Wie Lehrlinge die richtige Lehrstelle erkennen

20.02.2016 | 07:00 |  von Michael Köttritsch  (Die Presse)

Fachkräfte von morgen. Passe ich da wirklich hin? Das fragen sich viele junge Lehrlinge. Fünf Tipps, wie sie es herausfinden können.

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Und dann hat Sarah Heindl doch das Richtige getroffen. Zwei Jahre lang hatte sie die Ausbildung zur Kindergartenpädagogin besucht und mehr und mehr bemerkt, „das liegt mir nicht so besonders“. Sie beriet sich mit ihrer Familie. „Dabei wurde mir bewusst, wie technikinteressiert ich bin.“ Heute ist sie im ersten Lehrjahr bei A1 und absolviert die Lehre zur Elektronikerin mit Hauptmodul Informations- und Telekommunikationstechnik. „Das gefällt mir“, sagt die 17-Jährige. „Ich kann die Dinge, die wir hier machen, angreifen. Und die Ausbildung ist nicht nur theoretisch.“

 

„Ich kann die Dinge, die wir hier machen, angreifen. Und die Ausbildung ist nicht nur theoretisch.“
Sarah Heindl, Lehrling

 

 

 

 

 

Rollenklischees: Technikerin, Stylist

Eine junge Frau in einer technischen Ausbildung? „Manche sind verwundert und fragen, warum ich das mache.“ Diese Frage bekommt auch Lukas Humann öfters gestellt: Er steht im dritten Lehrjahr als Stylist bei Bundy Bundy. Er ist einer von zwei Burschen in seiner Friseurklasse in der Berufsschule. Auch er hatte sich vor der Berufswahl intensiv mit seiner Familie beraten und schon beim Lehrlingscasting und spätestens bei den Probetagen – damals war gerade Opernball – gewusst: „Hier will ich arbeiten.“

Auch sein Team ist Humann (wie auch Heindl) wichtig. Bei ihm sind es sieben Leute, von denen er lernt.
Nicht alle Lehrlinge fühlen sich auf Anhieb in ihrem Lehrberuf und in ihrem Lehrbetrieb wohl. Doch wie erkennen Lehrling, ob sie richtig sind?

Fünf Fragen, die helfen:
► Frage an mich selbst. Fühle ich mich wohl? Gehe ich gern hin? Habe ich dort Menschen, die mir sympathisch sind? „Oft fühlen sich Lehrlinge am Anfang fremd“, sagt Vittoria Bottaro, Unternehmensberaterin mit dem Schwerpunkt Lehrlingsausbildung. „Es braucht Zeit, um an die Menschen ,ranzukommen‘.“ So schnell lerne man nette Menschen nicht kennen. Wenn man offen auf andere zugeht, sollte sich das aber innerhalb von drei bis sechs Wochen ergeben. Bessert sich die Situation aber auch nach zwei Monaten nicht, sollte man sich fragen: „Kann ich damit leben?“

► Frage an die Ausbildung. Kann ich in dem Betrieb etwas lernen? Bildet mich der Betrieb richtig aus? „Lehrlinge merken das oft erst auf den zweiten Blick“, sagt Bottaro. Betriebe, die einen Ausbildungsplan haben, kommunizieren diesen auch gern transparent und nachvollziehbar.

 

Häufig bekommen Neuankömmlinge erst einmal mäßig spannende Aufgaben.

 

 

 

 

Häufig bekommen Neuankömmlinge erst einmal mäßig spannende Aufgaben. Bottaro warnt, von diesen auf die gesamte Ausbildung und die Qualität zu schließen. „Betriebe, die ihre Lehrlinge gut ausbilden, haben immer klare Vorstellungen, wozu und wie lang diese ,langweiligen‘ Aufgaben wie Reinigen, Schlichten oder Putzen notwendig sind.“

Es gibt Unternehmen, in denen die Lehrlinge von Anfang an in den Arbeitsprozess integriert sind. Und wenn dann der Arbeitstag vergeht und bei den Lehrlingen nie das Gefühl von Langeweile aufkommt, sind sie meist sehr froh. Doch nicht immer können sogar sehr gute Ausbildungsbetriebe genau das leisten. Was sich daher lohnt, ist der Blick hinter die Kulissen.

 

Bleibt der Lehrling aber ein Fremdkörper, schadet das nicht nur der Moral und dem Betriebsklima, sondern auch der Ausbildung.

 

 

 

 

 

► Frage zur Struktur im Betrieb. Ist jemand für mich zuständig? Kenne ich mich in der Struktur des Unternehmens aus? Kenne ich meine Vorgesetzten und die Aufgaben der Personen in meinem näheren Umfeld? Zu Beginn fühlen sich Lehrlinge wie Fremdkörper. Unternehmen reagieren darauf und stellen ihnen Mentoren oder Ansprechpartner zur Seite.

Bleibt der Lehrling aber ein Fremdkörper, schadet das nicht nur der Moral und dem Betriebsklima, sondern auch der Ausbildung. Je besser sich ein Lehrling schon nach dem ersten Monat auskenne, desto besser, sagt Bottaro.

► Fragen für die Probezeit. „Mindestens zwei der oben genannten Fragen sollten positiv beantwortet werden“, sagt Bottaro, „besser alle drei.“ Für Lehrlinge, die nur eine Frage positiv beantworten, könne die Lehre entweder sehr lang dauern oder zur Leere werden. Da gebe es nur eines, das ein Durchbeißen sinnvoll erscheinen lässt:

► Frage zum Unternehmen. Macht es sich gut im Lebenslauf, bei diesem Unternehmen gelernt zu haben? Welchen Ruf hat der Betrieb? „Das klingt oberflächlich, es ist jedoch immer noch so, dass es für die zukünftigen Arbeitgeber ausschlaggebend ist, bei welchem Betrieb man gelernt hat“, sagt Bottaro. Und wie man sich dort gemacht hat. Denn hat das Ausbildungsunternehmen einen guten Ruf, ist das für die weitere Karriere von Nutzen.

Die nächste Folge mit dem Titel „Hilfe, wir bekommen einen Lehrling! – Wie sich Unternehmen auf ihre neuen Mitarbeiter vorbereiten“ erscheint am 26. März.

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