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Diskriminierende Traineeprogramme

Diskriminierende Traineeprogramme

01.02.2013 | 12:44 |  Andrea Lehky (Die Presse)

Präzedenzurteil aus Deutschland: Angebote an Absolventen benachteiligen andere Altersgruppen.

Ein 36-jähriger Rechtsanwalt bewarb sich für ein Traineeprogramm bei der Berliner Charité – und wurde abgewiesen. Begründung: Man habe nach Examensnoten ausgewählt und nur Bewerber mit „Sehr gut“ und „Gut“ berücksichtigt. Er sah sich jedoch aus Altersgründen benachteiligt. Arbeits- und Landesarbeitsgericht wiesen seine Klage auf Entschädigung ab. Überraschend gab ihm das Bundesarbeitsgericht teilweise recht: da eine Stellenausschreibung, die sich konkret an „Berufsanfänger“ und „Hochschulabsolventen“ richtet, zumindest ein Indiz auf Altersbenachteiligung sein kann, berichtet die „Wirtschaftswoche“.

In Österreich sei ihr noch kein vergleichbarer Fall bekannt, meint Birgit Vogt, Ko-Leiterin des Arbeitsrecht-Departments der Kanzlei Kunz Schima Wallentin. Zwar verbieten §§ 16 und 17 Gleichbehandlungsgesetz – auf dieses Beispiel bezogen – Benachteiligungen bei der Begründung von Arbeitsverhältnissen und bei der Aus- und Weiterbildung von Mitarbeitern. Bei entsprechender sachlicher Rechtfertigung sind aber Ungleichbehandlungen möglich. Was hier strittig ist: „Ein Berufseinsteigerprogramm ist zum Einstieg in einen Beruf gedacht – und das kann bei Quereinsteigern auch zu einem späteren Zeitpunkt sein.“

Die Juristin rät, schon in der Ausschreibung konkrete Formulierungen („Anfänger“ oder „ein bis drei Jahre Berufserfahrung“) zu vermeiden. Sollte doch eine Rechtfertigung der Ablehnung nötig sein, müssen nicht-diskriminierende Gründe belegbar sein. Werden also Examensnoten als Grund angegeben, muss beweisbar sein, dass tatsächlich nur Kandidaten mit Topnoten herangezogen wurden.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 01.02.2013)

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