Jus Monitor 09: Kanzlei, aber keine große
12.03.2010 | 18:34 | von Nikolaus Koller (Die Presse)
Wo junge Juristen arbeiten wollen.
Ein interessantes Fachgebiet, eine herausfordernde Tätigkeit verbunden mit hohem Prestige und guter Bezahlung – so schätzen Jusstudierende und Absolventen den Beruf des Rechtsanwaltes ein. Dies geht allerdings auf Kosten der Work-Life-Balance. Immerhin: Rund 55 Prozent der jungen Juristen würden gerne in dieser Branche arbeiten. Zu diesen Ergebnissen kommt der aktuelle Jus Monitor09. Bei diesem hat Uniport, das Karriereservice der Universität Wien, die bevorzugten Berufsfelder von Juristen abgefragt. Am liebsten würden die Befragten in einer kleinen Sozietät arbeiten.
Jeder zweite Befragte – die Studie wurde unter mehr als 440 Jusstudierenden und -absolventen durchgeführt – könnte sich eine Karriere in einer Rechtsabteilung eines Unternehmens vorstellen. Knapp ein Drittel zieht es ins Consulting sowie einer NGO. 22 Prozent der Befragten würden den beruflichen Weg ins Notariat gehen. Nur jeder Zehnte möchte in der Steuerberatung arbeiten. „Angehende Juristen wissen leider oft zu wenig über ihre Chancen und Möglichkeiten in der Steuerberatungs- und Wirtschaftsprüfungsbranche“, erklärt Lieselotte Ziegler, Partnerin bei TPA Horwath, die Ergebnisse.
Aufklärung fehlt
Ebenfalls nicht unter den beliebtesten Arbeitgebern befinden sich große Wirtschaftskanzleien. Von den rund 50 Prozent der Befragten, die sich vorstellen können, Rechtsanwalt zu werden, wollen nicht einmal 20 Prozent in eine Großkanzlei. „Über große Sozietäten gibt es viele Mythen und zu wenig Aufklärung darüber, wie die Arbeit in einem derartigen Umfeld in der Praxis aussieht“, erklärt Konrad Gröller, Partner im Wiener Büro der internationalen Sozietät Freshfields Bruckhaus Deringer: „So wird beispielsweise verkannt, dass man hier auch in überschaubaren Teams arbeitet und daher nicht zu einer Nummer in einer großen Gruppe wird.“ Eine Möglichkeit für Juristen, sich über potenzielle Arbeitgeber zu informieren, biete die Karrieremesse Success10 (siehe Info-Kasten).
Öffentlicher Dienst beliebt
Mehr als die Hälfte der Befragten können sich vorstellen, im öffentlichen Dienst zu arbeiten. Eine Karrieremöglichkeit bietet dabei auch das Bundesministerium für Justiz (BMJ). „Die österreichische Justiz beschäftigt insgesamt mehr als 2000 Juristen“, sagt Georg Stawa, Staatsanwalt im BMJ: „Für eine spätere Tätigkeit als Richter oder Staatsanwälte nehmen wir jährlich österreichweit etwa 80 Juristen auf.“ „Vater Staat“ ist bei den Juristen als Arbeitgeber beliebt – obwohl die Saläre von den Befragten im Vergleich nur gering eingeschätzt werden. „Was den öffentlichen Dienst in puncto Bezahlung am deutlichsten von anderen Bereichen unterscheidet, ist das Fehlen des Zwangs, auf wertvolle Freizeit zugunsten eines höheren Einkommens zu verzichten“, erklärt Stawa.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.03.2010)

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