Der Mitarbeiter als limitierender Faktor

08.05.2016 | 15:00 |  von Michael Köttritsch (Die Presse)

Mitarbeiter schätzten Klarheit und Planbarkeit, sagt Günther Helm, Hofer-Geschäftsleitungssprecher. Ohne gute Mitarbeiter lasse sich selbst das beste Konzept nicht realisieren.

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Es sind zwei Stehsätze, die im Handel immer wieder fallen: „Handel ist Wandel“ und „Retail is Detail“. Sie sind nicht neu und treffen doch den Punkt. „Veränderung“, sagt Günther Helm, Sprecher der Hofer-Geschäftsleitung, „ist die einzige Konstante“. Und das gelte schließlich auch für sein Unternehmen.

Die Trends im Handel liegen für Helm auf der Hand. „Ganz klar das Thema Frische.“ Bei Brot und Gebäck, einem sehr generischen Bereich, sei es gelungen, mit der Backbox eine Marke zu schaffen. Zudem biete man dem Kundenwunsch gemäß bis Ladenschluss frisches Brot und Gebäck. „Bei Obst und Gemüse“, sagt Helm, „haben wir unser Frischesortiment im vergangenen Jahr ausgeweitet. Speziell im urbanen Raum.“

Ist der nächste Schritt im Bereich Frische die Feinkosttheke? Helm winkt ab. „Unser Fleisch- und Wurstangebot erfüllt die gleichen Parameter wie jenes an einer Feinkosttheke.“ Nur die Wahrnehmung des Konsumenten sei eine andere. Ebenso abgedeckt sei der Trend zu regionaler, biologisch produzierter Ware. „Zurück zum Ursprung“ sei eine österreichische Regionalitätsmarke, die auch regionale Arbeitsplätze sicherstelle. Das Bedürfnis dahinter ist Transparenz: „Mit Check-your-product.com kann ich zurückverfolgen, von welchem Bauern die Milch in meiner Packung stammt“, sagt Helm.

Schwierige letzte Meile

Beim Thema Onlinehandel bleibt Helm zurückhaltend: „Die Schwierigkeit ist die letzte Meile. Vor allem bei der Zustellung von Frischeprodukten.“ Man beobachte den Markt ganz genau und warte ab. „Weil wir fest davon überzeugt sind, dass die Auswahl am Point of Sale in der Filiale nach wie vor ein Erlebnis ist, das der Kunde so schnell nicht aufgeben möchte. Wir schaffen eine Einkaufsatmosphäre, ein One-Stop-Shopping-Erlebnis.“ Daher investiere man in die Filialen und gestalten sie im Rahmen des „Projekts 2020“ als einer der ersten Händler im deutschsprachigen Raum CO2-neutral.

Apropos Filialen: Rund 460 sind es aktuell, in den nächsten Jahren soll die 500-Filialen-Marke erreicht werden. Wann genau das sein wird, will Helm noch nicht sagen. Doch „auch die 500 werden nicht das Ende der Fahnenstange sein“, sagt Helm. Heuer kommen noch elf ehemalige Zielpunkt-Filialen dazu, zudem wird in Wien die hundertste Filiale eröffnet werden.

Der Expansionskurs beziehe sich aber nicht nur auf Österreich, sondern auch auf die vom oberösterreichischen Sattledt aus betreuten Märkte Schweiz, Slowenien, Ungarn und künftig auch Italien, wo österreichische Manager am Marktaufbau beteiligt sind.

Mitarbeiter stärken

All das stelle hohe Anforderungen an die Führungskräfte und Mitarbeiter und verlange nach individueller Weiterbildung. Denn „der limitierende Faktor sind die Mitarbeiter“, sagt Helm. Ohne sie funktioniere der Betrieb nicht. „,One size fits all‘ hat vielleicht früher gegolten. Wir sehen uns an, wer bei uns zu arbeiten beginnt. Wir analysieren und verstärken die Stärken. Wir haben nicht den Ansatz, dass wir alles nivellieren und die Schwächen ausgleichen wollen, um irgendwann auf einen Durchschnitt zu kommen.“

Deshalb habe man ein Kompetenzmodell entwickelt, das jährlich mit dem Mitarbeiter im Karrieregespräch bearbeitet werde: „Um zu wissen, wo man steht“, sagt Helm. Diese intensive Betreuung gelte für das Management und in abgeschwächter Form den Filialbereich. „Dieser offene Dialog hilft beiden Seiten, einzuschätzen, wie wir planen können. Denn unser Ziel ist, Mitarbeiter langfristig zu halten.“ Nicht nur, weil man viel Zeit und Geld in die Einarbeitung investiere. 75 Stunden sind das etwa für die Backbox, 300 für einen Filialleiter.

Klar sei auch, dass Familie und Beruf integrierbar sein müssten – und es auch seien. Das sei ein Thema, über das man gar nicht zu reden brauche – so wie über die gleiche Bezahlung für Mann und Frau. Selbstverständlich sei auch, auf die Bedürfnisse der Mitarbeiter einzugehen – in Form von Sabbaticals, Mobile Working, Jobsharing oder familienorientierter Karriereplanung, was zuletzt die Auszeichnung als familienfreundlichstes Unternehmen brachte.

Chefs aus den eigenen Reihen

Wegen des Expansionskurses sucht das Unternehmen ständig neue Mitarbeiter. Lehrlinge, sagt Helm, „weil sich aus der Lehre heraus langfristig die Führungskräfte für die Filialen rekrutieren. Das ist für viele ein riesiger Karrieresprung in jungen Jahren.“ 400 Jugendliche werden derzeit ausgebildet, 2016 ist geplant, in Summe 150 neue Lehrstellen zu vergeben.

Gesucht werden auch Akademiker, die als Regionalverkaufsleiter einsteigen. Sie verantworten im Schnitt fünf bis sieben Filialen und bis zu 100 Mitarbeiter. Geködert werden sie mit rund 65.800 Euro Bruttogehalt, der Möglichkeit eines dualen Masterstudiums oder auch, ins ferne Ausland zu gehen. 28 Mitarbeiter sind derzeit als Regionalverkaufsleiter im Ausland, u. a. in Australien, den USA, England und China. „Das ist eine Win-win-Situation für beide Seiten, wenn sie wieder zurückkehren: Wir haben dann Mitarbeiter, die andere Märkte und Kulturen kennen. Und für die Mitarbeiter ist es eine Horizonterweiterung. Diese Möglichkeit ist, glaube ich, einzigartig in Österreich.“

Zeit für Führung nutzen

Gesucht werden auch Spezialisten im IT-Bereich, „denn die Digitalisierung ist nicht aufzuhalten“. Ob sich „digital eats everything“ bewahrheite, werde sich zeigen. „Fakt ist, dass wir uns darauf vorbereiten und die digitale Interaktion mit den Kunden suchen“, sagt Helm.

Schon jetzt zeige sich, dass Führung intensiver werde. Die Zeit, die etwa Filialleiter für ihre Kollegen einsetzten, „ generieren wir dadurch, dass wir computerunterstützte Systeme wie Bestellautomatismen etc. einsetzen“, sagt Helm. Um die gewonnene Zeit für das Thema Mensch zu nutzen.

AUF EINEN BLICK

Günther Helm studierte Jus an der Johannes Kepler Universität Linz und in Cambridge. Nach seiner Promotion 2003 hatte er eine Karriere als Rechtsanwalt angestrebt, ehe er bei Hofer als Regionalverkaufsleiter startete. Helm stieg in weniger als zehn Jahren über Schlüsselpositionen in Österreich und der Schweiz 2010 zum Generaldirektor auf und ist seit April 2015 Sprecher der Geschäftsleitung des Handelsunternehmens.


Hofer4Excellence ist das exklusive Karriereevent für High Potentials in Kooperation mit der "Presse". Im Rahmen des Events am 31. Mai, 18 Uhr, im Wiener K47 (Franz-Josefs-Kai 47) hält der Unternehmer und ehemalige Stuntman Jochen Schweizer (58) die Keynote zum Thema "Ein jeder kann höher hinaus".


Studierende aller Uni- und FH-Fachrichtungen, die kurz vor dem Abschluss stehen, können sich noch bis 23. Mai unter event@diepresse.com mit ihrem Lebenslauf für die Teilnahme an Hofer4Excellence bewerben.


[MA6IS]

("undefined", Print-Ausgabe, 07.05.2016)

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