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Taktzahl steigt Salaere nicht

Gehälter in der Kommunikation: Die Taktzahl steigt – die Saläre nicht

15.06.2012 | 10:53 |  Nikolaus Koller (Die Presse)

Nur Zeitungen durchzublättern, das war einmal: Unternehmenssprecher müssen immer mehr Kanäle bedienen. Aber macht sich das bezahlt?

Die Taktzahl steigt: Technikgetrieben, 24 Stunden, sieben Tage. Das Radar – nach außen wie nach innen gerichtet – läuft, ohne Pause. Gefahren wittern und abwenden, Chancen erkennen und nützen. Hier muss das ,Frühwarnsystem‘ Kommunikator funktionieren.“ So beschreibt Marita Roloff, Präsidentin des Vikom (Verband für Integrierte Kommunikation) und Leiterin der Unternehmenskommunikation bei der Allianz in Österreich, den Alltag ihres Berufsstands.

Ähnlich auch die Einschätzung von Conrad Pramböck: „Die beruflichen Anforderungen an Kommunikatoren sind in den letzten Jahren dramatisch gestiegen. Während es vor 20 Jahren genügte, die Zeitungen des Vortages durchzublättern, macht es die moderne Technik notwendig, dass Kommunikatoren heutzutage vielfältige zusätzliche Kanäle wie etwa Internet und Social Media rund um die Uhr beobachten und bearbeiten. Gleichzeitig haben sich die Gehälter der Kommunikatoren nicht in gleichem Maße nach oben entwickelt“, so der Head of Compensation Consulting bei Pedersen & Partner.

Anfangs gut vergütet


Die rasante Entwicklung ihres Berufs haben ihre Gehälter aber nicht mitgemacht, so Pramböck. Auch laut einer aktuellen Gehaltsstudie für Leiter von Kommunikationsabteilungen, die am Donnerstag im Rahmen des Vikom Performance Day präsentiert wurde, sagen 32 Prozent der Unternehmenssprecher, dass sie für ihre Tätigekeit 100.000 bis 120.000 Euro Jahresbruttogehalt verdienen sollten. Etwa 36 Prozent meinten, dass ein Salär von 80.000 bis 100.000 Euro angemessen sei. Mehr als 14 Prozent würden den Job mit mehr als 120.000 Euro dotieren. Die Realität sieht aber anscheinend anders aus: Auf die Frage, wie denn der Job des Abteilungsleiters tatsächlich vergütet werde, antworteten etwas mehr als ein Drittel (siehe Grafik), dass sie mit einem Jahresgehalt zwischen 60.000 und 80.000, etwas mehr als ein Drittel mit zwischen 80.000 und 100.000 Euro vergütet werden.

Im Vergleich mit anderen liegen die Kommunikatoren und Sprecher anfangs nicht so schlecht: „Ihre Gehälter entwickeln sich in den ersten Jahren ähnlich wie andere Berufsgruppen mit akademischer Ausbildung“, sagt Pramböck. Am Beginn der beruflichen Tätigkeiten würden die Saläre etwa um die 30.000 Euro brutto pro Jahr liegen. Nach etwa fünf Jahren würden die meisten von ihnen zwischen 40.000 und 50.000 Euro erhalten.

Vergleich mit Agenturen

„Nach etwa sieben bis zehn Berufsjahren verflacht jedoch die Einkommenskurve, und viele Kommunikatoren verdienen auch in größeren Unternehmen nicht mehr als 70.000 Euro“, so der Gehaltsexperte. Nur ausgewählte Kommunikatoren in Konzernen könnten ihr Gehalt bis 100.000 Euro entwickeln. Damit ginge es den Unternehmenssprechern aber besser als ihren Kollegen in der selbstständigen PR. Pramböck: „Die Einkommen in Agenturen liegen deutlich niedriger als in den Kommunikationsabteilungen.“

Die Vikom-Studie untersuchte darüber hinaus auch die Stellung der Kommunikatoren im Unternehmen: Die Kommunikation ist weiblich. Zwei Drittel der Unternehmenssprecher sind Sprecherinnen. Mehr als die Hälfte davon sind in Großunternehmen tätig. Als ihre wichtigsten Fähigkeiten nannten die Leiter bereichsübergreifendes und strategisches Denken. Ersteres wurde von 95 Prozent, das andere von 87 Prozent als „sehr wichtig“ eingeschätzt. Danach folgen Verantwortungsbewusstsein, eine schnelle Auffassungsgabe sowie Stressresistenz. „Über das kommunikative Fach-Know-how hinaus sind Top-Management-Skills gefragt, welche die Kommunikatoren in die Reihen der strategischen Berater der Unternehmensleitung stellen. Das ,Was‘ lebt nicht ohne das ,Wie‘“, erklärt die Vikom-Präsidentin.

Sechs von zehn Befragten gaben an, dass ihre Position mit einer im Mittelmanagement vergleichbar sein sollte. 40 Prozent sehen sich hierarchisch eher in der Geschäftsleitung. „Kommunikation hat es im etablierten Hierarchiebetrieb in den Unternehmen zwar zu beachtlichem Stellenwert gebracht, allerdings noch lange nicht zu dem ihm gebührenden. Warum? Ein ebenso sicherer wie ungerechter Wettbewerbsnachteil besteht eben darin, dass Kommunikationsarbeit in ihrer Gesamtheit nur unzulänglich messbar ist – in unserer Welt der Benchmarks, Nachweis- und Rechtfertigungsübungen von verhängnisvoller Bedeutung“, ist sich Roloff sicher.

 

 

 

("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.06.2012)

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