Masterprogramme: Vertieftes Berufswissen
18.06.2012 | 11:31 | Anna Maria Schwendinger (Die Presse)
Weiterbildungsmöglichkeiten für eine Karriere im Gesundheitswesen gibt es viele. Fünf Beispiele für verschiedene Richtungen.
Ob Hebamme, Ergotherapeut, Altenfachbetreuer, Krankenpfleger oder Medizintechniker – das Feld der Gesundheitsberufe ist groß. Eine akademische Ausbildung ist mittlerweile für fast alle gesetzlich verpflichtend. Auch über den Bachelor hinaus können sich Krankenpfleger, Physiotherapeuten und Co. aus- und weiterbilden – eine Karriere in Management, Forschung, Lehre oder Technik ist nicht ausgeschlossen. Wir zeigen fünf Masterstudien und -lehrgänge in Österreich für verschiedene Berufswege im Gesundheitswesen.
Kenner des Regelwerks
„Einmalig in Österreich bieten wir ein Masterstudium an, das eine Gesamtschau über die nationale und internationale Zulassung von Medikamenten und Medizinprodukten bietet“, sagt Eva Werner, Rektorin der IMC FH Krems, über den Studiengang „Regulatory Affairs “. Er richtet sich an die Absolventen eines naturwissenschaftlichen oder biotechnologischen Bachelorstudiums, die im Berufsleben stehen. In vier Semestern werden Zulassungsregelungen und -strategien sowohl seitens der Regulierungsbehörden als auch seitens der Industrie behandelt. Rechtskenntnisse, relevante pharmazeutische Grundlagen und Marketing stehen ebenfalls im Lehrplan. Unterrichtssprache und gleichzeitig „Lingua franca“ ist Englisch. Mögliche Laufbahnen: Pharmakonzerne, Regulierungsbehörden im Medizinbereich, Qualitätsmanagement und -sicherung bei Herstellern medizinischer Produkte.
Geschulte Didakten
Im Gesundheitswesen wird die wissenschaftliche Expertise zunehmend großgeschrieben. Das erkannte man an der FH Gesundheitsberufe Oberösterreich früh und startete im vergangenen Herbst mit dem viersemestrigen Masterlehrgang „Hochschuldidaktik für Gesundheitsberufe“. In Blockseminaren am Wochenende und via E-Learning werden Forschungsbasics, Managementfähigkeiten aber auch Sozialkompetenz gelehrt.
Voraussetzung für die Teilnahme ist einerseits ein akademischer Abschluss im Gesundheitsbereich oder einem naturwissenschaftlichen Fach und andererseits Berufserfahrung. „Die Ausbildung stellt die Verbindung zwischen Lehre, Praxis und Forschung dar – ohne Berufserfahrung geht das nicht“, erklärt Studiengangsleiterin Roswitha Mayr. Die hochschuldidaktischen Lehrinhalte werden im Studium mit dem fachlichen Background der Studierenden verknüpft. Mittlerweile stehen laut Mayr bereits die meisten der Teilnehmer mit einem Fuß in der Lehre - immerhin zwei Semester vor ihrem Abschluss.
Global orientierte Manager
„Internationale Studierende, internationales Lehrpersonal, internationale Kooperationen – im Bereich Gesundheit und Soziales“, beschreibt Universitätsassistent Hermann Sinz seinen Studiengang „International Health & Social Management“ des Management Center Innsbruck. Ziel des Vollzeitstudiums in englischer Sprache ist die Vermittlung von Managementfähigkeiten und Abläufen im globalen Gesundheitswesen. Die Teilnehmer stammen aus natur-, rechts- oder sozialwissenschaftlichen Studienfächern, aber auch aus akademischen Gesundheitsberufen. Praktische Erfahrungen sind gern gesehen, aber nicht Voraussetzung. Besondere Expertise können die Absolventen nach ihrer Ausbildung bei Themen wie der grenzüberschreitenden Gesundheitsvorsorge („Cross Border Care“) vorweisen. Auch der Weg in die Entwicklungshilfe ist eine Option.
Forschen für die Praxis
Jahrelang bewegte sich die Pflegewissenschaft an der Universität Wien zwischen Sein und Nichtsein. Nun hat sie sich vom Diplomstudium zum Masterstudium entwickelt, aufbauend auf dem Bachelorstudium „Gesundheits- und Krankenpflege“ an der FH Campus Wien. Auch Bachelors aus anderen Gesundheitsbereichen steht die Tür zu diesem Master offen. Der Studienplan ist wissenschaftlich orientiert. Die meisten Teilnehmer sind auch berufstätig und bringen die Fragen aus der Praxis im Krankenhaus oder anderen Gesundheitseinrichtungen in das Studium mit.
„Beispielsweise stellt eine Krankenpflegerin die Frage: ,Wie kann die Situation für Angehörige von Intensivstation-Patienten im Krankenhaus verbessert werden?' oder ein Altenfachbetreuer forscht nach den Ursachen der Bettlägerigkeit“, erklärt Martin Nagl-Cupal vom Institut für Pflegewissenschaft. Ziel ist es, die Forschungskompetenz der Studierenden so weit zu entwickeln, dass sie diese sowohl am Patientenbett als auch an Forschungsstellen in Krankenhäusern umsetzen können.
Zwischen Therapie und Technik
„Die Idee war, den Gesundheitsaspekt von Bewegungs- und Handlungsfähigkeit mit dem technischen Aspekt zu kombinieren“, sagt Tanja Stamm, Leiterin des neuen Studiengangs „Health Assisting Engineering“ an der FH Campus Wien, der im Herbst 2012 in die erste Runde geht. Therapeuten und Pflegepersonal mit akademischem Abschluss treffen auf Techniker – gemeinsam sollen sie ihre Fachkompetenzen und Erfahrung für die Entwicklung neuer Hardware- und Softwareprodukte einsetzen. Die Studierenden entwickeln neue technische Lösungen, setzen sie um und evaluieren – einerseits für den Einsatz am Patienten, andererseits etwa für die Analyse von Bewegungsabläufen.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.06.2012)













