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Schablonen Stereotypen

Schablonen und Stereotypen

18.09.2012 | 13:38 |  Andrea Lehky (Die Presse)

"Fast Forward": Gender-Forscherin Elisabeth Kelan präsentierte ihre Erkenntnisse. Wie Frauen es nach oben schaffen.

Karrieren werden nach Schablonen besetzt. Gender-Forscherin Elisabeth Kelan definiert auch gleich, was sie darunter versteht: „Mit Schablonen stellt man gleichartige Dinge her“, Versuche also, Nachfolger für Positionen zu finden, die so weit wie möglich den Vorgängern entsprächen. Fatal für Frauen, die noch nie Standardkarrieren verfolgten: „Frauenkarrieren sind non-linear, verzweigt und wendungsreich.“ Männliche Karriereverläufe würden von ihnen nicht einmal dann repliziert, wenn ihnen der kinder- und familienbedingte Kampf an mehreren Fronten gleichzeitig erspart bliebe. 

Drei kritische Punkte rät die Frauenexpertin dem aufmerksamen HR-Publikum im Auge zu behalten. Erstens, die Selbstwahrnehmung der weiblichen Zielgruppe: „Wo kommen wir her und wie wollen wir in Zukunft sein?“ Wichtig dafür: Rollenvorbilder statt Karriereschablonen.
Zweitens, ständiges Lernen: „Frauen zweifeln leicht an ihrer Leistung und brauchen viel Feedback.“ Wobei sie den Begriff „Feedback“ gar nicht mag – „Feeding Forward“ weise in die Zukunft und bewirke künftige Verhaltensänderungen. 

Drittens, offene Organisationskulturen statt starrer Stereotypen. Kelan vergleicht mit einem Eisberg: an der Oberfläche das lautere Vorhaben der Frauenförderung, unter der Wasserlinie unbewusste Ressentiments. Typisch etwa in der Gehaltsverhandlung: „Männer sind verankert als Familienerhalter, Frauen als Taschengeldbringer.“ Sogar im Wissen um den Alleinerhalterstatus einer Frau wird gedanklich ein niedrigeres Gehalt für sie angesetzt. Ausweg: die gesamte Mannschaft in „Bias Awareness“ trainieren. 

Marktversagen

„Ein selbstregulierender Markt hätte längst die Notwendigkeit erkannt, Frauen in höhere Positionen zu hieven!“ rechtfertigt Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek Quotennachhilfe und verpflichtende Frauenförderpläne. Zwar sei sie Befürworterin der Koedukation, „aber in manchen Fächern wäre es sinnvoll, Buben und Mädchen getrennt zu unterrichten“ – etwa, um die weibliche Scheu vor naturwissenschaftlichen Fächern zu überwinden. Ein Ansatz, mit dem auch Erste Bank-Personalchefin Sabine Mlnarsky-Bständig experimentiert. Die bei Damen ungeliebten Wertpapier- und Versicherungstrainings will sie im Pilotversuch getrennt darbieten: „,Frauengehirngerecht’ - nicht das übliche Powerpoint-Getue.“

Wie sie auch anregt, das Eindringen des Berufs- ins Privatleben (Stichwort Smartphones & Tablets) umzudrehen: „Wir müssen auch den umgekehrten Weg gehen: Wie kann das Privatleben ins berufliche hineinwachsen?“ So will sie etwa Frauen ermöglichen, um 15 Uhr zu ihren Kindern heimzugehen und um 18 Uhr ins Büro zurückzukehren oder weiter von zu Hause aus zu arbeiten.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.09.2012)

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