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NLP: Wunderwaffe in Verruf

06.10.2011 | 15:01 |  Andrea Lehky (Die Presse)

Manche loben es hymnisch, andere beäugen es scheel. Ein Geschäft ist es dennoch. Acht Vorurteile gegen das Neuro-Linguistische Programmieren und was an ihnen dran ist.

NLP ist ein Werkzeugkasten für die menschliche Kommunikation. In den 1970er-Jahren beobachteten seine Erfinder Verhaltensformen, die sich im Umgang von Therapeuten mit ihren Patienten als zielführend erwiesen. Diese stellten sie neu zusammen und machten sie der Allgemeinheit zugänglich. Weil nur ein kleiner Teil kognitiv, der weitaus größere hingegen unbewusst wirkt, stand NLP immer im Verdacht sektiererischer Gehirnwäsche. Zu unterscheiden ist zwischen dem lukrativen Ausbildungsmarkt und den Anwendungen im täglichen Leben. Hier die acht am häufigsten genannten Ressentiments:

1. Ich werde manipuliert, ohne dass ich es merke.

Elf Jahre, nachdem Jörg Haider vorgeblich dank einer NLP-Werbekampagne einen Erdrutschsieg heimtrug, wird sein Beispiel immer noch genannt, wenn es um politische (und sonstige) Manipulation geht. „Wie sagte der große Paul Watzlawik? Man kann nicht nicht kommunizieren“, meint René Otto Knor, Gründer der NLP Akademie. Gleiches gilt für Manipulation, die mit der Sozialisierung durch Eltern und Schule beginnt und alle Bereiche betrifft: „Wenn ich ein gutes Einvernehmen mit meinem Hauseigentümer habe und mein Nachbar nicht – ist das nun Manipulation oder eine gute Kommunikationsbasis?

2. NLP ist überall.
Stimmt. Heute bedienen sich unterschiedliche Disziplinen seiner Grundsätze, meiden jedoch die Nennung des Namens. (Erwähnenswerte Ausnahme ist die Neuro-Linguistische Psychotherapie NLPt von ÖTZ-Chef Peter Schütz.) Im täglichen Leben  integrieren Lehrer die Techniken in ihren Unterricht, Ärzte in die Visite, Verkäufer in ihre Kundengespräche, Manager in ihre Führungsarbeit. Oft sind sie sich der Herkunft der Methoden gar nicht bewusst.

3. NLP-Geschulte verbergen ihre Persönlichkeit.
Stoßseufzer von Personalberaterin Lucia Schultes: Bewerber verstecken ihren wahren Charakter mit seinen Ecken und Kanten hinter eingelernten Kommunikationstechniken wie Rapport oder Spiegeln. Knor sieht das anders: „Man geht flexibel auf das ein, was das Vis-a-vis sich wünscht. Damit geht die Identität ja nicht verloren.“

4. Sie benehmen sich untereinander sektenartig. 
Ein Klischee, meint Knor. Da aber die Energie der Aufmerksamkeit folgt, wird jemand, der es so sehen will, sich immer bestätigt finden.

5. In der Therapie liefert man sich halbgebildeten Zauberlehrlingen aus, keinen Psychologen. 
In der Kurzzeittherapie erzielt NLP erstaunliche Erfolge, besonders bei Coaching- und Motivationsthemen. Voraussetzung ist, dass kein Krankheitsbild vorliegt. Letzteres gehört zum Psychologen (der oft eine NLP-Zusatzausbildung hat).

6. Die Qualität der Ausbildungen variiert. 
Das hat auch mit der Bandbreite des Angebots zu tun. Manche Kurse sind ganz auf die Persönlichkeit eines charismatischen Trainers zugeschnitten, andere eher auf ein weibliches Publikum, auf Business-Anwendungen oder sie sind therapeutisch ausgerichtet. Anhaltspunkte für den subjektiv richtigen Anbieter geben Zertifikate, Mitgliedschaften in nationalen und internationalen Verbänden, vor allem aber Mundpropaganda und Schnupperkurse.

7. In Massenkursen wird nur mehr abgecasht. 
Ja, in NLP steckt Geld. Roman Braun, Chef des größten heimischen Institutes Trinergy, schätzt den Markt auf 20 Millionen Euro jährlich. Bis zu 20.000 Personen absolvieren jedes Jahr die Kurse, 250 bis 300 frisch gebackene Trainer versuchen Fuß zu fassen. Kurse mit einigen hundert Teilnehmern bringen nun einmal mehr als heimelige Zwölfer-Runden.

8. Stimmt es, dass sich die Hälfte aller Kursteilnehmer danach vom Partner trennt?
Ja, doch das ist nicht NLP anzulasten. Oft drängen während des Kurses lange zurückgedrängte Bedürfnisse an die Oberfläche. Wer schon vorher in seiner Partnerschaft unglücklich war, artikuliert dies nachher vielleicht erstmals.

2 Kommentare
jahoo
07.10.2011 10:31
0 0

NLP

Punkt 8 empfinde ich aber als äußerst negativ. Manchmal kann man in einer Partnerschaft ein wenig unglücklich sein, aber den partner deshalb sitzen lassen ist unwürdig und selbstsüchtig. Das rückt NLP in ein sehr schlechtes Bild.
Margret_Fasan
07.10.2011 09:19
0 0

Einseitig

Kritisch ist der Beitrag leider nicht: Eine Personalberaterin (von wo eigentlich?) und ein NLP-Trainer... Ausgewogen sieht anders aus...
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