Standort: Österreich aus Gründerperspektive
25.10.2012 | 16:23 | Jürgen Leidinger und Roman Sonnberger (Die Presse)
Während sich kommende Woche in Wien die internationale Start-up-Szene trifft, bleiben die Rahmenbedingungen für heimische Jungunternehmer verbesserungswürdig.
Von Montag bis Mittwoch werden 2500 Gründer, Investoren und Experten beim „Pioneers Festival“ in der Wiener Hofburg erwartet (siehe Infokasten unten). Die Gastgeberstadt wird dabei vor allem mit Atmosphäre und touristischen Attraktionen punkten. Zentren der technologieorientierten internationalen Szene verortet man nämlich anderswo – allen voran in unternehmerisch geprägten Ländern mit einer Tradition bürgerlicher Eigenverantwortung.
Die kontinentaleuropäischen Hochsteuerstaaten mit ihren starken Sozialsystemen stehen, so könnte man meinen, für andere Werte. In Wahrheit macht sich Europa aber gar nicht so schlecht. Das US-Tech-Magazin „Wired“ nennt etwa Stockholm eine der „heißesten“ Start-up-Städte. Und im chronisch klammen Berlin hat sich, ganz ohne große Fördertöpfe, eine lebhafte Szene entwickelt.
Inwieweit hinkt Österreich hinterher? Zunächst einmal ist es eine Wahrnehmungsfrage. Junge Unternehmer gibt es nämlich hierzulande zuhauf, 35.111 Gründungen allein im vergangenen Jahr. Die Sparten Gewerbe und Handwerk sowie Handel machen gemeinsam fast zwei Drittel aus – und sind meist weniger medienträchtig als Gründungen rund um das Internet oder am Endverbraucher orientierte Technologie.
Ein wichtiger Einschnitt für die heimische Szene war der EU-Beitritt im Jahr 1995. Seither hat sich die Zahl der jährlichen Gründungen mehr als verdoppelt, konstatiert der vergangene Woche präsentierte „Austrian Start-up Report“. Eine weitere wichtige Phase ist aber die jüngere Vergangenheit: „In den letzten fünf Jahren hat sich das Ökosystem massiv verbessert“, sagte Thomas Funke, Leiter des Research Studio „eSPARK“ an der WU Wien bei der Präsentation der Studie, die gemeinsam mit dem Risikokapitalunternehmen Speedinvest und dem Gründer-Unterstützungsnetzwerk Starteurope durchgeführt wurde.
Engpass Anschlussfinanzierung
Dauerproblem bleibt die Finanzierung. International floss schon einmal mehr Risikokapital als heute. Während anderswo große Unternehmen beginnen, die Lücke zu füllen und in Start-ups zu investieren, bleiben in Österreich solche Bemühungen größtenteils aus. Besonders hapert es aber an der Anschlussfinanzierung: Laut Speedinvest-Geschäftsführer Oliver Holle gibt es hierzulande zwar viel Talent, aber Ideen und Firmen „werden oft sehr früh verkauft, weil die Finanzierung dann fehlt“.
Als weiteren Hemmschuh nennt die Studie die enorme Steuer- und Abgabenlast, die bereits für Start-ups zum Tragen kommt. In Sachen Fördergelder für das private Unternehmertum hat sich Österreich dagegen zu einem internationalen Spitzenreiter entwickelt. Doch auch hier gibt es ein Manko: Intransparenz und Bürokratie führen dazu, dass manche Jungunternehmer eigene Förderberater anheuern müssen – das Geld dafür fehlt für Innovationen.
Auch wenn aufgrund der Umstände viele über das Auswandern nachdenken, bleiben die meisten am Ende doch in Österreich, so die Studienautoren. Damit Hiergebliebene die Entscheidung nicht bereuen, fordert der Report Unterstützung alternativer Investitionsmöglichkeiten wie Crowdfunding oder „Corporate Venturing durch Unternehmen, eine Liberalisierung der Unternehmens- und Arbeitsgesetzgebung, Maßnahmen zur Bewusstseinsbildung und Förderung des unternehmerischen Geistes.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.10.2012)












