Kooperationstraining: Wenn das Büro aufs Footballfeld wandert
30.12.2011 | 16:03 | Jürgen Leidinger (Die Presse)
Um die Zusammenarbeit zu fördern, braucht es starke Bilder und prägende Erlebnisse, sagt Berater Herbert Klink. Für Unternehmen hat sein Team ein Seminar entwickelt, das die Teilnehmer mit American Football konfrontiert.
Wenn der Chef zu einem mehrtägigen Seminar lädt, kann das bei den Mitarbeitern alle möglichen Erwartungen hervorrufen: Mancher sieht es positiv und freut sich auf Weiterbildung abseits des Büroalltags oder auf die Möglichkeit, bestehende Probleme und Konflikte endlich einmal konstruktiv anzugehen. Andere bekommen vielleicht ein mulmiges Gefühl, fürchten endlose Präsentationsorgien oder Vertrauensübungen am Rande der Peinlichkeit. Läuft das Ganze unter dem Titel "Team Play" und der Betreffzeile "Was Manager von American Football lernen können", bleibt bis zu Beginn sicher so manche Frage offen.
Herbert Klink hat mit seinem Unternehmen Klink + Partner das entsprechende Angebot entwickelt - und er kann beruhigen: Niemand wird vor der Aufgabe stehen, den ballführenden Abteilungsleiter knallhart niederzuringen oder der Kollegin Helm an Helm gegenüberzustehen. "Wir wollen in diesen zwei Tagen helfen, die Zusammenarbeit in Teams oder zwischen verschiedenen Business Units zu verbessern. Dafür braucht es starke Bilder", erklärt der Berater und Coach. Und solche Bilder kann American Football liefern.
Zu Beginn des Seminars, das bereits mehrere hundert osteuropäische Mitarbeiter beim IT-Riesen HP absolviert haben, wird der noch immer etwas exotische Sport vorgestellt. Die Teilnehmer erleben, wie das US-Traditionsteam der Green Bay Packers bei minus zehn Grad spielt. Tobias Oberzeller, ehemaliger College-Footballspieler und Partner im Seminar, berichtet beispielsweise, wie es sich anfühlt, in ein Stadion mit zehntausenden feindlich gesinnten Auswärtsfans einzulaufen. In Wien arbeitet man mit den Footballern der Vienna Vikings zusammen. Wer will, kann sich zur Probe auch in Helm und Panzer werfen. "Das soll zeigen, dass es bei allen Krisen und Problemen in Unternehmen auch andere 'Playgrounds' gibt", erklärt Klink.
Noch wichtiger ist allerdings die Teamplay-Komponente: Profimannschaften sind präzise und zu 100 Prozent vorbereitete Organisationen. Eine Fülle an ausgefeilten Spielzügen ist auf dem Feld via Codewörtern und Handzeichen abrufbar. Jeder kennt seinen Platz und weiß, wie er die nächsten Sekunden und Minuten zu agieren hat.
Eine kleine Ahnung davon erhalten die Teilnehmer beim gemeinsamen Flag-Footballspiel. Bei dieser abgespeckten und kontaktlosen Variante wird auf einem kleinen Feld mit vereinfachten Regeln gespielt. Statt durch Körpereinsatz schaltet man den Gegenspieler aus, indem man eine der am Rücken befestigten "Flags" aus Stoff erbeutet. So können sich auch Frauen und Männer auf Augenhöhe gegenüberstehen. "Frauen erweisen sich sogar als präziser beim Erwischen der Flags", erzählt Klink.
Auf dem Feld verbringen die Teilnehmer trotzdem nur den kleinsten Teil der zwei Tage. Die meiste Zeit wird auf Indoor-Arbeit mit Aufgabenstellungen in Gruppen verwendet. Je nachdem, ob beispielsweise konstruktive Zusammenarbeit oder die Kommunikationskultur des Unternehmens im Vordergrund steht, variiert die Gestaltung. Gemeinsam werden dann Business Cases erarbeitet. Schließlich sollen die Teilnehmer abseits des Erlebnisfaktors auch konkrete Umsetzungsmöglichkeiten in ihren Alltag mitnehmen - und im Idealfall, ähnlich dem Football, in festgefahrenen Situationen alle mit einem erlernten Schlüsselwort wieder auf dieselbe Ebene bringen.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 31.12.2011)












