Kollege Roboter

13.05.2011 | 18:38 |   (Die Presse)

Aus der Arbeitswelt sind sie nicht mehr wegzudenken. Manchmal killen sie auch Jobs.

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Outsourcing. Sich wie Sumoringer gegenseitig aus dem Ring werfen, so lautete das Ziel der RobotChallenge, die im März in der Wiener Aula der Wissenschaften stattfand. 270Roboter aus 16europäischen Nationen traten gegeneinander an. Jubel für Österreich: Das Mechatroniker-Team der FH Vorarlberg errang mit seinem in liebevoller Kleinarbeit zusammengebauten Eigenbau-Roboter „Greenhorn“ auf Anhieb die Bronzemedaille.

Aus dem Ring werfen Roboter auch echte Menschen, wenn es um Arbeitsplätze geht. Das ist nichts Neues bei stark automatisierten Tätigkeiten und bei solchen, die übermenschliche Kräfte im wörtlichen Sinn erfordern. Industrieroboter sind potente Helfer auf Baustellen, in der Fertigung oder in der Lagerhaltung, um nur einige zu nennen. Federführend in der Entwicklung sind die technikverliebten Japaner (es lassen sich auch Anwendungen in der Beseitigung von Erdbebenschäden erahnen).

Platz zwei bei der Roboternutzung belegen bereits unsere deutschen Nachbarn. Laut einer Studie der International Federation of Robotics (IFR) kommen dort in der verarbeitenden Industrie auf 10.000Beschäftigte 234Roboter, Tendenz stark steigend. Auf dem deutschen Onlineportal arbeitssicherheit.de wird bereits vor vermehrten Kollisionen zwischen Menschen und Maschine gewarnt. Durch die laut Definition „frei programmierbaren Bewegungen auf mehreren Achsen“ verfügen die Blechkollegen über den größeren Aktionsradius und gefährden damit ihre leicht verwundbaren menschlichen Partner. Trennende Schutzvorrichtungen sind für die Arbeitsprozesse meist kontraproduktiv. Also müssen für den Einzelfall Maßnahmen gefunden werden, um die Verletzungsgefahr „auf ein tolerables Maß zu reduzieren“.


Blechmenschen als Dienstleister

Jüngster Trend, wieder aus Japan, sind humanoide Roboter. Die lebensgroßen mobilen Puppen ähneln echten Menschen bis ins Detail. Haut, Haare, Gesicht, Hände, Mimik und Gestik outen sie überhaupt erst auf den zweiten Blick als nicht menschlich. Besonders hochwertige Exemplare sind überhaupt erst an ihrer monotonen Computerstimme zu erkennen. Humano-Roboter sind prädestiniert für Dienstleistungen direkt am Menschen. Sie führen durch Firmen, Veranstaltungen und Messen, sie servieren in Restaurants, sie entlasten Lehrer in der Schule. Ein weites Feld liegt in der Pflege von Alten und Kranken, ein gleichermaßen wachstumsträchtiges wie unbeliebtes Berufsfeld. Roboter füttern, waschen und wickeln, verabreichen Medikamente und vertreiben einsamen Patienten als Gesellschafter die Zeit. Ein flächendeckender Einsatz scheitert derzeit noch an der Frage der Kosten – und der Akzeptanz. al

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.05.2011)

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