Medizinprodukte: Chancen in der Wachstumsbranche

18.02.2011 | 13:08 |  Nikolaus Koller (Die Presse)

Die demografische Entwicklung schafft Arbeitsplätze.

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Ob einfache Pflaster, Fieberthermometer oder komplexe Herz-Lungen-Maschinen – das alles sind Medizinprodukte. Etwa 400.000 von ihnen umfasst die Branche, weiß Olivier Loudon: „Und der Sektor wird in Zukunft noch mehr an Bedeutung gewinnen.“

Damit legt der Geschäftsführer von 3M in Österreich und Präsident von Austromed, dem Verband der Medizinprodukt-Firmen in Österreich, die Latte für seine Zunft sehr hoch. Liegt doch das Wachstum im Sektor laut seinen Angaben schon jetzt „traditionell im niedrigen zweistelligen Bereich“.

Als Grund für seine optmistische Prognose führt Loudon die demografische Entwicklung ins Feld: Die heimische Bevölkerung überaltere zunehmend, daher werde auch der Bedarf an medizinischer Versorgung weiter steigen. 3,5 Mrd. Euro stark sei nach seinen Angaben der gesamtwirtschaftliche Produktionswert der Branche, die hierzulande sowohl in der Forschung und Erzeugung als auch mit reinen Handelsbetrieben vertreten ist.

Nicht nur Pflegepersonal gesucht

Dieses Wachstum werde sich auch auf die Jobaussichten bei seinen Mitgliedsunternehmen auswirken, betont der Austromed-Präsident: „Die Zuwächse schlagen rasch auf die Beschäftigtenzahlen durch.“ Aktuell beschäftigen die Austromed-Mitglieder hierzulande nach eigenen Angaben etwa 9000 Mitarbeiter. Dass die Prognose kein „jobless growth“ sei, begründet Loudon mit dem hohen Aufwand, den viele medizinische Geräte erfordern. „Nehmen Sie einen Kernspintomografen“, erklärt er, „dieser muss entwickelt, vermarktet, verkauft, gewartet und schließlich auch von jemandem bedient werden.“

Dafür benötige die Branche medizinisch geschultes Personal – „nicht unbedingt nur Mediziner“, wie der Austromed-Präsident betont. Auch Betriebswirte, Techniker und Juristen werden in der Medizinprodukt-Branche dringend gesucht. „Daneben erlebt natürlich auch der Bereich der Altenpflege einen großen Aufschwung.“ Daher richte sich der Bedarf nicht ausschließlich an Personen in der Pflege und für die Betreuung von Kranken. „Das Betätigungsfeld ist sehr abwechslungsreich“, sagt der Manager, was auch seine Kollegen aus anderen Unternehmen in der Branche bestätigen.

„Gesamtheitlicher Ansatz“

Im Besonderen treffe diese Einschätzung auf den Sales-Bereich zu. Fast jedes Unternehmen vertreibe nicht nur ein Produkt, sondern gleich eine ganze Bandbreite. „Wir sind daher keine Branche, in der Verkäufer nur eindimensional denken dürfen.“ Das gelte auch für die Kunden: Meist hätten die Patienten Bedarf an mehreren, durchaus unterschiedlichen Medizinprodukten. Daher sei auch hier ein „gesamtheitlicher Ansatz“ notwendig.
Die Branche habe sich mit einem Codex verpflichtet, ihre Mitarbeiter immer auf den neuesten Stand zu bringen. Dies sei vor allem notwendig, um in schwierigen Situation richtig zu reagieren. „Wir müssen jedes Problem und jeden Behandlungsfehler genau analysieren und prüfen, was falsch gelaufen ist“, sagt Loudon. „Daher benötigen alle Mitarbeiter ein hohes Verantwortungsbewusstsein und aktuelles Wissen.“

Austromed
Der Verband der Medizinprodukte-Branche 91 Mitgliedsunternehmen umfasst Austromed, die Vereinigung der Medizinprodukte-Unternehmen. Damit vertritt die Organisation nach eigenen Angaben etwa 80 Prozent des Volumens der Medizinprodukte in Österreich. Dazu zählen etwa 3M, Baxter, Otto Bock oder auch Salesianer Miettex. Die Branche weist ein breites Spektrum an Produkten auf – es reicht von Herzschritt-machern über Hüftimplantate bis zum einfachen Pflaster. In Summe gibt es etwa 400.000 Medizinprodukte. Die Austromed-Mitgliedsbetriebe beschäftigen etwa 9000 Mitarbeiter und sind für 3,5 Mrd. Euro an Wertschöpfung verantwortlich.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.02.2011)

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