Great Place to Work: Österreichs beste Arbeitgeber
24.03.2011 | 18:59 | Jürgen Leidinger (Die Presse)
Die besten Arbeitgeber 2011 sind prämiert. Sie punkten mit Glaubwürdigkeit, Fairness und Teamorientierung.
Ob die Mitarbeiter auf dem Weg ins Büro freudig summen, wurde nicht erhoben. Dafür ermittelte das Great Place to Work Institute Österreich für seine diesjährige Benchmarkstudie zur Arbeitsplatzkultur eine ganze Reihe anderer Faktoren. 28 Unternehmen und Organisationen gingen am Ende als Sieger hervor. Sie erhielten in einer Gala am Donnerstag im Haus der Industrie das „Gütesiegel für Arbeitsplatzkultur“ und dürfen sich „Österreichs beste Arbeitgeber 2011“ nennen.
Für drei Größenkategorien wurde jeweils ein Ranking erstellt. Bei den Großunternehmen machte Microsoft Österreich mit seinen 350 Mitarbeitern in Wien und Graz das Rennen. Zweiter in dieser Kategorie wurde Worthington Cylinders. Das Unternehmen mit Sitz im niederösterreichischen Kienberg fertigt Stahlzylinder und beschäftigt 331 Mitarbeiter. Die Drogeriemarktkette Bipa erreichte den dritten Platz und ist unter allen Top-3-Unternehmen mit seinen 4315 Mitarbeitern der größte Arbeitgeber.
In der Kategorie der mittleren Unternehmen liegt die Österreich-Niederlassung des Netzwerkspezialisten Cisco Systems (70 Mitarbeiter) auf dem ersten Platz. Dahinter landete die heimische Vertriebsgesellschaft des Pharmakonzerns Baxter (80?Mitarbeiter). Dritter wurde die Sparkasse Bregenz. Das Institut feiert nächstes Jahr 190-jähriges Bestehen und hat eine weitere Besonderheit aufzuweisen: Mehr als zwei Drittel der 107 Mitarbeiter sind Frauen.
Überraschungssieger bei den kleineren Arbeitgebern ist die Bundeskellereiinspektion. Die selbstständige Dienststelle des Lebensministeriums führt bei allen Weinproduzenten und -händlern Kontrollen durch. Laut Veranstalter besticht sie mit einer besonders guten Arbeitsplatzkultur. Zweiter wurde die Apotheke „Zum Löwen von Aspern“ in Wien, in der mit Ausnahme des Leiters ausschließlich Frauen beschäftigt sind. Dritter wurde das Anzeigenportal willhaben.at. Das Unternehmen, an dem „Die Presse“ beteiligt ist, beschäftigt 47 Mitarbeiter.
Das Geheimnis der Sieger
Was machen die Sieger besser als andere? „Vergleicht man den Durchschnitt der Ergebnisse der als ,Beste Arbeitgeber‘ ausgezeichneten Unternehmen mit dem Durchschnitt derer, die als Teilnehmer an der Benchmarkstudie nicht ausgezeichnet werden konnten, fallen einige signifikante Unterschiede auf“, sagt Erich Laminger, Leiter des Great Place to Work Institute Österreich. Beim Punkt Glaubwürdigkeit in Information, Organisation und Koordination sowie beim abgefragten Statement „Die Führungskräfte lassen ihren Worten Taten folgen“ liegen die Sieger im Schnitt um rund 20 Prozentpunkte vorn.
Noch etwas größere Abweichungen lassen sich bei Einbeziehung in Entscheidungen, Anerkennung für besonderen Einsatz, Umgang mit Fehlern sowie bei der Unterstützung für die berufliche Weiterentwicklung feststellen. Weitere wichtige Unterscheidungspunkte sind die Anerkennung als Person in beruflicher Hinsicht und darüber hinaus sowie das Thema Bezahlung. Spitzenwerte von 90 Prozent, fallweise sogar 96 Prozent Zustimmung erreichen die Sieger in den Bereichen Stolz und Teamorientierung.
Gesündere Mitarbeiter
„Es ist verständlich, wenn die besten Arbeitgeber somit besondere wirtschaftliche Dynamik zeigen und zum Beispiel um 70 Prozent weniger Krankenstandstage je Mitarbeiter als der Durchschnitt aller österreichischen Unternehmen haben“, sagt Laminger. Die Sieger kommen auf gerade einmal 3,3 Krankenstandstage pro Jahr, der Durchschnitt liegt bei elf Tagen.
Zusätzlich zur herkömmlichen Wertung wurden vier Sonderpreise verliehen. Microsoft Österreich erhielt den Sonderpreis für außerordentliche Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Der Sonderpreis für außerordentliche Maßnahmen für Lehrlinge ging an Bipa, die Auszeichnung für außerordentliche Maßnahmen für Berufseinsteiger ging an T-Systems Austria, und Wothington Cylinders erhielt den Sonderpreis für die Integration von Menschen mit Behinderungen.
Wer es in die Wertung schafft, könne sich hervorragend auf dem Personalmarkt positionieren, sagt Laminger: „Neben diesem Employer-Branding-Aspekt bringt die Teilnahme den Unternehmen wertvolles Feedback über die Arbeitsplatzkultur und zu den gesetzten Personalmaßnahmen. Darauf können punktgenaue Maßnahmen der kulturellen Weiterentwicklung aufgesetzt werden.“
("Die Presse", Print-Ausgabe, 26.03.2011)













