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Kaessbohrer
Wo versteckt sich Schützenswertes? Kässbohrer führt Patent-Checklisten. / Bild: Kässbohrer 

Patentrezept, um Geld zu machen

04.11.2017 | 13:00 |  von Teresa Wirth (Die Presse)

Geistiges Eigentum. In Österreich werden zwar verhältnismäßig viele Patente, Marken und Designs angemeldet. Doch man könnte mehr daraus machen, sagt AWS-Chefin Edeltraud Stiftinger.

Schaut man in die Köpfe der Österreicher, sind sie ziemlich wohlhabend. Sie sind reich an Ideen, Innovationen und Erfindungen – oder anders gesagt: an geistigem Eigentum. Österreich liegt hier im europäischen Spitzenfeld. Nur Luxemburg, Malta, die Schweiz und Dänemark generierten laut European Innovation Scoreboard 2016 mehr Intellectual Property (IP). 2994 Patente, 5659 Marken und 593 neue Designs wurden beim österreichischen Patentamt angemeldet.

Auf den ersten Blick sind das gute Zahlen. Richtig zufrieden machen sie Edeltraud Stiftinger nicht. „Wir haben einen großen Nachholbedarf bei der Umsetzung in Produkte, die tatsächlich auf dem Markt verwertbar sind“, meint die Geschäftsführerin des Austria Wirtschaftsservice (AWS). Gerade in einer so wissensbasierten Wirtschaft wie der österreichischen sei das aber entscheidend. „Große Konzerne haben das Potenzial von Intellectual Property längst erkannt.“ Bei Klein- und Mittelunternehmen (KMU) befassen sich nur ein Drittel systematisch mit Schutzrechten. „Sehr oft wird das Thema auf die Frage ,Patente, ja oder nein?‘ reduziert“, meint Stiftinger. Sich auf dem globalen Markt zu behaupten und den Verlust von Know-how zu verhindern, funktioniere nur dort, wo eine IP-Strategie in das Geschäftsmodell integriert sei. Denn: „Die Großen schauen sehr genau hin, was Kleine tun.“

Bei Patentanmeldungen ist Maschinenbau das führende Technologiefeld. Auch deswegen hat sich die Firma Kässbohrer von AWS-Experten beraten lassen. „Wir halten aktuell etwa 20 Schutzrechte“, erklärt Horst Fößl, technischer Leiter beim Hersteller von Fahrzeugtransportern. „Wir haben die Scheu vor dem Thema verloren und sind jetzt viel aktiver im Bereich IP“, sagt Fößl. Jeder seiner Techniker habe nun ein Basiswissen in Schutzrechten. Von Kleinstprojekten bis zu ganz großen, immer werde eine IP-Checkliste ausgefüllt: „Ist etwas schützenswert? Gibt es Patente, die wir uns zunutze machen können? Berühren wir andere Patente?“ Besonders brisant wird das Thema dann, wenn man wie Kässbohrer Produkte in 30 verschiedene Märkte exportiert. Doch seine Patente schützt das Unternehmen nur in ausgewählten Ländern. Denn die Kosten sind nicht zu unterschätzen.

Je internationaler, desto teurer

„4000 Euro aufwärts kostet eine Patentanmeldung in Österreich“, schätzt Stiftinger, Patentanwalt inklusive. Aber ein Patent im Inland bringe in Zeiten der Globalisierung nicht viel. Je internationaler der Schutz, desto teurer sei er auch. „Für KMU ist das ganz schwer stemmbar“, erklärt Stiftinger. Deswegen gebe es eigene Förderprogramme, ihr geistiges Eigentum besser zu nutzen und in die Unternehmensstrategie zu integrieren.

Mit bis zu 200.000 Euro unterstütze das AWS neben der Beratungsleistung auch finanziell. Im Rahmen von IP.Market liege der Fokus nicht nur auf der Strategieentwicklung, sondern darauf, das geistige Eigentum wirtschaftlich zu nutzen. Stichwort: Auslizenzierung. „Ein Biosensor, der Zucker in Lebensmitteln misst, eignet sich auch für die Medizintechnik“, gibt Stiftinger ein Beispiel. Der Patenteigentümer des Messprinzips vergibt eine Lizenz und verdient somit daran. Passende Abnehmer für eine Lizenz sucht in dem Fall das AWS – und ist im Gegenzug am Gewinn beteiligt.

Denn es gehe schließlich um den Markt, meint Stiftinger. „Wir wollen, dass aus dem Wissen in den Köpfen Produkte werden, die man verkaufen kann.“


[NYL2K]

(Print-Ausgabe, 04.11.2017)

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