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„Was habe ich diese Woche gelernt?“

12.11.2017 | 07:00 |  Von Michael Köttritsch (Die Presse)

Porträt. Wissens- und Generationenmanagement sind Thales-Personalchefin Claudia Kernstock wichtig. Ebenso Kreativität im Recruiting, um Diversität zu fördern und Silodenken zu verhindern.

Es sei eben Kreativität gefragt. Claudia Kernstock möchte sich nicht damit aufhalten, dass es schwierig sei, gute Mitarbeiter für die Software- und Produktentwicklung oder für das Engineering zu finden. Kreativ zu sein, das heiße beispielsweise, „nicht immer nach den gleichen Profilen zu suchen“, sagt die Personalchefin von Thales Austria, die von Wien aus Mitarbeiter auf neun Märkten betreut.

Da komme ihr entgegen, dass man in der Konzernzentrale im Pariser La Défense stark auf das Thema Diversität setze. Gesucht werden nicht nur Mitarbeiterinnen, sondern Spezialisten aus unterschiedlichen Ländern und Kulturen und Menschen mit diversen fachlichen Hintergründen. Lediglich Englisch sollten sie beherrschen, denn das sei die Konzernsprache – obwohl das Unternehmen französisch ist. Mitarbeiter müssten nicht einmal sonderlich mobil sein, denn auch internationale Funktionen ließen sich von Österreich aus erfüllen, sagt Kernstock. „Die Mobilitätsbereitschaft junger Leute ist oft nicht so hoch wie erwartet. Aber viele gehen gern nach Frankreich.“

Nach einigen Jahren bei der Österreich Werbung ist die Juristin als Personalistin seit 1999 in Technologieunternehmen tätig: zunächst bei Alcatel-Lucent, danach am Institute of Science and Technology Austria (IST) und später am International Institute for Applied Systems Analysis (IIASA).

Aus diesen Erfahrungen heraus weiß sie auch um die Bedeutung des Employer Brandings, um die Arbeitgebermarke bekannter zu machen: „In Frankreich ist Thales das, was Mercedes in Deutschland ist“, sagt sie. Doch eines sei paradox: Gerade der jüngeren Generation seien Marken nicht mehr so wichtig wie die Inhalte. Sie würden sich eher anhand der Tätigkeit, der Arbeitszeit, des Gehalts, des Verantwortungsbereichs und der Weiterentwicklungsmöglichkeiten für einen Job entscheiden. „Wir kooperieren daher mit Schulen, FH und Universitäten, bieten Traineeprogramme und haben ein eigenes Studienprogramm zusammengestellt“, sagt Kernstock. Und: „Wir zeigen unsere Jobprofile.“ Diese drehen sich in Österreich um die Sicherung kritischer Infrastrukturen, Luft- und Raumfahrt sowie Eisenbahntechnologie. International ist Thales auch als Rüstungskonzern tätig, Kernstock unterstreicht aber den Verteidigungsaspekt: So habe man etwa das Bundesheer mit Nachtsichtgeräten ausgerüstet.

Sitzordnung nicht unerheblich

Die Personalabteilung sei aber nicht nur gefragt, wenn es darum gehe, die richtigen Mitarbeiter zu gewinnen. Sondern auch, wenn es sie zu halten gilt. „Wichtig ist, dass sich keine Silos bilden“, sagt Kernstock auf das Generationenmanagement angesprochen. Deshalb ist ihr die diverse Besetzung von Projekten ein Anliegen. Deswegen etabliert sie auch Veranstaltungen, bei denen Mitarbeiter aus unterschiedlichen Ecken des Unternehmens mit unterschiedlichen Hintergründen zusammenkommen und sich kennenlernen. Und, sagt Kernstock, „auch die Sitzordnung im Haus steuern“. Nämlich, ob und wie Mitarbeiter der verschiedenen Sparten und Aufgabenbereiche miteinander in Kontakt kommen.

Derzeit, sagt Kernstock, betrage das Durchschnittsalter der Mitarbeiter 42 Jahre. Für manche Projekte aber seien gerade ältere Arbeitnehmer entscheidend: Denn Thales verspricht Kunden langfristige Betreuung. Und da brauche es Mitarbeiter, die auch ältere Technologien beherrschen und die bereit sind, ihr Wissen darüber weiterzugeben.

Klare Ziele, klare Grenzen

Wissensmanagement ist auch ein fester Bestandteil der Arbeit in ihrer relativ kleinen dreiköpfigen Personalabteilung. „Im Jour fixe“, sagt sie, „erzählen die Mitarbeiter und ich: ,Was habe ich diese Woche gelernt?‘ Und wir anderen profitieren davon.“

Daneben sind ihr Vertrauen, Respekt wichtig, ebenso, dass man Fehler nicht vertusche. Und: dass sich die Mitarbeiter einbringen (können). Sie sage das auch ganz offen: „Ich werde euch immer fragen, aber Entscheidungen treffe ich.“ In dieser Hinsicht hätten ihr ihre sehr jungen Eltern ein Vorbild geliefert: „Partnerschaftliche Erziehung, klare Ziele, klare Grenzen – das prägt.“

ZUR PERSON

Claudia Kernstock ist seit Oktober Personalchefin bei Thales Austria. Die Österreich-Niederlassung ist auf die Sicherung kritischer Infrastrukturen, Luft- und Raumfahrt sowie Eisenbahntechnologie spezialisiert. Begonnen hat die Juristin und Personalexpertin ihre Karriere bei der Österreich Werbung, seit 1999 ist sie in Technologieunternehmen tätig: bei Alcatel-Lucent, am Institute of Science and Technology Austria (IST) und am International Institute for Applied Systems Analysis (IIASA).


[NZ13Z]

(Print-Ausgabe, 11.11.2017)

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