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Plötzlich Country Managing Partner

22.10.2017 | 07:00 |  von Andrea Lehky (Die Presse)

Porträt. Den Chef einer Anwaltskanzlei unterscheidet viel von einem Wirtschafts-CEO. Auf so manches könnten die Universitäten vorbereiten, meint DLA-Piper-Chef David Christian Bauer.

Ein CEO habe es leicht, findet David Christian Bauer (42), seit zwei Jahren Country Managing Partner der internationalen Kanzlei DLA Piper. Unter einem CEO stehe der Vorstand, um dessen Berichtslinien brauche sich der CEO wenig zu kümmern.

Anders der Managing Partner einer Anwaltskanzlei. Unter (und gleichzeitig neben) ihm stehen die anderen Kanzleipartner, meist viele an der Zahl, die er, obwohl pro forma gleichrangig, lenkt und leitet. Dazu die Rechtsanwälte des Standorts, unter diesen die jungen Juristen. Daneben die unterstützenden Mitarbeiter. Als zweite Schiene laufen die Mandate des Managing-Partners weiter, die er wie zuvor akquiriert und betreut. Und als dritte Schiene repräsentiert er den lokalen Standort für das internationale Board.

Viele Management- und Führungsaufgaben, sagt Bauer. Doch wo lernt man diese? Wer bereitet junge Juristen auf das Wirtschaftliche vor? Wer darauf, sich im internationalen Kontext zu bewegen?

Die Universität sicher nicht. Die fokussiere sich auf ihr Sachthema, resümiert Bauer. Deshalb wünsche er sich Kurse, abgehalten von Juristen und erfahrenen Managern. Das würde vielen den Aufstieg erleichtern.

Doch nein, Bauer selbst wurde nicht ins kalte Wasser gestoßen. Erstens, weil er während seines Zivildiensts eine Zusatzausbildung als Vermögensberater absolviert und ein Jahr in diesem Bereich gearbeitet hatte. „Von dort habe ich viel mitgenommen.“ Zweitens, weil er von seiner Vorgängerin auf die neue Aufgabe vorbereitet worden war. Der Übergang lief aufbauend und geordnet, sagt er. So viel Glück habe nicht jeder.

Plötzlich Country Manager – wie reagierten hier die 15 anderen Partner, die vielleicht auf ältere Rechte pochten? Sich Respekt zu verschaffen war kein Thema, sagt Bauer: „Den bekommt man, wenn man sich in der Sache auskennt und auf Basis von Fakten argumentiert.“ Auch mäandere er nie, sondern strebe seine Ziele direkt an. Und er könne den emotionalen Abstand zu einer Sache bewahren.

„Gesunde Ergebnisoffenheit“

Noch einen Unterschied sieht Bauer zwischen Unternehmen und Kanzleien. In Letzteren seien Partner und Stakeholder keine anonymen Aktionäre, denen man einmal im Jahr auf der Hauptversammlung begegnet. Sie sind Anwälte wie man selbst. Auch sie haben aufgrund ihrer Beteiligung ein unmittelbares Interesse an der Kanzlei. Und man sieht einander täglich.

Durchaus ein Vorteil: „Man kann gar nicht abheben und sich in seine Blase zurückziehen. Weil man viel enger ins soziale Netz eingesponnen ist. Man bekommt unmittelbare Reaktionen.“ Seine „gesunde Ergebnisoffenheit“ habe ihm dabei viel gebracht.

Und doch, ein Manager muss entscheiden. Traditionell – ein weiteres Spezifikum der Branche – fingen Anwälte nur wenige andere Stimmen ein, meint Bauer. Sie träfen ihre Wahl nach eigenem Gutdünken (mit Ausnahme vielleicht von Partnermeetings, da frage man die Kollegen immerhin).

Bauers Führungsansatz ist gemischt. Er könne gut zuhören, sagt er, und Motive wie Hintergründe schnell erfassen. Aber er wisse, letztendlich werde er für die Entscheidung verantwortlich gemacht. Daher versuche er, alle Aspekte einzubeziehen und sich gleichzeitig nicht zu verbiegen, sprich: auch einmal gegen den Strom zu entscheiden.

Anders als in anderen Kanzleien habe er, Bauer, wenig Problem damit, Freiräume zu geben. Das klinge selbstverständlich, ist es in der Branche aber nicht: „Man darf sich nicht der Illusion hingeben, alles kontrollieren zu können.“

„Jetzt hab ich's verstanden“

Nun entwickelt er seine Kanzlei weiter. Er biete nicht „nur“ rechtliche Beratung, sagt er, sondern auch Lobbying dort, wo Vernetzung und Überzeugungskraft vonnöten sind. Was ihn an einen der schönsten Momente seiner Karriere erinnere. Als junger Konzipient bekam er einmal viel Lob von seinen Partnern, als er einen Rechtsfall nicht bloß brav erledigte, sondern Mehrwert im Sinne des Klienten herausarbeitete. „Das war der Moment, als ich dachte: ,Jetzt hab ich's verstanden.‘“ Und das ist schon wieder etwas, was man an der Universität nicht lernt.

Zur Person

David Christian Bauer (42) ist seit knapp zwei Jahren Country Managing Partner der internationalen Kanzlei DLA Piper. Nach Jusstudium und Universitätsassistenz arbeitete er ein Jahr als staatlich geprüfter Vermögensberater. 2002 ging er bei CMS an Bord und dann weiter zu Karasek Wietrzyk, wo er zum Partner aufstieg. 2010 wechselte er zu DLA Piper, wo er Klienten in Gesellschaftsrecht, Corporate Defence, M&A, Bank-, Kapitalmarkt-, Privat-stiftungs- und Erbschaftsrecht berät.

 


[NX9RU]

(Print-Ausgabe, 21.10.2017)

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