Artikel drucken Drucken Artikel kommentieren Kommentieren Artikel senden Senden
 

Heute habe ich es nicht gemacht

30.01.2017 | 07:30 |  Conrad Pramböck (DiePresse.com)

Kolumne "Karrierewege". Nicht alles was man tut, macht man gerne. Oft ist es auch nicht notwendig und könnte einfach weggelassen werden.

Es gibt eine überraschend einfache Methode, um Ihr Leben dramatisch zu erleichtern und zu verbessern und Ihnen gleichzeitig viel mehr Zeit zu verschaffen, um Dinge zu tun, die Ihnen wichtig und lieb sind. Diese Vorgehensweise ist so offensichtlich, dass es geradezu eigenartig ist, wie wenige Menschen sie in ihrem Berufsleben einsetzen.

Die Methode funktioniert so: Sie tun manche Dinge einfach nicht, die Sie nicht gerne machen. Es ist überraschend, wie viele althergebrachte Prozesse in Unternehmen existieren, die komplett unproduktiv sind, viel Zeit fressen und die in Wahrheit niemanden interessieren. Weder beeinflusst es das Erlebnis der Kunden, noch kümmern sich der Chef oder das Headquarter darum. Diese Dinge sind komplett überflüssig und werden gemacht, weil sie eben immer so gemacht worden sind.

Wenn Sie mit der Entrümpelung Ihres Arbeitsalltags beginnen, fangen Sie mit kleinen Dingen an, von denen Sie meinen, dass sie nicht notwendig sind und Sie nur wertvolle Lebenszeit kosten. Testen Sie es zunächst im kleinen Rahmen und nicht gleich im großen Stil.

Ein Mitarbeiter beschloss eines Tages, nicht mehr zum monatlichen Abteilungsmeeting zu gehen. Er bat einen Kollegen, ihn mit einer dringenden Aufgabe zu entschuldigen, sollte jemand nach ihm fragen. Tatsächlich fiel seine Abwesenheit niemandem auf, und er ließ sich vom Kollegen die wichtigsten Ergebnisse des Meetings in wenigen Sätzen zusammenfassen. Auch in der folgenden Woche blieb er dem Meeting fern. Mittlerweile hat er es ohne Folgen seit Jahren nicht mehr besucht und nutzt die ruhige Stunde zum Arbeiten, während alle anderen in der Besprechung sitzen.

Ein Key Account Manager hatte von den langen Fahrzeiten und den vielen Tausend Kilometern in Auto und Flugzeug genug. Einmal bat er einen Kunden, ob er den geplanten Gesprächstermin aus Zeitgründen am Telefon statt persönlich wahrnehmen könne. Für den Kunden war es kein Problem, und der Verkäufer erkannte im Laufe der nächsten Wochen, dass er weit über 90 % der Termine auch telefonisch durchführen konnte. Er hatte nun fast doppelt so viel Zeit für seine Kunden, und seine Verkaufserfolge gingen durch die Decke.

Ein IT-Techniker ging sogar einen Schritt weiter. Er hatte eine Chinesin geheiratet und besuchte zu ihrer Hochzeitsreise die Familie seiner Frau. Die Arbeit erledigte er am Laptop von unterwegs. Da er schon vorher viel im Home Office gearbeitet hatte, schien seine Abwesenheit niemandem aufzufallen, sodass er sich kurzfristig dazu entschied, gleich eine mehrmonatige Reise durch das Land anzuhängen. Als er wieder im Büro erschien, meldete er sich bei seinem Chef, dem völlig entgangen war, dass sein Mitarbeiter nicht an seinem Arbeitsplatz war, da ja die Arbeit immer zeitnah erledigt war.

Wenn Sie Dinge weglassen, erkennen Sie gleich, welchen Wert Ihre Arbeit für andere hat. Vielleicht geht es Ihnen ja auch wie der Mutter von drei Jungen, deren Ehemann eines Tages spät nach Hause kam. Völlig entgeistert fragte er seine Frau, was denn heute los gewesen sei. Die Wohnung war völlig verwüstet, überall lag Spielzeug herum, die Küche war total verdreckt und die Kinder sprangen mit zerzausten Haaren wild auf der Couch, obwohl schon längst Schlafenszeit war.

„Schatz, Du fragst mich doch immer, was ich den ganzen Tag so mache“, sagte die Hausfrau zu ihrem Mann mit ruhiger Stimme. „Heute habe ich es nicht gemacht.“

 

Conrad Pramböck ist Berater und Speaker zu Gehalts- und Karrierethemen. Er leitet bei der Personalberatung Pedersen & Partners den Geschäftsbereich Compensation Consulting.

Die gesammelten Kolumnen sind im neuen Buch "Karrierewege" erschienen. Der Reinerlös des Buchverkaufs kommt Pramböcks Sozialprojekt "Ein Kinderlachen verdienen" zugute.

Weitere Kolumnen finden Sie hier.

 

AnmeldenAnmelden
DiePresse.com