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Bild: (c) Die Presse (Clemens Fabry) 

Games people play

24.01.2017 | 13:07 |  Andrea Lehky (DiePresse.com)

Kolumne "Führungsfehler". Er war Verkaufsleiter und - gelinde gesagt - wankelmütig. Sie war Teamassistentin und sehr gewissenhaft. Täglich deckte sie seine Fehler auf. Er wusste, sie war eine Gefahr für ihn. Er musste sie loswerden.

Eines Tages hatte er eine Idee. Er rief den jüngsten der Verkäufer zu sich und verpflichtete ihn erst einmal zu absolutem Schweigen. „Sie wissen doch“, begann er dann, „dass der Mitbewerb unsere Preise oft unterbietet.“ Der Verkäufer nickte. „Dafür gibt es nur eine Erklärung“, setzte der Verkaufsleiter fort, „eine undichte Stelle. Und wer hat als einziger Zugang zu allen Offerten, außer mir?“ Der Verkäufer dachte angestrengt nach. „Die Teamassistentin?“, fragte er dann ungläubig. Der Verkaufsleiter nickte triumphierend.

Sein Plan: Sie sollte ein fingiertes Offert an einen beliebigen Vertrauten des Verkäufers schreiben. Würde es unterboten, war sie überführt. Der Verkäufer musste mitspielen.

Beim nächsten Monatsmeeting ging das Team wie gewohnt alle offenen Offerte durch. „Was ist mit diesem einen?“, fragte die Assistentin. Der Verkäufer lief rot an. Hilfesuchend blickte er zum Verkaufsleiter. Von dem kam keine Unterstützung, im Gegenteil. „Ja, was ist damit?“, fragte er lauernd. Die anderen Verkäufer wurden stutzig. Sie kannten den Markt, der Kundenname war ihnen nie untergekommen. „Noch keine Antwort“, stammelte der Angesprochene.

Nach dem Meeting nahmen ihn die Kollegen in die Zange. Ihm blieb nichts übrig als sie einzuweihen. Einer der Älteren begann, einen Gassenhauer zu summen: „Games people play“.

Monat für Monat stolperte die gewissenhafte Assistentin nun über das Offert. Wieder und wieder wand sich der Verkäufer heraus. Niemand kam ihm zu Hilfe. Nur die Kollegen summten leise hinter seinem Rücken „Games people play“. Irgendwann bat er die Assistentin, das bewusste Offert sang- und klanglos aus der Liste zu nehmen. Er wäre damit gescheitert, log er.

Jahre später trafen einander die beiden zufällig auf der Straße. "Jetzt kannst du es mir ja sagen", begann sie, "was hatte es mit diesem seltsamen Offert auf sich?" Er erzählte es ihr. Sie war gebührend entrüstet. „Und?“, fragte sie dann, „habt ihr die undichte Stelle gefunden?“ Er schüttelte den Kopf: „Es gab keine.“ Der Verkaufsleiter habe die Sache nur erfunden, um sie zu diskreditieren.

 

Das Management. Unendliche Möglichkeiten für Führungsfehler. Wenn Sie einen solchen loswerden wollen, schreiben Sie an: andrea.lehky@diepresse.com

Ähnlichkeiten mit realen Personen oder Unternehmen sind zufällig und nicht beabsichtigt.

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