Fachkräftemangel: Wieder auf der Suche nach IT-Spezialisten

26.03.2010 | 18:45 |  von Gabriele Rabl (Die Presse)

Es gibt zu wenige IT-Experten, sagen heimische Unternehmen. Zwar ging im Vorjahr die Nachfrage zurück, aber in einzelnen Bereichen zeichnet sich – negativen Schlagzeilen zum Trotz – eine Trendwende zum Besseren ab.

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Die Wirtschaftskrise hat auch in der Boombranche Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT) ihre Spuren hinterlassen. „Die Projekte sind seit dem Vorjahr kleinvolumiger, die Betriebe sind bei IT-Investitionen noch verhalten“, so René Tritscher, Geschäftsführer des Fachverbands Unternehmensberatung und Informationstechnolgie (Ubit) der Wirtschaftskammer Österreich.

In einigen Bereichen zeichne sich jedoch schon ein Aufwärtstrend ab: „Im Risikomanagement der Banken wird wieder verstärkt in IT investiert.“ Wie überhaupt „die Themen Daten- und IT-Sicherheit als Treiber für die Branche gelten“. Zum Verband zählen 6500 Betriebe mit 34.800 unselbstständig Beschäftigten. Sie blieben laut Tritscher im Vorjahr von der Kurzarbeit im Wesentlichen verschont. 70 Prozent der österreichischen IT-Betriebe seien kleinstrukturiert; die Arbeitsmarktsituation für IT-Fachkräfte könne man – aktuellen Schlagzeilen zum Trotz – insgesamt als stabil bezeichnen.

 

Hohe Schwankungen

„Das Stellenangebot für IT-Fachpersonal unterliegt seit 2009 hohen Schwankungen, was nicht sehr typisch für die Branche ist“, konstatiert Robert Fitzthum, Management Consulter im IT- und Finanzdienstleistungsbereich. „Das hat mit der fehlenden Planungssicherheit zu tun.“ Fitzthum beobachtet im Quartalsabstand die Jobangebote für IT-Fachkräfte in Print- und Onlinestellenmärkten und stellte fest, dass im Vergleich zum dynamischen Jahr 2008 der Stellenmarkt um ein Drittel schrumpfte: von 4830 offenen Stellen im vierten Quartal 2008 auf 3072 im Vergleichszeitraum 2009. Einen Nachfragerückgang registrierte er vor allem bei Systembetreuern und Projektmanagern, Programmierer und Datenbankspezialisten hätten sich dagegen gut gehalten. Für 2010 sagt er dem IT-Markt eine Stagnation, aber kein Wachstum voraus.

Auch die Karrieremesse des Campus Hagenberg, der Fakultät für Informatik, Kommunikation und Medien der FH Oberösterreich, registrierte im Vorjahr weniger Interesse von Unternehmen, ihr IT-Personal aufzustocken. Seit 2006 finden sich am Campus Firmen aus dem In- und Ausland zur „FH>>next“-Recruiting-Messe ein, um nach jungen Fachkräften zu suchen. „2008 boten 86 Aussteller unseren 1300 Studierenden Praktika und Arbeitsplätze an, im Vorjahr waren es 60 Aussteller“, informiert die Organisatorin bei der FH Oberösterreich, Petra Affenzeller.

Strategisch agierende Betriebe hätten allerdings weiterhin nach künftigen Mitarbeitern Ausschau gehalten, denn am Arbeitsmarkt gute Fachkräfte zu finden, habe sich bislang als schwierig erwiesen. Was laut Affenzeller auch der Grund dafür war, diese Messe ins Leben zu rufen: „Die Betriebe wollen IT-Studierende für Berufspraktika rekrutieren und diese Leute dann nach Studienabschluss im Unternehmen behalten.“

 

Zu wenige Qualifizierte

Daran werde sich auch in nächster Zeit wenig ändern, ist man bei Ubit überzeugt: Es herrsche nach wie vor Fachkräftemangel – durch die geburtenschwachen Jahrgänge und weil sich noch immer zu wenige junge Menschen für eine IT-Ausbildung interessieren. Im krisengebeutelten Jahr 2009 startete der Verband die Imagekampagne „IT-Offensive 2020“, um auf den Fachkräftemangel aufmerksam zu machen. Er stützte sich dabei auf Ergebnisse einer Umfrage, wonach 47 Prozent der heimischen IKT-Unternehmen schon jetzt zu wenige Arbeitskräfte finden und sogar 59 Prozent für die Zukunft Schwierigkeiten bei der Rekrutierung von Mitarbeitern erwarten.

Letzteres bestätigt Philipp Huber, Leiter der Head of HR bei T-Systems: Man sei dort ständig auf der Suche nach IT-Experten und Consultants sowie Absolventen technischer Schulen. „Wir haben im letzten Jahr an die 40 Mitarbeiter in diesem Bereich eingestellt, auch für 2010 planen wir ein moderates Wachstum auf der Personalseite“, sagt er. Die fachspezifische Ausbildung sei allerdings nicht das einzige Kriterium für Bewerber – wichtig seien außerdem technische Affinität, Kundenorientierung und eine „von Neugierde, Offenheit und Lernbereitschaft geprägte Persönlichkeit“.

Noch etwas sollte man in dieser Branche sein: möglichst stressresistent. „Nach 20 Jahren sind viele ausgepowert“, weiß Fitzthum. Er empfiehlt, rechtzeitig über „neue Karrieremodelle“ nachzudenken. Und zwar auch auf Unternehmensseite: So könnten Firmen das Know-how älterer Mitarbeiter zur Schulung junger Kollegen nutzen oder eine Art Mentoring in Projekten überlegen.

 

„Nicht nur Softwareschreiben“

Tritscher ist überzeugt, dass IT-Jobs interessante Entwicklungsmöglichkeiten für junge Menschen bieten. „Es geht dabei nicht um stundenlanges Softwareschreiben“, räumt er mit einem Vorurteil auf. Wer gern mit Menschen zu tun hat, sei hier gut aufgehoben: „Die Projektabwicklung bedeutet viel Kundenkontakt.“ Dass österreichische Firmen ihren IT-Bereich generell ins Ausland transferieren könnten, hält er nicht für realistisch: „Vielleicht niedrig qualifizierte Tätigkeiten, etwa Codierungsarbeiten. Aber wenn im Land genug hoch qualifizierte Kräfte ausgebildet werden, wird Outsourcing in dieser Branche kein großes Thema werden.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.03.2010)

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