In jeder Abteilung guten Eindruck hinterlassen

26.09.2016 | 06:00 |  Michael Köttritsch (Die Presse)

Lehrlinge. Rotation in der Ausbildung junger Mitarbeiter hat entscheidende Vorteile: Die Lehrlinge erhalten Einblick in unterschiedliche Bereiche, können ihre Neigungen testen – und lernen, sich immer wieder auf Neues einzustellen.

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Logistik, Shop, Einkauf und Vertrieb – für jeweils sechs Monate. So sehen die ersten beiden Lehrjahre für Großhandelskaufleute bei Haberkorn aus, sagt Angelika Alfare. Sie ist Lehrlingsbeauftragte beim Technikfachhändler am Standort in Wolfurt. Dank des vor vielen Jahren eingeführten Rotationsprinzips in der Lehrlingsausbildung „bekommen die jungen Mitarbeiter ein vollständiges Bild vom Unternehmen“, sagt Alfare. „Sie lernen die Produkte, die wir vertreiben, die internen Abläufe und die Mitarbeiter kennen.“

Ähnliches erzählt Friedrich Mülleder. Er ist beim öffentlichen Versorgungsunternehmen Linz AG Lehrlingsbeauftragter für die technischen Berufe. Mit dem Unterschied, dass die Lehrlinge jeweils nur einen Monat bis drei Monate in einem Tätigkeitsfeld bleiben. Das habe, sagt Mülleder, einerseits damit zu tun, dass es für die Techniker viele relevante Bereiche gebe. Andererseits hänge das auch mit saisonalen Gegebenheiten zusammen. Im Bereich der Freileitungen bzw. der Kabellegung konzentrierten sich viele Tätigkeiten auf die warme Jahreszeit, im Bereich der Kraftwerke können man wiederum gerade im Frühjahr viele Lehrlinge sinnvoll beschäftigen.

Ganz anders verläuft das abschließende Lehrjahr. Bei der Linz AG bleiben die Lehrlinge in den letzten sieben bis acht Monaten in einer Abteilung. Das entspreche dem Motto „Integration junger Facharbeiter“ und bedeute, dass sich die Lehrlinge in einem Gebiet vertiefen. Oft, sagt Mülleder, „gibt es namentliche Anforderungen durch die Abteilungen“, besonders bei den Elektrotechnikern.

Bei Haberkorn arbeiten die Lehrlinge das gesamte letzte Lehrjahr in der sogenannten Stammabteilung. Das sei, sagt Alfare, eine Spezialisierung und die Vorbereitung auf die Mitarbeit über die Lehrzeit hinaus. Welcher Bereich zur Stammabteilung werde, hänge von den individuellen Neigungen ab. Sie werden in Gesprächen herausgearbeitet, sagt Alfare. Natürlich spielt auch der personelle Bedarf der Abteilungen eine Rolle.

Investition in die Zukunft

Keine Frage: Für die Unternehmen ist es eine Herausforderung, die Mitarbeiter zu motivieren, Lehrlinge immer wieder einzuschulen. „Wenn die Zyklen zu kurz sind, werden Fertigkeiten und Abläufe nicht weitergegeben, weil der Aufwand zu hoch ist“, sagt die auf Lehrlingsausbildung spezialisierte Unternehmensberaterin Vittoria Bottaro. Das bestätigt auch Mülleder, er sagt aber: „Die Abteilungen sehen, das sind potenzielle künftige Mitarbeiter.“ Daher sei es sinnvoll, sie gut auszubilden. Auch Alfare sagt: „Selbst wenn ein Lehrling später nicht in diesen Bereich zurückkehrt, verschwindet er ja nicht aus dem Unternehmen. Wenn sich die Abteilung gut um den Lehrling gekümmert hat, weiß sie, dass sie einen guten Ansprechpartner in einer anderen Abteilung hat.“

Gut zu überlegen sei daher, sagt Bottaro, wer die Lehrlinge einschulen soll. „Lehrling schult Lehrling“ sei ein gutes Modell. „Jugendliche untereinander reden leichter, und so werden gleich die Tipps und Tricks für die Arbeit mitgeliefert. Für diejenigen, die erklären, ist es eine gute Wiederholung, Vorgänge noch einmal auszuführen.“ Das Modell hat aber auch Tücken: Wenn sich Fehler im Arbeitsablauf eingeschlichen haben, werden sie 1:1 weitergegeben. Problematisch ist auch, wenn Lehrlinge zwar gut arbeiten, aber weniger gut erklären können. „Um das Stille-Post-Syndrom zu verhindern, ist regelmäßige Kontrolle durch Stammmitarbeiter unerlässlich“, sagt Bottaro.

Teil des Erwachsenwerdens

Wie geht es den Lehrlingen damit, sich immer wieder auf neue Umgebungen, neue Kollegen und Tätigkeiten einzustellen? „Sie wissen, dass sie sozusagen ihre Visitenkarte in der jeweiligen Abteilung hinterlassen und auf sich aufmerksam machen können“, sagt Mülleder. Natürlich falle es manchen Lehrlingen schwer, sagt auch Alfare. Besonders dann, wenn sie sich in einer Abteilung besonders wohlfühlen. „Aber letztlich ist auch das ein Teil des Erwachsenwerdens.“ Wichtig ist ihr daher, dass die jungen Mitarbeiter entsprechend begleitet werden. Bevor sie von einer Abteilung in die nächste Abteilung wechseln, setzen sich die jeweiligen Lehrlingsverantwortlichen mit dem Lehrling zusammen – und bereiten nach bzw. vor, sagt Alfare.


[MSOUH]

(Print-Ausgabe, 24.09.2016)

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