„Mut, Offenheit, sich etwas zutrauen“
03.12.2012 | 11:44 | Nikolaus Koller (Die Presse)
Unternehmerinnen. Die Zahl der weiblichen Selbstständigen nimmt zu. Die Gründerinnen sind vielseitig gefordert: Im Fokus stehen Familie, Beruf, aber auch Netzwerken.
Die Frage nach ihren Arbeitszeiten beantworten viele Unternehmer mit dem alten Wortspiel, wonach man als Selbstständiger selbst und ständig arbeitet. Für viele Frauen unter den Unternehmern ist dies allerdings nicht das Ende der Verpflichtungen: Ja, Familienarbeit ist auch bei Selbstständigen meist noch Aufgabe der Frauen; das bestätigen auch die beiden Unternehmerinnen Anita Doppler vom Restaurant Hansen im Börsegebäude und Alma Hamzic, Ko-Gründerin von H+P Buchhaltung.
Als Unternehmerin könne die Kinderbetreuung allerdings leichter organisiert werden als mit einem klassischen Bürojob, betont Doppler. Natürlich müsse sich jemand um den Nachwuchs kümmern. Frauen, die ganz vorn stehen, hätten meist einen Mann, der sich zurückhält und sich mehr um die Familie kümmert, sagt Doppler, die das Restaurant mit ihrem Mann führt.
Ähnliches erzählt auch die Unternehmerin Hamzic: „Durch meine Selbstständigkeit habe ich auch meinen Mann mehr mit in die Familien- und Kinderarbeit einbezogen.“ Natürlich müsse man sich als Selbstständige sehr gut organisieren und flexibel sein – aber genau aus diesem Grund habe sie sich dazu entschlossen, Unternehmerin zu werden, erzählt sie.
Über 16.000 Gründerinnen
Generell nimmt der Anteil der weiblichen Gründer zu. Wurde 1994 nur ein Viertel der Unternehmen von Frauen gegründet, so stieg der Anteil im vergangenen Jahr auf mehr als die Hälfte (55,1 Prozent). Konkret waren das 2011 mehr als 16.700. Dieser starke Anstieg ist etwas zu relativieren, da in der Zwischenzeit auch die Gruppe der „gewerblichen Personenbetreuer“ – sprich: Pflegeberufe – in die Unternehmerstatistik aufgenommen wurde. Die Sparte „Gewerbe und Handwerk“ in der Wirtschaftskammer, wo diese zugerechnet werden, hatte 2011 rund 74.000 aktive Mitglieder – ohne die gewerblichen Personenbetreuer waren es etwa 43.200. Die Verteilung über die Branchen ist unterschiedlich (siehe Info-Box).
Die Anteile sowie die Zahl der Unternehmerinnen an sich sollten jedenfalls – weiter – steigen, finden Doppler und Hamzic. In dieselbe Kerbe schlägt Petra Gregorits: „Die demografische Entwicklung mit der Überalterung der Gesellschaft macht es zwingend erforderlich, mehr Frauen in die Wirtschaft und in Unternehmen zu holen und auch dort zu halten.“ Dazu will auch die Vorsitzende des Unternehmerinnen-Netzwerks „Frau in der Wirtschaft Wien“ beitragen: „Ein zentraler Punkt für uns ist, Frauen Mut zu machen, Eigenverantwortung zu übernehmen. Am Ende des Tages geht es aber auch um den Mut zum Handeln und um Selbstvertrauen, die eigene Idee zu verwirklichen. Das ist der erste Schritt zumehr engagierten Unternehmerinnen in Politik und Gesellschaft. Wir sehen uns als Sparringpartner für Unternehmerinnen und solche, die es noch werden wollen.“
Netzwerk ja, Politik eher nicht
Mut und mehr Selbstbewusstsein habe sie durch ihre Selbstständigkeit gefunden, sagt Hamzic: „Es geht um Mut, Offenheit, sich etwas zuzutrauen.“ Zeit zum Netzwerken nehme sie sich schon – konkret empfiehlt die Unternehmerin, jedenfalls einen Abend im Monat dafür zu reservieren – ein Engagement in Vereinen oder Interessensvertretungen kann sie sich eher nicht vorstellen: „Das geht nur Schritt für Schritt. Zuerst muss ich schauen, dass die Firma gut dasteht, später könnte ich es mir dann vorstellen. Alles auf einmal geht nicht.“ An erster Stelle komme immer die Familie, betont die Unternehmerin.
Ähnlich auch die Einschätzung von Doppler: Der Austausch mit anderen Unternehmerinnen bedeute ihr viel, politisch wolle sie sich nicht engagieren. „Weil mir das zu aufwendig erscheint“, wie sie sagt. Etwas Gefallen könnte sie daran allerdings schon finden: „Später, wenn die Kinder ins Gymnasium gehen, dann könnte ich mir das vorstellen.“
("Die Presse", Print-Ausgabe, 01.12.2012)












