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Bild: Klaus Ranger 

Die Digitalisierung als große Chance

03.11.2017 | 12:59 |  von Michael Köttritsch (Die Presse)

Mehr als 2500 Studierende drängten sich bei der größten Fachmesse, der Jussuccess, im Wiener Juridicum. Sie bekamen viel geboten: Gespräche mit potenziellen Arbeitgebern, erhellende Vorträge und interessante Diskussionen.

Einmal im Jahr wird das Wiener Juridicum zur ganz großen Bühne: für die Studierenden und angehenden Juristen, die sich über ihren ersten Arbeitsplatz bzw. eine Folgeausbildung Gedanken machen. Und für die potenziellen Arbeitgeber – in erster Linie, aber nicht nur, die Rechtsanwaltskanzleien.

An 51 Ständen konnten sich die rund 2500 informieren und das eine oder andere Jobinterview anleiern. Und natürlich waren es die naheliegenden Fragen, die die Studierenden am meisten interessierten: Wie komme ich zu einem Job? Welchen Notenschnitt muss ich haben? Wie sollen meine Bewerbungsunterlagen aussehen? Wie sieht es mit den Arbeitszeiten aus? Wie viel werde ich verdienen? Und: Wie steht es um die Aufstiegschancen?

Entsprechend wurden diese Fragen auch in den Vorträgen und auf der Bühne beantwortet. So diskutierte Messe-Organisator Alexander Nagel mit Sarah Kohlmaier und Christine Leitl-Kovacic von der Karriereplattform der Universität Wien, Uniport, vier Schritte zur gelungenen Bewerbung.

Wie man einen Job bekommt

Wie ein Bewerbungsgespräch in der Praxis aussehen kann und welche Fragen tatsächlich gestellt werden können, wurde in einer Simulation auf der Hauptbühne deutlich. Vor großem Publikum stellte sich Barbara Abdalla von der Fakultätsvertretung Jus den durchaus kritischen Fragen von Simone Liebmann-Slatin. Sie ist als Senior Counsel bei der Anwaltskanzlei Baker McKenzie unter anderem Expertin für Arbeitsrecht.

Doch nicht nur die Karrierechancen in Rechtsanwaltskanzleien interessierten die Messebesucher: Stark frequentiert war einmal mehr die Präsentation von Martin Nesirky, Direktor des Informationsdienstes der Vereinten Nationen in Wien (Unis), der über die Jobmöglichkeiten für Juristen bei der UNO informierte.

Zu den oben genannten Fragen, die die Studierenden besonders interessierten, sei heuer eine weitere gekommen, berichteten Personaler nach der Messe. Sie lautete: Was erwartet mich konkret in Sachen Digitalisierung?

Konzipienten bald überflüssig?

Eine durchaus berechtigte Frage. Eine, die das Uniport-Organisationsteam antizipiert hatte und zu der es eine Podiumsdiskussion auf der Messe-Hauptbühne angesetzt hatten: „LegalTech: Ersetzt der Computer bald den/die Konzipienten/in?“ Das interessierte einen großen Teil der Messebesucher, denn laut einer Erhebung möchten jede zweite Absolventin und jeder zweite Absolvent des Jusstudiums am Wiener Juridicum den Karriereweg in einer Anwaltskanzlei einschlagen.

Mehrere Punkte kamen auf dem Podium zur Sprache, das prominent besetzt war mit Veronika Haberler, Gründerin und CEO von LeReTo, dem Legal Research Tool, Sophie Martinetz, Gründerin von Seinfeld Professionals und der Plattform Future-Law, die Technologie und Innovation in der Rechtsbranche stärken, entwickeln und fördern möchte, Nikolaus Forgó, Professor für Technologie- und Immaterialgüterrecht am Juridicum, und Alberto Sanz de Lama, dem Geschäftsführer von LexisNexis Österreich.

Forgó ermunterte, die Digitalisierung, die im Übrigen vor Jahrzehnten begonnen habe, nicht als Bedrohung zu sehen, sondern sie vielmehr als eine große Chance zu verstehen. Auch Martinetz versuchte, Ängste zu nehmen: Computer könnten heute zwar regelbasiert analysieren und rechtliche Probleme entdecken. Sie könnten aber weder Lösungsvorschläge anbieten noch Sachverhalte rechtlich würdigen. Juristen sollten allerdings die Sprache der ITler sprechen können und verstehen, was die Technik an Information von ihnen braucht.

Es bleibt genug zu tun

In dieselbe Kerbe schlug auch Haberler: „Ergebniswürdigung bleibt menschlich“, formulierte sie. Allerdings, und da stimmte sie mit Sanz de Lama überein, werde die Recherchetätigkeit in hohem Maße vom Computer übernommen. Juristen und im Speziellen Konzipienten böte das die Chance, Zeit zu sparen und sich auf spannendere und anspruchsvollere juristische Tätigkeiten konzentrieren zu können.

Klar aber ist: 70 Prozent der Österreicher können sich vorstellen, automatisierte Rechtsberatung zu nutzen. Und das wird Auswirkungen auf die juristische Ausbildung und Praxis haben.

Auf einen Blick

Karrierethemen standen auch bei dieser Auflage der Fachmesse Jussuccess im Fokus des Interesses der Studierenden. An den mehr als 50 Ständen konnten sie Jobchancen ausloten und sich über Weiterbildungsmöglichkeiten informieren. Mehr als 20 Vorträge und Diskussionen rundeten das Informationsangebot ab. Eine der zentralen Fragen war, welche Auswirkungen die Digitalisierung für (angehende) Juristen haben wird.Übrigens: Die nächste Jussuccess am Wiener Juridicum wird voraussichtlich am 30. Oktober 2018 stattfinden.


[NYTE7]

(Print-Ausgabe, 04.11.2017)

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