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Fuenf Monate Unertraeglich

Fünf Monate? „Unerträglich“

22.03.2013 | 10:48 |  Nikolaus Koller (Die Presse)

Juristen. Im Rahmen der Success-Messe wurde Kritik an der Länge des Gerichtsjahres geübt. Richter bräuchten weniger Spezialisierung, dafür breite rechtliche Kenntnisse.

Kratzer am Karriere-Image kann Eckart Ratz für die Justiz nicht erkennen: Trotz schlechter Resultate in Vertrauensumfragen sieht der Präsident des Obersten Gerichtshofs (OGH) keinen Schaden für den Berufsstand des Richters. Für Heinz Mayer sind im Rahmen einer Diskussion bei der Success-Karrieremesse am letzten Mittwoch am Juridicum die Rahmenbedingungen des Berufsstandes schon getrübt – allerdings macht der Dekan der rechtswissenschaftlichen Fakultät der Universität Wien dies nicht am Image, sondern am Gerichtsjahr fest: „Die derzeitige Länge ist unerträglich“, fand Mayer harte Worte.

Auch Ratz äußerte Bedenken zum „Gerichtsjahr“ (es dauert derzeit fünf Monate): Der OGH-Präsident bezweifelte, ob in dieser Zeit ein Kennenlernen der Justiz als attraktiver Arbeitgeber möglich sei. Beide Juristen äußerten auf der Messebühne den Wunsch nach einem längeren Gerichtsjahr. Dieser könnte bald in Erfüllung gehen: Justizministerin Beatrix Karl hatte in einem „Presse“-Interview (Printausgabe vom 16. März) eine Verlängerung auf sieben Monate in Aussicht gestellt.

Methodenlehre notwendig

Während von jungen Juristen in anderen Berufen vor allem Auslandserfahrungen, Fremdsprachenkenntnisse und juristische Spezialisierungen verlangt werden, sind in der Justiz andere Qualifikationen gefragter: „Ein sehr gutes Verständnis der juristischen Methodenlehre“ verlangt der OGH-Präsident. In dieselbe Kerbe schlägt der Dekan: Angehende Richter müssten „Gesetzestexte anschauen und interpretieren können“.

Eine zu enge Spezialisierung lehnten beide Juristen ab – auch bei den Richtern selbst. Gerade der Wechsel zwischen Fachgebieten sei eine der interessanten Möglichkeiten, welche die Justiz biete, betonte Mayer. Die Durchlässigkeit innerhalb der Justiz sei sehr hoch. Richter hätten daher die Möglichkeit, sich wieder neu zu orientieren.

Würden Richter auch die Justiz verlassen, um in andere Bereiche zu wechseln? „Die Zufriedenheit in unserem Berufsstand ist so hoch, dass dies nicht vorkommt“, zeigte sich der OGH-Präsident überzeugt. Ratz kritisierte die Haltung einiger seiner Kollegen, sich auf ein Rechtsgebiet zu fokussieren und nicht auf andere einzulassen. „Zu sagen, ich bin ein Strafer – also ein Richter in der Strafgerichtsbarkeit – und hier bleibe ich, das geht nicht“, sagt der OGH-Präsident. Er selber habe sich im Laufe seiner Karriere immer wieder in andere Rechtsgebiete einlesen müssen und dies als Bereicherung empfunden. Auch der verbreiteten Ansicht, dass die zeitliche Belastung der Richter  verglichen mit anderen Branchen gering sei, erteilt Ratz eine Absage: „Da gibt ein kein Heimgehen um vier Uhr.“ 

„Streitbare“ Anwälte?


Bereits im Vorfeld der Success-Messe, bei der „Die Presse“ als Medienpartner auftrat, fand die Diskussion „Wie streitbar müssen Anwälte sein?“ statt. Vier junge Juristinnen aus verschiedenen Kanzleien betonten dabei, dass „streitbar“ für sie nicht zum Arbeitsalltag gehöre. Vielmehr gehe es darum, seinen Standpunkt – respektive den des Mandanten – gut zu vertreten und mit juristischen Argumenten unterlegen zu können. Dies würden Rechtsanwaltsanwärter vor allem „on the job“ mit der Anleitung eines guten Ausbildungsanwalts lernen.

Durchaus „streitbar“ zeigten sich hingegen im Anschluss daran vier Partner derselben Kanzleien. Konflikte und auch Streitigkeiten gehörten zum Anwaltsberuf, so der Tenor der Runde. In der Kanzleipartnerschaft dürften Streitigkeiten allerdings keinen Raum haben. Das würde den Sozietäten nur großen Schaden zufügen, waren sich alle vier Rechtsanwälte einig.

 

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.03.2013)

3 Kommentare
GG-Orange
24.03.2013 04:42
0 1

Na klaro gibz kein Heimgehen um vier Uhr

wenn man -- wie wir es von den Ösis-Richtern gewohnt sind -- erst gar nicht im Dienst erschienen ist.
NoNi5
27.03.2013 15:25
0 0

Re: Na klaro gibz kein Heimgehen um vier Uhr

Lieber GG-Orange,
Dieses Bild mag zwar in der Öffentlichkeit weit verbreitet sein, jedoch nicht (mehr) zutreffend.

Der Richterberuf ist längst kein "9 to 5" Job mehr. Die Arbeitsbelastung (auf Grund von Gesetzesnovellen, etc) steigt und steigt, auch für die Richter.

Bei Richtern ist es jedoch so, dass sie keine fixe Arbeitszeit haben. Jeder soll seine "Abteilung" ordnungsgemäß führen und wenn er das von Mittag bis Mitternacht macht oder am Sonntag statt am Freitag, auch ok.

Aber wie in jeder Jobsparte gibt es "schwarze Schafe".
Bitte keine Verallgemeinerungen!
NoNi5
27.03.2013 15:25
0 0

Re: Na klaro gibz kein Heimgehen um vier Uhr

Lieber GG-Orange,
Dieses Bild mag zwar in der Öffentlichkeit weit verbreitet sein, jedoch nicht (mehr) zutreffend.

Der Richterberuf ist längst kein "9 to 5" Job mehr. Die Arbeitsbelastung (auf Grund von Gesetzesnovellen, etc) steigt und steigt, auch für die Richter.

Bei Richtern ist es jedoch so, dass sie keine fixe Arbeitszeit haben. Jeder soll seine "Abteilung" ordnungsgemäß führen und wenn er das von Mittag bis Mitternacht macht oder am Sonntag statt am Freitag, auch ok.

Aber wie in jeder Jobsparte gibt es "schwarze Schafe".
Bitte keine Verallgemeinerungen!
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