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Bild: Pixabay 

Was Ausbildnern nicht verziehen wird

28.05.2017 | 16:50 |  Andrea Lehky (Die Presse)

Lehrlinge. Gut gemeint und doch daneben: Kleine wie große Fehler bringen so manches Nachwuchsprogramm zu Fall. Die Top fünf der häufigsten Fehlgriffe.

Robert Frasch hat viel gesehen. Fragt man den Betreiber zweier Fachplattformen (lehrlingspower.at und ausbilden.co.at) nach den gewichtigsten Fehlern in der Lehrlingsausbildung, kommt er in Fahrt. Vieles, sagt er, das auf die Beine gestellt werde, sei gut gemeint – und erreiche doch das Gegenteil.

Recruiting. Eine Homepage hat jedes Unternehmen. Bei Weitem nicht jedes hat eine Karriereseite. Noch weniger haben eine, die gut gefunden wird. Eine vertane Gelegenheit, meint Frasch, denn die Jugendlichen suchen – anders als Erwachsene – weniger auf allgemeinen Jobplattformen, vielmehr auf den Seiten von Firmen, die sie kennen. Nächster Fehler: zu viel Text im Inserat (Frasch zynisch: „Weil Lehrlinge ja so gern lesen“), in unverständlicher Fachsprache oder in vermeintlichem „Jugendsprech“. Jugendliche merken das sofort.

Ausbildungsplan. Einfach loslegen, ohne Plan, ist ein beliebter wie folgenschwerer Fehler. Verstärkt wird er durch die Weigerung, sich mit anderen Firmen zu vernetzen und auf deren Plänen aufzubauen. Oder man bringt der nächsten Generation alles genau so bei, wie es der eben in Pension gegangene Kollege gemacht hat.

Onboarding. Manchen Firmen scheine es Spaß zu machen, alles auszusperren, was die Lebenswelt Jugendlicher ausmache, sagt Frasch. Besonders Smartphone und Social Media: „Jugendlichen ihr Handy zu verbieten ist, wie Erwachsenen den Kaffee wegzunehmen.“ Die Reaktion: Panik bis Feindseligkeit.

Arbeitszuteilung. Der Klassiker: Zu glauben, Lehrlinge seien billige Arbeitskräfte, denen man alles umhängen kann, was man selbst nicht machen will. Ein Schuss, der aus zwei Gründen nach hinten losgehen kann. Erstens ist der heutige Nachwuchs wehrhaft und ruiniert via Social Media den Ruf des Arbeitgebers im Handumdrehen. Zweitens will man ihn ja selbst in drei Jahren als ausgelernte Fachkraft einsetzen. Spätestens dann fällt einem auf den Kopf, was man dem Lehrling nicht beigebracht hat.

Führung. Eine kleine Auswahl beliebter Fehler: nur Anweisungen, keine Erklärungen geben, Fachchinesisch sprechen, ohne Erläuterung, sich hinter fest verschlossenen Türen verstecken und nicht greifbar sein, einen Lehrling vor anderen blamieren, „damit die anderen etwas lernen“, dem eigenen Chef bei jeder Gelegenheit sagen, wie dumm Lehrlinge sind – und bei ausreichender Beharrlichkeit das Nachwuchsprogramm kippen.
Der richtige Führungsstil ist für Frasch so einfach wie selbstverständlich: die jungen Leute wie Erwachsene behandeln. Doch selbst Arbeitgebern, die bis hierher alles richtig gemacht haben, unterläuft gern ein Fehler: Ihr Programm ist toll, aber sie lassen es nicht nach außen dringen. Es könnte sich ja herumsprechen.

1 Kommentare
Zuckmayer1
29.05.2017 09:49
0 0

Mehr Schein als Sein, aber mit Verlaub das gilt auch für Schulen!

Was Österreich fehlt, so scheint es, ist ein Fehlen einer Qualitätsüberprüfung mit drastischen Konsequenzen (!) im gesamten Bildungssystem!
Ob das jemals im verhaberten Funktionärs- und Beamtenstaat Österreich jemals möglich sein wird?
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