Entrepreneurship: Ausschau nach Gestaltern
14.01.2011 | 18:38 | Von Jürgen Leidinger (Die Presse)
Unternehmerisches Denken ist schwer gefragt. Die entsprechende Förderung kann gar nicht früh genug beginnen.
Mut zum Risiko und die Suche nach ungenutzten Chancen sind nicht jedermanns Sache. Deshalb schließen manche schon zu Beginn ihrer Karriere einen Schritt ins Unternehmertum kategorisch aus. „Wenn ich höre, dass an einigen Universitäten ein großer Teil der Studenten die Zukunft noch immer im geschützten Bereich sieht, läuft etwas falsch“, sagt Norbert Zimmermann, Aufsichtsratsvorsitzender und Miteigentümer der Berndorf AG. Das Bild des Entrepreneurs in unserer Gesellschaft müsse positiv besetzt werden. Denn unternehmerische Denke ist auch abseits der Gründerszene gefragt.
„Den Typus des Unternehmers brauchen wir überall in der Gesellschaft: in bestehenden Unternehmen, im öffentlichen Dienst, im sozialen, im künstlerischen Bereich und natürlich auch in der Politik“, sagt Nikolaus Franke, Leiter des Instituts für Entrepreneurship und Innovation an der WU Wien. Schließlich braucht es überall, wo Veränderung gefragt ist, gestaltungswillige Menschen, die Verantwortung übernehmen wollen. Viele Angestellte arbeiten heute ohnehin in projektorientierten Strukturen. Der „Intrapreneur“, also der Unternehmer im Unternehmen, rückt in den Vordergrund.
An der WU und einigen anderen Hochschulen haben sich eigene Institute oder Zentren für Entrepreneurship gebildet. In der Lehre konzentriert man sich dort auf die Vermittlung von Fachkompetenz und natürlich auch unternehmerische Handlungsweise. Deren eigentliche Vermittlung, so sind sich Experten wie Praktiker einig, müsse aber schon viel früher beginnen. „Der Grundstein wird im Kindes- und Jugendalter gelegt. Im Elternhaus, in der Schule und im Umfeld werden die ersten Weichen für eine unternehmerische Orientierung gestellt“, sagt etwa Alexander Keßler, Leiter des „Stadt Wien Kompetenzzentrums für Entrepreneurship“ an der FH Wien. In der Statistik seines Studiengangs spiegelt sich das deutlich wider. Fast die Hälfte der Studenten kommt aus Unternehmerfamilien, etwa 30 Prozent der Absolventen werden auch selbst unternehmerisch tätig.
Vorbildfunktion betonen
Junge Menschen aus einem anderen Umfeld denken oft gar nicht an die Option einer Unternehmerkarriere – oder sie schlittern als Scheinunternehmer unfreiwillig in die Selbstständigkeit. Häufig verbinden sie lediglich das Bild einiger weniger Konzernlenker mit dem Begriff, obwohl es zu einem überwiegenden Teil die kleinen und mittleren Betriebe sind, welche die heimische Wirtschaft prägen. „Wenn man Unternehmertum fördern will, muss man das entsprechende Rollenbild in der Gesellschaft spannend und positiv besetzten. Erfolgreiche Unternehmer sollten Vorbilder sein. Unternehmer zu werden sollte erstrebenswert sein, so wie es erstrebenswert ist, Musiker oder Sportler zu werden“, sagt Zimmermann. Er nimmt auch seine eigene Zunft in die Pflicht. Selbstständige, aber auch Führungskräfte sollen ihm zufolge aktiv den Kontakt zu Schulen und Ausbildungsstätten suchen.
Viele der Eigenschaften des Entrepreneurs gelten mittlerweile als erlernbar. Andere und durchaus ausschlaggebende Faktoren bringt man entweder von vornherein mit oder man erwirbt sie durch viel Erfahrung. So finden sich bei erfolgreichen Unternehmern immer wieder Persönlichkeitsmerkmale, die man schwer kopieren oder erlernen kann. „Dazu gehören Risikobereitschaft, Kreativität im Umgang mit Situationen, Durchsetzungsvermögen, die Fähigkeit mit Unsicherheit umzugehen, und eine ganz grundsätzliche Leistungsmotivation, überhaupt etwas umsetzen zu wollen“, sagt WU-Professor Franke. Für Unternehmer Zimmermann ist es vor allem der Mut zum Risiko, der den Entrepreneur ausmacht: „Die Fähigkeiten sind oft da, aber die zarte Grenze ist, ob man auch den letzten Schritt macht und seine eigene Existenz riskiert, ob man den Status und die wohlige Bequemlichkeit aufgeben will, die man sich hart erarbeitet hat.“
("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.01.2011)












