Artikel drucken Drucken Artikel kommentieren Kommentieren Artikel senden Senden
 

Mediaagenturen fragen nach breitestmöglicher Ausbildung

11.11.2017 | 17:00 |  Von Michael Köttritsch (Die Presse)

Auch die Unternehmen der traditionell sehr progressiven Agenturbranche sind dabei, an ihren Geschäftsmodellen zu drehen. Mitarbeiter, sagt Andras Martin, seien stark als Sparringpartner für die Kunden gefragt.

Um zu sehen, wie professionell der digitale Werbemarkt in Österreich funktioniert, hat der Online Vermarkterkreis (OVK) im iab austria eine Studie initiiert und 17 Detailkompetenzen abgefragt. Dabei zeigt sich, dass die Branche in Bewegung ist und manche Agenturen Defizite aufweisen – etwa bei der Anlieferung von Werbemitteln, der Einhaltung von IAB-Standards.

Und es zeigt sich, dass die digitale Transformation die Agenturen zwingt, an ihren Geschäftsmodellen zu arbeiten, sagt Andreas Martin. Er trägt seit der Akquisition von media.at durch Dentsu Aegis Network in der Funktion als Managing Director die Verantwortung für die gesamte media.at-Gruppe.

So werde beispielsweise der Prozess der Beauftragung digitalisiert. Zudem werde die Beratung zunehmend intensiver, „weil mehr Kanäle zur Verfügung stehen, der Markt fragmentierter ist und es überhaupt mehr Medien gibt“, sagt der 44-Jährige. Daten würden in Echtzeit visualisiert, um kurzfristig entscheiden zu können. Deshalb schätze er die internationale Anbindung von media.at an Dentsu: „Know-how aus dem Netzwerk wird immer wichtiger – auch wegen der steigenden Spezialisierung, die unumgänglich ist.“ Und doch brauche es nach wie vor eine holistische Herangehensweise an die Arbeit – auch, um mit den laufenden Veränderungen besser leben zu können.

Denn der Markt sei umkämpft: Andere Player drängten hinein etwa Technologieunternehmen wie SAP, für das der Einstieg in diese Branche gleichsam eine logische Weiterentwicklung sei – viele Firmendaten würden ja jetzt schon in ihrem System zusammenlaufen. Aber, sagt Martin, „auch die Unternehmensberater drängen herein.“

Für die Mitarbeiter bedeute das: „Die Rollenbilder ändern sich, weil Geschäftsmodelle erst im Entstehen sind“, sagt Martin. Dabei sei es wichtig, mit den Produkten zur richtigen Zeit auf den Markt zu kommen. Nicht zu spät, um der Konkurrenz gegenüber nicht das Nachsehen zu haben. Und nicht zu früh. Wie problematisch das für ein Unternehmen sein, kann, habe er in seiner Zeit beim Mobilfunker „3“ erlebt, der zu früh auf Videotelefonie gesetzt hatte.

„Hirn einschalten“

Weil alles zahlenlastiger werde, bräuchten Mitarbeiter gute Excel-Kenntnisse genauso wie ein Verständnis für Technologien. Das heißt: „Sie müssen sich auf das Thema einlassen können.“ Überhaupt ist eine breite Ausbildung gefragt, wobei Absolventen von Fächerbündel, etwa Wirtschaftsinformatiker, die Ahnung von Marketing und Verkauf wie von Technik haben, besonders gefragt sind. „Wir suchen ja keine Programmierer“, sagt Martin, aber Mitarbeiter sollten Gerätebedienen können „und das Hirn einschalten“.

(Print-Ausgabe, 11.11.2017)

AnmeldenAnmelden
DiePresse.com