Der Sherpa bricht zusammen

25.10.2016 | 08:47 |  ANDREA LEHKY (DiePresse.com)

Kolumne "Führungsfehler". Der Junge war wie er, als er noch jung war, dachte sich der Vorstand. Ehrgeizig, smart und auf dem Weg nach oben.

Artikel drucken Drucken Artikel kommentieren Kommentieren Artikel senden Senden

Wohlwollend erkannte sich der Vorstand in seinem neuen Assistenten wieder. Soll er doch beweisen, was er drauf hat, dachte er. Er gab dem Jungen mehr und mehr Verantwortung. So viel, wie er selbst hatte tragen können, als er im selben Alter war. Fordern und fördern, heißt es doch immer.

In einem Punkt täuschte er sich. Der Junge war ehrgeizig, smart und auf dem Weg nach oben. Aber er konnte eben nicht so viel tragen wie der Vorstand in seinem Alter. Vielleicht täuschte den seine Erinnerung auch nur.

Mehr und mehr kam sich der Assistent vor wie ein Sherpa, dem noch ein Koffer aufgebürdet wurde und noch einer und noch einer. Aufzumucken wagte er nicht. Und so schlitterte er in ein Burn-out, mit 27. Der Doktor verordnete ihm, den Job aufzugeben.

Er habe sich in seinem Assistenten getäuscht, sagte der Vorstand nachher. Er war doch nur ein Weichei.

 

Das Management. Unendliche Möglichkeiten für Führungsfehler. Wenn Sie einen solchen loswerden wollen, schreiben Sie an: andrea.lehky@diepresse.com

Ähnlichkeiten mit realen Personen oder Unternehmen sind zufällig und nicht beabsichtigt.

Weitere "Führungsfehler" finden Sie hier.

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Artikel kommentieren Kommentieren BookmarkBookmarken bei [Was ist das?]

1 Kommentare
just4you
06.11.2016 21:01
0 0

Tabu-Führungsfehler?!

Wieviele Topmanager lassen sich wohl auf ihrem Weg zur Spitze den Rücken durch die Familie stärken, schätzen und genießen die Rückzugsmöglichkeit?! Ich denke sehr viele!!
Doch oben angekommen - im Rausch von Geld und Machtgehabe - wird dann oft eiskalt ausgetauscht - die Familie, die Frau, die alten Freunde!
Bleibt nur zu hoffen, dass Gesundheit, Vitalität und das Händchen für's Geschäft stets erhalten bleiben bis ins hohe Alter! Wer will und braucht schon einen Ex-Topmanager, gebeutelt von Burnout, Krankheit und Einsamkeit??
AnmeldenAnmelden
DiePresse.com