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Bild: Pixabay 

Think Big ist zu wenig

10.04.2017 | 10:00 |  Conrad Pramböck (DiePresse.com)

Kolumne "Karrierewege". Erfolg kommt nicht über Nacht; für gewöhnlich geht ihm jahrelange harte Arbeit voraus. Groß denken, klein starten und rasch handeln sind die Schlüssel auf dem Weg nach oben.

Bevor Donald Trump Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika wurde, prägte er als Geschäftsmann den Grundsatz: „Think big“. Sein Rat für erfolgreiches Business lautete, gleich ein paar Nummern größer zu denken, um einen zusätzlichen wirtschaftlichen Vorteil herauszuholen. Wenn Sie eine neue Wohnung erwerben wollen, kaufen Sie gleich das ganze Haus, vermieten alle anderen Apartments und behalten nur eines für sich. Die Mieten der anderen zahlen Ihre eigene Wohnung.

Gleichgültig wie Sie zu Donald Trump stehen: Think big kann ein guter Businessrat sein, aber er greift zu kurz. Nicht jedem steht es offen, gleich groß zu starten. Trump erhielt laut seinen Aussagen nur einen „kleinen Kredit“ von einer Million Dollar von seinem Vater, als er als junger Mann ins Geschäftsleben einstieg. Die meisten Menschen können nicht auf solch großzügige Unterstützung ihres Elternhauses zählen.

Deshalb ist es wichtig, dem Grundsatz „Think big“ noch zwei weitere Aspekte hinzuzufügen: Der zweite Schritt nach einem großen Gedanken lautet nämlich: „Start small“.

Viele Menschen wollen gleich auf höchstem Niveau starten: Gleich der erste Song soll auf Platz 1 der Charts einsteigen, gleich die erste Kollektion soll ein Millionengeschäft bringen, gleich der erste Job soll ins Management führen. Das ist für die meisten Neuanfänger völlig unrealistisch. Wer scheinbar über Nacht zum Superstar wurde, hat in der Regel mindestens zehn Jahre hart für den Erfolg gearbeitet.

Im Rampenlicht ist nur die Spitze des Eisbergs sichtbar. Der Weg dorthin wird von den meisten Außenstehenden nicht wahrgenommen und daher weit unterschätzt. Die knackigen Bauchmuskeln hätte wohl jeder Mann gerne, aber ins Fitnesscenter gehen die wenigsten. Jeder hofft insgeheim auf die rasche und einfache Abkürzung, die es jedoch in den seltensten Fällen gibt. Viele geben auf, wenn sich der große Erfolg nicht binnen kurzer Zeit einstellt.

Wer es ernst mit seiner Karriere meint, hat von Anfang an das große Ziel vor Augen, gibt sich aber zunächst mit kleinen Erfolgen zufrieden. Auch Popstar Ed Sheeran ist in seiner Jugend als Straßenmusikant aufgetreten, und mittlerweile füllt er ganze Stadien mit seinen Auftritten. Zwischen ganz oder gar nicht ist jede Menge Platz, und erfolgreiche Menschen nützen jede Zwischensprosse auf dem Weg nach oben.

Der dritte Aspekt lautet: „Act fast“. In der Phantasie fühlt sich der Platz an der Sonne wundervoll an, doch die Straße dorthin wollen die wenigsten gehen, weil der Weg so steinig ist. Die große Gefahr des „Think big“ besteht darin, ein Leben mit dem Gedanken an die eigene Großartigkeit zu führen, das jedoch der Überprüfung in der Wirklichkeit nicht standhält. In Gedanken wähnen sich viele als Superstars, während sie in Wahrheit kleine Würstchen sind. Diese Menschen fühlen sich vom Leben benachteiligt, das ihre vermeintliche Größe nicht erkennt.

Nach einem großartigen Gedanken rasch zu handeln ist einer der Grundsätze auf dem Weg zum Erfolg. Viele tolle Phantasien zerplatzen bereits nach dem ersten kurzen Realitätscheck und machen Ressourcen frei, um etwas anderes aus dem eigenen Leben zu machen.

Der dreifache Schritt zu einem großartigen Berufsleben besteht also darin, berufliche Ziele möglichst groß zu denken, um Platz für maximale Entfaltung zu schaffen, klein zu starten und sich anfangs mit der kleinen Bühne zu bescheiden, und rasch zu handeln, um laufend Erfahrungen zu sammeln und den Weg gegebenenfalls zu korrigieren. Think big, start small, act fast.

 

Conrad Pramböck ist Berater und Speaker zu Gehalts- und Karrierethemen. Seine gesammelten Kolumnen finden Sie hier und im Buch "Karrierewege". Der Reinerlös des Buchverkaufs kommt Pramböcks Sozialprojekt "Ein Kinderlachen verdienen" zugute.

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