Businessplan: Früherziehung für Jungunternehmer
07.12.2012 | 10:11 | Jürgen Leidinger (Die Presse)
Jährlich macht der i2b-Wettbewerb Gründern und Studenten die professionelle Planung schmackhaft. Am Donnerstag wurden die Sieger 2012 bekannt gegeben: Im Gespräch berichten sie von ihren Erfahrungen.
Fragt man ambitionierte Gründungswillige nach ihren Plänen, kommt der Businessplan darin oft gar nicht vor. Kein Wunder: Hätte man heute noch die ursprünglichen, ersten Dokumente der erfolgreichsten Neugründungen der vergangenen Jahrzehnte vorliegen, wäre das Erstaunen in manchen Fällen wohl groß: Produkt, Dienstleistung, das komplette Geschäftsmodell sah nicht selten in den frühen Stunden des Unternehmens völlig anders aus als die Form, in der es sich schließlich erfolgreich am Markt etabliert hat.
Ein Argument gegen das Businessplanen ist das aber keineswegs. Seit mittlerweile zwölf Jahren macht es sich der i2b-Wettbewerb (siehe Infobox) zum Auftrag, Gründer zum Businessplanen zu bewegen – nicht nur, um mit brauchbaren Unterlagen an Investoren herantreten zu können, sondern auch, um sich über alle Facetten eines Gründungsprojekts klar zu werden. Fertige Businesspläne können bei i2b online vertraulich eingereicht werden. Jede solche Einreichung bekommt zwei kostenlose Fach-Feedbacks. Die Teilnehmer mit den besten Bewertungen werden eingeladen, ihre Ideen vor einer 30-köpfigen Jury zu präsentieren. Daraus ergibt sich die Platzierung im Wettbewerb.
Findige Konzepte
Am Donnerstag wurden die Sieger 2012 vorgestellt. Unter insgesamt 346 Einreichungen konnte sich in der Kategorie Technologie das Unternehmen Camarg mit seinem Chelino-Stuhl durchsetzen. Dieses Sitzmöbel bietet eine Aufstehhilfe für ältere Menschen, die ganz ohne Stromzufuhr auskommt. Die Idee entstand während Martin Bliems Industrie-Design-Studium an der FH Salzburg, als die Studenten einen Businessplan für ein eigenes Produkt entwickeln sollten. „Ich wollte etwas für Ältere entwerfen und habe meine Mutter, die eine ältere Person pflegt, nach ihren Erfahrungen gefragt“, sagt Bliem, der die Lösung gemeinsam mit Christian Miletzky entwickelt hat.
Für ihr Design konnten sie mittlerweile zahlreiche Preise einstreichen, darunter einen Red Dot Award. Im Rahmen von i2b haben die Gründer vor allem gelernt, mit dem Businessplan möglichst rasch das stille Kämmerlein zu verlassen: „Es ist sicher nicht verkehrt, das Ergebnis von gleich mehreren Personen durchlesen zu lassen“, meint Bliem.
Außerdem handelt es sich um kein statisches Dokument, das man für die Ewigkeit erstellt: „Wir haben den Businessplan ständig weiterentwickelt. Bei Gesprächen mit Investoren brauchten wir immer wieder eine aktuelle Version.“
Ähnlich sieht das Thomas Kriebernegg: „Man sollte den Plan immer up do date halten, sonst verliert er seine Wirkung“, sagt der Mitgründer des Onlineportals Trendley, Preisträger in der Kategorie Dienstleistung, Gewerbe und Handel. Auf Trendley können im Sinne eines sozialen Shoppings Nutzer Outfits aus verschiedenen E-Commerce-Portalen zusammenstellen und austauschen. Derzeit läuft online eine Beta-Version. Kriebernegg: „Es kommen einem innerhalb kürzester Zeit viele unterschiedliche neue Ideen. Da hilft ein guter Businessplan, sich auf die Ziele zurückzubesinnen.“
Neben bereits aktiven Start-ups werden jährlich auch die besten studentischen Projekte prämiert. Nicht selten gehen daraus erfolgreiche Gründungen hervor. Dieses Jahr landete „Remi Rescue Solutions“, ein Projekt von vier Teilnehmern des Studiengangs Unternehmensführung und Entrepreneurship an der FH Wien, auf dem ersten Platz. Die Idee: Per App können Anrufer in Videokontakt mit den Leitstellen der Einsatzkräfte treten.
Wettbewerb als Nagelprobe
„Wir sind alle vier ehrenamtlich engagiert und die Idee kam in unserem Bekanntenkreis extrem gut an“, sagt Franz Hackl von der Studentengruppe. „Da wollten wir zumindest einmal schauen, was eine Fachjury dazu sagt und wo wir im Vergleich zu anderen liegen.“
Nicht nur dürfte dieser Vergleich überaus ermutigend ausgefallen sein – beim Businessplanen haben die Studenten auch einiges gelernt: „Der Leitfaden, den i2b anbietet, ist wirklich sehr gut. Nicht nur gegenüber der Fachjury, sondern auch für uns als detaillierte Checkliste, die trotzdem noch Spielraum für Kreativität lässt“, sagt Hackl. Zwar sind alle vier Teammitglieder bereits beruflich tätig, aktuell suchen sie aber nach Partnern, die das Projekt weiter umsetzen. Den Siegern des Wettbewerbs winkten Sachpreise, außerdem Geldpreise im sechsstelligen Bereich. Neben den drei genannten Hauptkategorien wurden auch drei Sonderpreise vergeben.
| Kategorie | Preisträger |
| Gesamtsieg | Trendley |
| Dienstleistung, Gewerbe, Handel | Trendley |
| Technologie | Camarg |
| Studenten | REMI |
| EPU (Sonderpreis) | Stadtradler |
| Betriebsnachfolge (Sonderpreis) | Pension Schöcklblick |
| Green Innovators (Sonderspreis) | Fresnex |
("Die Presse", Print-Ausgabe, 7.12.2012)












