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Aufsichtsraete Helle Koepfe Boards

Aufsichtsräte: Helle Köpfe in die "Boards"

24.06.2011 | 10:47 |  Nikolaus Koller (Die Presse)

Nur ein kleiner eingeschworener Kreis? Nein, rund 18.000 Kontrollfunktionen gibt es hierzulande. Strengere Regelungen sorgen für Nachfrage nach qualifizierten Bewerbern.

Wer Aufsichtsräte als eine abgeschirmte und vor allem kleine Gruppe sieht, der liegt falsch: In Österreich gibt es rund 18.000 dieser Funktionen, so die Zahlen von Inara, der Initiative Aufsichtsräte Austria. „Man muss zwischen einigen Personen, die stark in der Öffentlichkeit stehen, und der großen Menge unterscheiden“, erklärt Victoria Kickinger, Gründerin und Geschäftsführerin von Inara sowie selbst Aufsichtsrätin.

Die rund 18.000 Funktionen sind breit gestreut: Sie umfassen „Boards“ in Aktiengesellschaften ebenso wie jene in größeren GmbHs, Stiftungen oder Verwaltungsräten. Kontrollfunktionen in in größeren Vereinen sind ebenfalls in dieser Zählung inkludiert. Allen Positionen gemein ist eine Überwachungsfunktion: „Ein Aufsichtsrat ist eine Aufsichtsfunktion, die mit Haftung zu tun hat“, stellt die Expertin klar. 

"Der Bedarf ist enorm"

Durch geplante Vorschriften wie ein Grünbuch der Europäischen Kommission, das im April vorgelegt wurde und aktuell diskutiert wird, werde auch die Nachfrage an qualifizierten Managern für die Kontrollorgane steigen. „Der Bedarf wird enorm sein“, sagt Kickinger, welche die Zahl der neuen Aufsichtsräte mit „2000 bis 3000 neuen Personen“ beziffert. Täglich würden auf der Inara-Datenbank zwei bis drei Anfragen nach potenziellen Aufsichtsräten eingetragen werden.

Eine hohe Nachfrage nach geeigneten Kandidaten bestätigt auch Michaela Kern, Leiterin der Initiative "Zukunft.Frauen." Ziel des Führungskräfteprogramms ist es, mehr weibliche Talente in Management- und Aufsichtsratspositionen zu etablieren. „Ja, die Nachfrage an qualifizierten Aufsichtsräten ist groß“, sagt Kern. Wobei sie – „trotz einer Generationenablöse“ – weniger die Zahl als die Nachfrage nach hoher Qualifikation beobachtet. Gerade für Frauen eröffnet sich hier eine Reihe von Chancen.

„Die Zusammensetzung des Gremiums, der richtige Mix, hat ungeheures Potenzial. Denken Sie auch daran, dass es in den Bundesländern eine Reihe von Unternehmen – viele in Familienhand – gibt, die Aufsichtsratspositionen zu besetzen haben.“

"Frauen profitieren davon"


Dass Diversität – geschlechtliche ebenso wie geografische oder berufsspezifische – in den Aufsichtsräten noch stärker Einzug halten wird, bestätigt auch Kickinger. „Davon werden natürlich auch Frauen profitieren.“ Den von ihr genannten Bedarf von 2000 bis 3000 neuen Personen führt sie unter anderem auch auf im Grünbuch geplante Maßnahmen zurück. Dazu zählt beispielsweise die Reduzierung der Mandate pro Person auf drei Stellen.

Diese Regelung werde in Österreich nicht vornehmlich das Stellenwachstum beflügeln: Während in der EU ein Aufsichtsrat „fünf bis sechs Mandate innehat“, sagt Kickinger, würde der Schnitt in Österreich bei drei liegen. Schwerer fällt dabei schon eine weitere Regelung des Grünbuchs, wonach sich Aufsichtsräte zu einem bestimmten Zeitbudget pro Mandat verpflichten müssen, ins Gewicht.

Hauptberuflicher Aufsichtsrat?

Dadurch werde die Zahl der Mandate pro Person deutlich zurückgehen. Ein anderer daraus resultierender Trend sei die Entwicklung von „hauptberuflichen Aufsichtsräten, die sich intensiv mit ihren Funktionen auseinandersetzen“.

Auch unabhängig vom Grünbuch sieht die Aufsichtsratsexpertin eine stärkere Professionalisierung und somit höheren Bedarf an neuen Kräften in der Branche. Wie hoch ist der Aufwand für ein solches Mandat? Ihr eigenes (zeitliches) Engagement als Vorsitzende des Kontrollorgans eines börsennotierten Unternehmens beziffert Kickinger mit 20 bis 25 Stunden pro Woche. Den Aufwand „normaler“ Aufsichtsräte sieht die Inara-Geschäftsführerin bei etwa 100 Stunden pro Jahr – wobei Kickinger betont, dass dieser je nach Organisation und Kontrollfunktion schwanken könnte.

Einschätzen und hinterfragen

Die Anforderungen an Interessierte sind hoch: eine rasche Auffassungsgabe, Verständnis und die Fähigkeit, sich in das jeweilige Geschäftsmodell hineindenken zu können, nennt Kern als notwendige Voraussetzungen für Kandidaten. „Sie sollten die Informationen, die ihnen präsentiert werden, möglichst gut einschätzen und kritisch hinterfragen können“, ist die Leiterin des Führungskräfteprogramms überzeugt.

Darüber hinaus sollten künftigte „Board-Members“ auch sehr gute Kenntnisse der rechtlichen Rahmenbedingungen und „idealerweise eigene Erfahrungen im Topmanagement“ mitbringen, sagt Kickinger. Interessante Kandidaten sollten jedenfalls bereits Finanz- und Führungs- sowie „nachweisbare strategische Verantwortung“ vorweisen können. Die Zusammensetzung sollte möglichst breit sein sowie auf die Bedürfnisse des Unternehmens abstellen. „Ein idealer Aufsichtsrat ist wie ein Puzzle“, sagt Kickinger: „Jeder Stein ist anders – es gibt nicht zwei mit derselben Funktion.“

Die persönliche Haftung sei eine der besonderen Herausforderungen für die Funktion, der sich Interessierte bewusst seien müssten, betont Kickinger. Sie biete aber auch Chancen: Aufgrund der Haftungsregeln wird die Vergabe in kleinen Zirkeln und „Old Boys Networks“ eingeschränkt. „Aufsichtsräte haften mit dem Privatvermögen – diese Tatsache allein wird die Zahl der Freundschaftsbestellungen reduzieren“, meint Kickinger, die mehr Transparenz in der Bestellung ortet: „Die Haftung macht alle katholisch.“ 

("Die Presse", Print-Ausgabe, 25.06.2011)

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