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Bild: Pixabay 

Platz für Neues

09.10.2017 | 15:00 |  Conrad Pramböck (DiePresse.com)

Kolumne "Karrierewege". Der Kunde ist König, aber kein Sklaventreiber. Wann man sich von "Energieräubern" trennen sollte.

Neulich hielt ich einen Vortrag vor Unternehmern zur Frage, wie sie mehr verdienen könnten. Zum Abschluss stelle ich die Frage, welche konkreten Maßnahmen die Unternehmer nun nach meinem Impuls ergreifen würden, um die Umsätze und Gewinne der Firma zu steigern. Ich erwartete Antworten über eine konsequentere Umsetzung der Strategie, die Erschließung neuer Vertriebskanäle oder die forcierte Weiterbildung der Mitarbeiter.

Überraschenderweise stand ein anderer wichtiger Punkt auf der Prioritätenliste der Unternehmen: der gezielte Abbau von Kunden. Es sollte in Zukunft eine bestimmte Art von Geschäft nicht mehr bedient werden.

Auf den ersten Blick klingt es paradox, Kunden abzubauen, um höhere Umsätze zu erzielen. Die Unternehmer erklärten jedoch, dass rund 10 Prozent der Kunden so umständlich, schwierig und langwierig seien, dass sich das Geschäft mit ihnen nicht mehr rentiere. Statt sich auf dieses ungeliebte Business zu konzentrieren, das viel Zeit und Kraft koste, werde es in Zukunft nicht mehr bedient.

Weg mit den schlechtesten zehn Prozent

Schon Jack Welch, der frühere legendäre CEO von General Electric, führte sein Unternehmen nach der 20-70-10 Regel. Während die besten 20 Prozent der Mitarbeiter belohnt und die mittleren 70 Prozent der Beschäftigten gefördert und entwickelt werden, trennt sich das Unternehmen jedes Jahr von den schlechtesten zehn Prozent. Der langjährige wirtschaftliche Erfolg des Unternehmens gab ihm Recht.

In jedem Lebensbereich – ob privat, finanziell, gesundheitlich oder beruflich – gibt es Energieräuber. Privat sind es meistens die Beziehungen zu einigen wenigen Menschen, die enorm viel Kraft und Aufwand bedeuten. Finanziell belastet viele Menschen vor allem ein Kredit, etwa auf das zweite Eigenheim im Grünen. Gesundheitlich kann eine einzige schlechte Angewohnheit zu unerwünschten Beeinträchtigungen führen, wie etwa die tägliche üppige Nachspeise nach dem Mittagessen oder die Zigarette zum Kaffee, auf die man nicht verzichten kann.

Beruflich sind es entweder schwierige Arbeiten, aber noch häufiger unangenehme Menschen, die Kraft, Zeit und Energie auffressen. Ob es der Chef, ungeliebte Kollegen oder schwierige Kunden sind: Diese Menschen sind Sand im Getriebe auf dem Weg nach vorn. Die entscheidende Regel dafür lautet: Reduzieren Sie den Kontakt zu diesen Menschen gegen Null.

Nicht jeden Kunden kann man glücklich machen

Der Kunde ist zwar nach wie vor König, aber er ist kein Sklaventreiber. Manche Menschen werden Sie unter keinen Umständen zufriedenstellen können, ganz gleich wieviel Zeit und Energie Sie darauf verwenden. Sobald Sie erkennen, dass Sie nicht jeden Kunden immer glücklich machen können, beenden Sie die Geschäftspartnerschaft mit den schwierigsten.

Die Unternehmer berichteten einhellig, dass der entgangene Umsatz mit schlechten Kunden in kurzer Zeit wieder wettgemacht war, und zwar diesmal mit gutem Geschäft und angenehmen Kunden.

Haben Sie keine Angst, zu Menschen auch einmal nein zu sagen, jedenfalls solange es nicht mehr als 10 Prozent betrifft, den nicht immer liegt es an den anderen. Unliebsame Beziehungen zu beenden, auch wenn Sie sich zum Teil finanziell davon abhängig fühlen, schafft Platz für Neues und gibt Ihrem Leben die Chance, dass etwas viel Besseres nachkommt.

Conrad Pramböck ist Berater und Speaker zu Gehalts- und Karrierethemen. Seine gesammelten Kolumnen finden Sie hier und im Buch "Karrierewege". Der Reinerlös des Buchverkaufs kommt Pramböcks Sozialprojekt "Ein Kinderlachen verdienen" zugute.

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