Controller zeigen sich auf breiter Front gefordert
02.12.2011 | 12:43 | Jürgen Leidinger (Die Presse)
Jährlich fühlt das ÖCI im Rahmen einer Panel-Befragung Controllern auf den Zahn. Heuer lässt sich ein Trend zur Nachhaltigkeit verorten, als wichtiges Zukunftsthema gilt Leistungsmessung im Controlling. Nachholbedarf gibt es bei den Planungsprozessen.
Spätestens seit der letzten Krise kann sich kaum eine Berufsgruppe ihres Standings im Unternehmen so sicher sein wie jene der Controller. So lautet die Außensicht. Einen tieferen Einblick in die komplexen Anforderungen des Berufsalltags bieten die Ergebnisse des Controlling-Panels 2011, die das Österreichische Controller-Institut (ÖCI) beim jährlichen "Controlling-Benchmarking-Circle" in Wien präsentierte. Im Herbst wurden 185 österreichische Controlling-Leiter befragt - parallel dazu erstmals auch 127 Kollegen in Tschechien. Die Studie zeigt nicht nur positive Trends: Mehr als die Hälfte der befragten Unternehmen startet Planungsprozesse immer noch „bottom-up". "Aus unserer Sicht ist das nicht befriedigend. Deshalb gilt Planung auch als teuer, weil Planende von unten, also ohne Orientierung beginnen. Unsere Empfehlung heißt ,bottom-down‘", sagte Mirko Waniczek, Studienautor und Senior Manager bei Contrast Management-Consulting, bei der Präsentation der Ergebnisse. "Es freut uns natürlich nicht, dass wir hier trotzdem Jahr für Jahr mehr oder weniger dasselbe Bild aus der Praxis präsentiert bekommen."
Ebenfalls wenig erfreulich: Planungsziele werden bei einer großen Mehrheit in beiden Ländern nur für das Gesamtunternehmen formuliert. „Für die zweite und dritte Managementebene ist das in etwa so, als gäbe es überhaupt keine Vorgaben", so Waniczek. Positiver schätzt er ein, dass in fast der Hälfte der Unternehmen die mittelfristige Planung gleichzeitig mit der Budgeterstellung passiert. Bei den Planungszielen dominieren nach wie vor konventionelle finanzielle Ziele. Bereiche wie Finanzierung oder Wertsteigerung spielen keine wichtige Rolle. Dafür lässt sich ein gewisser Trend zur Nachhaltigkeit verorten. So werden bereits in 22,7 Prozent der heimischen Unternehmen bei der Festlegung der Ziele nicht-monetäre Größen berücksichtigt. Auch in den monatlichen Reports an das Topmanagement stehen Kennzahlen aus der Gewinn-und-Verlust-Rechnung im Vordergrund. Für Waniczek lautet die zentrale Frage: Was steht auf der Seite eins? „Hier sollte die Übersicht auch mit nicht-monetären Inhalten angereichert sein", rät der Experte. Das Spektrum der Bereiche, in denen sich Controller besonders gefordert sehen, ist breit. Höchste Priorität werden der operativen Planung und Budgetierung, Analyse und dem Reporting an interne Adressaten und zukünftig auch noch stärker den Forecasts eingeräumt. Als beinahe ebenso wichtig werden aber Aufgaben wie externes Reporting, Mittelfristplanung, Kostenrechnung oder interne Beratung eingestuft.
40 Prozent der Controller wünschen sich einen weiteren Ausbau der Kapazitäten. Das überrascht. Denn es deutet darauf hin, dass sich diese Wünsche zum Teil auch erfüllen werden. Groß auf der internationalen Agenda steht aktuell das Thema Leistungsmessung. Passend zur Studie präsentierte Hubert Tretter, CFO bei Heineken CEE, im Rahmen des Benchmarking-Circle Maßnahmen aus dem Heineken-Konzern. Er gab unter anderem einen Einblick, wie der holländische Bierkonzern unter dem Titel "later and lighter" vor fünf Jahren weltweit einen schlankeren und zielführenderen Planungsprozess eingeführt hat. Der Österreichische Controllertag will sich von nun als Jahresauftakt-Veranstaltung etablieren und findet deshalb 2012 bereits am 26. und 27. Jänner statt.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.12.2011)












