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Konzernleben eintauchen

Trainees in Großunternehmen: Ins Konzernleben eintauchen

21.02.2012 | 11:40 |  Jürgen Leidinger (Die Presse)

Für sie ist es der Berufseinstieg, für ihn ein Gastspiel im Head Office: Eine heimische Trainee bei Siemens und ein tschechischer Kollege bei der Raiffeisen Bank International berichten von ihren Erfahrungen.

Große Unternehmenszentralen haben für Außenstehende ein bisschen etwas von einer Black Box: Was sich hinter den Glasfassaden abspielt, bleibt im Dunklen. Einen gehörigen Schritt weiter ist da Romana Haller nach eineinhalb Jahren als kaufmännische Trainee bei Siemens. Sie ist nach ihrem BWL-Studium eingestiegen und absolviert gerade die dritte von insgesamt vier Stationen im zwei Jahre dauernden Traineeship: "Das Programm kann einem einen sehr schönen Einblick in das Funktionieren eines Unternehmens bieten. Man hat die Möglichkeit, sich ein solides Netzwerk aufzubauen und für sich selbst einen Platz im Unternehmen zu finden", sagt Haller.

Begonnen hat es für sie im Controlling im Bereich Metro & Coaches in Wien. Neben klassischen Controller-Tätigkeiten durfte sie dort bereits an Sonderprojekten mitarbeiten. Ein Highlight war die darauffolgende Auslandsstation in Belgrad. "Neben dem Know-how war hier die persönliche Weiterentwicklung am spannendsten. Es war einfach schön, in einen neuen Kulturkreis einzutauchen, trotz der sprachlichen Hürden zusammenzuarbeiten und sich auf Land und Leute einzulassen", erzählt die WU-Absolventin. Im Gegensatz zur Station in Österreich hatten die Kollegen in Serbien noch keine große Erfahrung mit Trainees: "Aber das sind Themen, die man in den ersten beiden Wochen erledigt hat. Dann läuft das schon."

Hohe Erwartungen

Dass dies für Haller kein besonderes Problem ist, zeugt von einer Durchsetzungsfähigkeit, auf die das Unternehmen bei der Auswahl der Trainees achtet: "Die Persönlichkeit muss einfach stimmen, nicht nur die Ausbildung. Es muss genug Energie und Selbstvertrauen da sein", sagt Barbara Schalk-Steiner, Leiterin des Traineeprogramms bei Siemens. "Wir achten im Assessment Center ganz genau darauf, inwieweit die Persönlichkeit auch reif genug ist, sich ganz klaren Aufgaben stellen zu können. Denn die Erwartungshaltung im Unternehmen ist sehr hoch." Bei teils dreistelligen Bewerberzahlen pro Traineestelle kann man es sich leisten, wählerisch zu sein.

Ist man aber einmal an Bord, ist nichts zu spüren von Schonprogramm oder Laborbedingungen. Trainees sind High Potentials, mögliche Topkräfte der Zukunft, und sollen in den zwei Jahren nicht nur lernen, wie die Arbeit im Konzern funktioniert, sondern auch zeigen, was sie können. Bedingungen, für die viele später dankbar sind (siehe Artikel auf der Seite K6). Dafür winkt dann auch die Aussicht auf einen Job: Laut Siemens bleiben unmittelbar nach dem Programm alle Trainees im Konzern. Auch mit Romana Haller, die momentan im Energy Business Development tätig ist und danach noch eine letzte Station vor sich hat, gab es bereits Gespräche: "Das hört sich gerade sehr spannend an."

Einen Platz in seinem Unternehmen hat Vaclav Meloun schon längst gefunden. Der Tscheche blickt auf knapp zehn Jahre Banking-Erfahrung zurück - aktuell als Teamleiter im Finance Department der Raiffeisenbank CZ in Prag. Über ein Traineeprogramm des Treasury in der Raiffeisen Bank International (RBI) hat er nun, neben einer intensiven Weiterbildung, die Möglichkeit, für ein halbes Jahr in Wien zu arbeiten. "Ich lerne hier die Menschen, mit denen ich bisher nur E-Mail-Kontakt hatte, im echten Leben kennen", erzählt Meloun. Für die Zeit seines Aufenthalts ist er mit seiner Frau, die ihren eigenen Job per Tele-Working erledigen kann, nach Wien gezogen, und freut sich über die Möglichkeit, das Nachbarland einmal besser kennenzulernen: "Es gibt viele Gemeinsamkeiten. Viele Namen sind tschechisch, ohne dass die Leute hier ihre Bedeutung kennen würden."

Internationale Einblicke

In der RBI haben sich solche Programme bereits in verschiedenen Abteilungen durchgesetzt. "Die Teilnehmer lernen unsere Kultur kennen - sowohl die Unternehmenskultur im Head Office als auch die Kultur hier in einem anderen Land", sagt Petra Pointinger, Head of Human Resources in Österreich bei der RBI. In Sachen Corporate Culture bedeutet das für Meloun die Zusammenarbeit mit Kollegen aus verschiedensten Ländern und den Einsatz in einem Markt mit einer gänzlich anderen Vergangenheit. Auch im Arbeitsklima merkt er Unterschiede: "In Tschechien ist der Kapitalismus noch immer jung. In gewisser Hinsicht ist die Arbeitswelt bei uns rauer und kompetitiver. In Österreich ist die Fürsorge des Unternehmens für den einzelnen Mitarbeiter größer", sagt der Absolvent der Karls-Universität Prag, der sich im Studium auf Ökonometrie spezialisiert hat.

Der Aufenthalt hilft ihm, den Blick von oben zu verstehen: "Ich lerne die Perspektive des Head Office auf den gesamten Konzern kennen, sehe also, was in Märkten wie Ungarn oder dem Kosovo passiert", sagt Meloun. "Und ich verstehe manche strengen Abläufe jetzt besser und weiß, dass sie nicht nur dazu da sind, uns das Leben schwerer zu machen."

Für das Unternehmen bedeuten die Trainees aus den unterschiedlichsten Netzwerkbanken auch eine Menge an Feedback für die Kultur im Head Office: "Von Teilnehmern aus manchen Ländern heißt es, es geht hier alles langsamer als bei ihnen vor Ort. Von anderen hören wir das genaue Gegenteil. Es ist schon sehr interessant zu sehen, wie die Wahrnehmungen aus den verschiedenen Kulturkreisen auseinandergehen", sagt HR-Chefin Pointinger. Ein wichtiger Punkt aus Arbeitgebersicht ist natürlich, exzellente Mitarbeiter in den Netzwerkbanken vor Ort für einen ersten Aufenthalt in die Zentrale zu holen. Dort können sie sich für spätere Karriereschritte innerhalb des Konzerns empfehlen - und kehren mitunter auch ins Head Office zurück.

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