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Gehaltsvergleich verdienen Juristen
Bild: Clemens Fabry 

Gehaltsvergleich 2012: Was verdienen Juristen?

26.03.2012 | 13:23 |  Andrea Lehky (Die Presse)

Drei Experten, drei Meinungen. Es sind eine Menge Faktoren, die über das Einkommen entscheiden. Fest steht: Verhungern müssen Jus-Absolventen nicht.

Laut Kienbaum-Geschäftsführerin Maria Smid liegen die Erstgehälter von jungen Masters of Law (LL.M.) in Unternehmen mit 35.000 Euro Jahresbrutto gleichauf mit jenen von Wirtschaftsabsolventen und etwa 2000 Euro unter jenen von Technikern oder Informatikern. Jus-FH-Master sind 32.000 Euro wert, Bachelors nur mehr 30.700 Euro. Versilbern lässt sich auch die Kombination mit einem Wirtschaftsstudium.

Ein paar Jahre später streift man als Teamleiter einer Rechtsabteilung (z. B. Compliance Manager) 70.000 bis 90.000 Euro Jahresbrutto ein, als Abteilungsleiter Recht 100.000 bis 127.000 Euro. Ins Topmanagement steigen Juristen eher selten auf: Nur zehn Prozent aller Geschäftsführer haben diese Ausbildungsschiene gewählt.


Abweichungen nach Branchen

Susanne Hochwarter, Geschäftsführerin von Lawyers & more, differenziert nach Branchen: Finanzdienstleister, Banken und Versicherungen zahlen Anfängern 2400 bis 3000 Euro Monatsbrutto; Industriebetriebe je nach Größe und Standort 2200 bis 2800 Euro. Der öffentliche Bereich liegt darunter.

Noch krasser unterscheiden sich die Einstiegsgehälter für Rechtsanwaltsanwärter. Zwischen 1800 und 3800 Euro monatlich liegen Welten – wie erreicht man das obere Ende? Schnell studieren und mit Bestnoten, meint Hochwarter, dazu Berufserfahrung sammeln, BWL- und Fremdsprachen-Kenntnisse aneignen.

 

Ländergefälle

Auch das Bundesland spielt eine Rolle: Die genannten Gehälter beziehen sich auf Wien; im Ballungsraum Linz/Wels, auf dem kleinen Grazer Markt und dem noch engeren Vorarlberger (wo wiederum die Nähe zum teuren Liechtenstein sticht) sind noch 1500 bis 2500 Euro möglich, in den anderen Bundesländern weniger.
Keine einheitliche Regelung gibt es auch bei der Pensionsversicherung für Konzipienten. Hochwarter: „Seit 1.1.2011 ein Novum in der Geschichte. Trägt die Kanzlei die Kosten oder anteilig der Konzipient? Das ist noch nicht entschieden.“

Fünf Jahre später ist es noch schwieriger, die Gehaltsrange einzugrenzen. Höchstwahrscheinlich liegt „der mit Blut, Schweiß und Tränen getränkte Weg der Anwaltsprüfung“ (Hochwarter) hinter einem. 100.000 Euro Fixum sind in großen Kanzleien möglich, meint Hochwarter, „jedoch eine Rund-um-die-Uhr-Woche relativiert vieles.“

In kleinen Kanzleien lassen sich gerade mal 3000 Euro monatlich (42.000 Euro jährlich) lukrieren – wie lässt sich das hochschrauben? „Mit verrechenbaren Stunden. Je mehr an den Klienten weitergegeben werden können, desto wertvoller ist man für die Kanzlei.“

Von der Entscheidung, sich selbstständig zu machen, rät Hochwarter derzeit ab: „Die meisten kämpfen ums nackte Überleben.“ Oft mangelt es auch schlicht am Talent zur Selbstständigkeit. Hochwarter kennt „begnadete Juristen, die denkbar schlechte Unternehmer wären“.

 

Spitzensatz 785.000 Euro

Gehaltsanalysen sind das Spezialgebiet von Conrad Pramböck, seit  Jänner Head of Compensation Consulting bei Pedersen & Partners. Seine Aufstellung  (siehe Grafik) nimmt den Median als  zentralen Wert und ordnet rechts und links jeweils gleich viele Fälle.

Als einziger der drei Experten bewertet Pramböck auch den öffentlichen Dienst. Hier reicht die Bandbreite von 29.000 bis knapp 33.000 Euro Jahresbrutto mit dem Median bei 30.800 Euro.

Das Beste kommt zum Schluss: die schier schwindelerregenden Gehälter der Partner und Seniorpartner in großen Kanzleien. Pramböck nennt 263.000 Euro inklusive Boni als Obergrenze für Partner und 785.000 Euro für Seniorpartner. Verhungern wird man damit sicher nicht. 

 

 Quelle: Pedersen & Partners, Grafik. "die Presse" (HR)

 Quelle: Pedersen & Partners, Grafik. "die Presse" (HR)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.03.2012)

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