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Diversity Quotenregelung Dienst Frauen
Bild: Clemens Fabry 

Diversity: Quotenregelung im Dienst der Frauen?

17.06.2011 | 10:41 |  Andrea Lehky (Die Presse)

Gerade mal vier Prozent der Vorstandsposten und zehn Prozent der Aufsichtsräte sind weiblich besetzt. Die Regierung will den Frauenanteil hochschrauben. Über die Sinnhaftigkeit der vorgeschlagenen Maßnahmen sind die Meinungen geteilt.

Männer brauchen ökonomische Argumente. Da kam die McKinsey-Studie „Women Matter“ gerade recht, die Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek am Mittwoch präsentierte. Plus 41 Prozent Eigenkapitalrendite und plus 56 Prozent EBIT Marge erreichen Unternehmen mit hohem Frauenanteil in den Führungsgremien on top. Das ist die Sprache, die auch Männer verstehen: Managerinnen machen das Unternehmen finanziell erfolgreicher, wenn sie mindestens zu dritt sind: „Sind sie weniger, passen sie sich männlichen Verhaltensweisen an.“ 

Die Ministerin will die Quote weiblicher Führungskräfte auf 25 Prozent bis zum Jahr 2013 und 35 Prozent bis 2018 steigern. Die EU-Kommission ist sogar noch ehrgeiziger und will 30 Prozent bis 2015 und 40 Prozent bis 2020: „Das schaffen wir auch noch!“

Die Hindernisse auf dem Weg nach oben sind bekannt: Die Doppelbelastung, der „Immer und überall“-Anspruch jederzeitiger Verfügbarkeit und die weibliche Schwäche, „sich nicht für sich selbst stark zu machen“ – so sehen es 445 von McKinsey befragte Frauen. Die Berater liefern einige Lösungsansätze (siehe Artikel "Maßnahmenkatalog") und bekommen von der Ministerin Rückendeckung: „Am wichtigsten ist ein CEO, der dahintersteht. Wenn frau wirklich nach oben will, kann sie sich die anderen Bedingungen selbst regeln.“

Im „Presse“-Rundruf unter führenden Executive Searchern stoßen Quotenvorgabe und andere vorgeschlagene Maßnahmen auf geteilte Reaktionen. „Quoten sind positiv, aber nicht immer umsetzbar“, stimmt Andrea Viehauser von NP Neumann & Partners grundsätzlich zu. „Manchmal findet sich aber keine passende Frau. Manchmal auch kein passender Mann.“

Peter Gusmits vom Namenskollegen Neumann International sieht „die Sache der Frauen ad absurdum geführt. Quoten sind das Schlimmste, das man einer Organisation und einer Volkswirtschaft antun kann“. Denn: „Alles, was mit Zwang passiert, ruft Trotzreaktionen hervor.“

Einigkeit herrscht über die exzellenten Qualifikationen von Frauen, die immerhin 56 Prozent der Hochschulabsolventen stellen. „Sie machen einfach einen tollen Job“, stellt Jörg Seitz von Mercuri Urval fest. „Leistungsfähigkeit macht sich nicht am Geschlecht fest. Wer sich auf die Rolle der Frau zurückzieht und nach frauenspezifischen Programmen fragt, ist kontraproduktiv.“

Gabriele Lehner von Lehner Executive ortet „derzeit ohnehin eine Hype nach Frauen“. Arbeitgeber sollten flexible Arbeitsbedingungen betonen: „Auch ein Betriebskindergarten punktet.“ Ihren Geschlechtsgenossinnen rät die zweifache Mutter, sich nicht von berufsinkompatiblen Öffnungszeiten bremsen zu lassen und ein Au-pair-Modell ins Auge zu fassen: „Bei einem Manager-Gehalt ist das locker drinnen.“ 

Geteilt sind die Meinungen, ob sich Frauenquoten leichter in KMUs oder in internationalen Großkonzernen durchsetzen lassen. „In eigentümergeführten Betrieben ist es leichter, weil keine Multilevelinterventionen nötig sind“, sagt Markus Schwarz von Egon Zehnder International: „Der Impuls kommt direkt von der Spitze.“

Gerade dort sei es schwieriger, widerspricht Jörg Seitz, weil der Inhaber eher nach ihm ähnlichen Persönlichkeiten suche. Konzerne wiederum würden den nötigen Druck erzeugen. Gabriele Lehner: „Frauen sollten sich einfach sichtbarer machen, in Männernetzen umschauen und Eigenmarketing betreiben. Traut euch doch!“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.06.2011)

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