, die Ihnen helfen, Ihre Sache schneller und effizienter zu erledigen.
  • Holen Sie sich Hilfe. Ein kompetenter Freund oder Coach, der Ihnen hilft, den Dingen auf den Grund zu gehen, Regeln und Rituale für ihr Leben einzuführen und auch an der Umsetzung dran zu bleiben, sind sehr hilfreich. Sich externe Hilfe zu holen ist kein Zeichen von Schwäche, sondern von Eigenkompetenz und Stärke. Mit Clint Eastwood gesagt: „A good man knows his limitations.“ Das gilt natürlich auch für „ a good woman“.

Bedenken Sie bei dem Ganzen, dass es hier um Ihr Überleben geht. Wenn Sie sich ins Abseits befördern, dann haben Sie ein super Problem.

Das Wichtigste in Kürze

Der wichtigste Punkt, den Sie sich klarmachen müssen ist, dass Sie nur ein einziges Instrument des Erfolges haben, nämlich sich selber. Entwickeln Sie daher einen gesunden Egoismus, um sich selber an die erste Stelle zu setzen und sich regelmäßig geistige, körperliche und seelische Erholung und Revitalisierung zu gönnen. Bedenken Sie bei dem Ganzen, dass es hier um Ihr Überleben geht. Wenn Sie sich ins Abseits befördern, dann haben Sie ein super Problem.

 

In „Hirt on Management“ beantwortet Michael Hirt, Managementexperte und -berater, Executive Coach, Keynote Speaker und Buchautor alle 2 Wochen Fragen von ManagerInnen zu herausfordernden Situationen und kritischen Managemententscheidungen.

Schicken Sie Ihre Fragen an Michael Hirt an: karrierenews@diepresse.com

Die Fragen werden anonymisiert beantwortet.

Ausblick: Die nächste Kolumne von Michael Hirt erscheint am 23. November 2017 zur Frage: Der optimale Start in der neuen Managementaufgabe. Worauf es dabei ankommt.

Hier finden Sie die gesammelten Kolumnen.

Dr. Michael Hirt, geboren 1965 in Wien, ist Managementexperte und -berater, Executive Coach, Keynote Speaker und Buchautor. Hirt verhilft Führungskräften zu schnellen Leistungs- und Ergebnissteigerungen, mit hoher Auswirkung auf den Erfolg ihres Unternehmens. Er studierte in Österreich, Kanada (McGill) und Frankreich (INSEAD MBA) und ist weltweit tätig.

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