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Bild: (c) Die Presse (Clemens Fabry) 

Mit Haut & Haaren

10.11.2017 | 14:00 |  Andrea Lehky (DiePresse.com)

Kolumne "Führungsfehler". "Wollen Sie 500 Euro mehr verdienen?", fragte die Personalchefin den künftigen Assistenten des Geschäftsführers. "Dann machen wir einen All-in-Vertrag. Und Sie ersparen sich die lästigen Stundenlisten."

Der neue Mitarbeiter fand das eine gute Idee. Frohen Mutes fand er sich am ersten Arbeitstag um 8 Uhr morgens im Büro ein. Der Chef war nicht da. Macht nichts, dachte er, da kann ich mich in die Unterlagen einlesen.

Daraus wurde nichts. Non-stop hagelte es Anforderungen, Needs, To-do's. Bis zum Abend. Um 18 Uhr, gerade als er zusammenpacken wollte, kam der Produktionsleiter zur Tür herein. Kommen Sie, sagte er, ich führe Sie durchs Werk.

Gute Gelegenheit, dachte der Neue. Im Werk, kaum dass er den Bereichsleitern die Hand geschüttelt hatte, sprachen die ein gröberes technisches Problem an. Und weil sie gerade so nett zusammenstanden, diskutierten sie es gleich aus. Um 21:00 Uhr hatten sie eine Lösung.

Genau da tauchte der Chef auf. Wunderbar, lobte er den Assistenten, fassen Sie das noch schnell zusammen. Dann kann ich das Konzept morgen mit zum Aufsichtsrat mitnehmen.

Um 23.50 Uhr erreichte der Neue gerade noch die letzte U-Bahn. Auch am nächsten Tag. Am Tag darauf verpasste er sie.

Zwei Wochen später kündigte er. Es würde immer so weitergehen, das war ihm klar. Der Chef nannte ihn ein „arbeitsscheues Weichei“. Die Personalistin schimpfte, für zwei Wochen einen neuen Vertrag ausgestellt zu haben.

Nur seine Familie freute sich. Und er ließ sich nie wieder auf All-in-Verträge ein.

 

Das Management. Unendliche Möglichkeiten für Führungsfehler. Wenn Sie einen solchen loswerden wollen, schreiben Sie an: andrea.lehky@diepresse.com

Ähnlichkeiten mit realen Personen oder Unternehmen sind zufällig und nicht beabsichtigt.

Alle "Führungsfehler" finden Sie hier.

1 Kommentare
Zwibe
13.11.2017 16:05
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wahre Geschichten...

selbst so erlebt, aber man lernt daraus. All-In, diese Unsitte, wo der Stundenlohn hinuntergedrückt wird und Arbeitnehmer bis zum Geht-nicht-mehr ausgenützt werden....unglaublich. Danke für diesen Artikel.
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