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Goldgräberstimmung bei IT- und TK-Gehältern

14.10.2017 | 13:00 |  Von Andrea Lehky (Die Presse)

Informationstechnologie und Telekommunikation. Wer sich diese Bereiche auf die Fahnen heftet, darf derzeit fast alles verlangen. Er muss nur beweisen, dass er sein Fach beherrscht. Das man nicht unbedingt studiert haben muss.

Gehaltsexperten sind viel gewohnt. Was aber derzeit bei den Gehältern in IT und TK los ist, verblüfft sogar Conrad Pramböck. Seit Jahren verfolgt der Kompensationsexperte die Entwicklung der internationalen Saläre. Kürzlich launchte er eine Datenbank für 40 Länder (Upstyle Compensation). In den Fachbereichen IT und TK, sagt er, gingen die Gehälter derzeit durch die Decke.

Etwas präziser: Bei allen Professionen, die direkt oder indirekt mit Digitalisierung, Automatisierung, Industrie 4.0, IoT (Internet der Dinge), E-Mobilität, Blockchain, SEM oder SEO (Suchmaschinenmarketing und -optimierung) zu tun haben, herrsche Goldgräberstimmung.

Ein Unternehmen wollte einen SEO-Experten einstellen, erzählt Pramböck. 50.000 bis 60.000 Euro Jahresbrutto waren budgetiert. „Letztlich legten sie 80.000 Euro auf den Tisch – und das war der Einzige, den sie unter 100.000 Euro bekommen haben.“ Das Paradoxon: SEM und SEO etwa muss man nicht studieren. Anleitungen und Kurse sind frei im Netz verfügbar. „Man muss es nur machen.“ Und darauf vorbereitet sein, vor der Einstellung gründlich auf die Kenntnistiefe abgeklopft zu werden.

Gefragt ist, was selten ist

Grund für die explodierende Nachfrage ist, wie so oft, die Knappheit derer, die sich in den Boombereichen auskennen. Es sind so wenige, vermutet Pramböck, weil die Meisten abgewartet und beobachtet haben, welche der vielen gleichzeitig aufpoppenden Strömungen sich wohl durchsetzen werden. Wie in den 1990ern bei der Erfindung des Internets: „Das hat auch lang Dornröschenschlaf gehalten – und plötzlich war es dann überall.“Historisch einmalig ist diesmal jedoch, dass sich praktisch alle Trends gleichzeitig durchsetzen und obendrein miteinander zusammenhängen.

In der Telekommunikation tummeln sich nur wenige Anbieter. Sie wissen genau, dass sie mit alten Festnetz/Handy-Tarifkombinationen nicht mehr lang durchkommen. Also denken sie sich neue Services rund um die Datenübertragung aus. Diese brauchen gar nichts mit ihrem alten Geschäft zu tun zu haben.

Beispiele: Längst melden Getränkeautomaten ihrem Befüller den Füllstand (und vieles mehr) über Datenleitungen. Das inspiriert zu Neuem, an das bislang keiner dachte. Etwa Getränkekühlschränke, hochwillkommene Geschenke des Bierbrauers, die diesem allerdings melden, wenn ein Wirt sie mit fremdem Bier füllt.

Geschäftsideen gibt es genug. Interessanterweise, so ein TK-Insider, kämen sie meist von den „alten Hasen“, die nun die Chance nützen, ihre lang gehegten Ideen umzusetzen. Jetzt braucht es nur die IT- und TK-Experten, die sie umsetzen. Und die, sagt Pramböck, dürfen ruhig zehn bis 15 Prozent über dem Marktpreis verlangen.

(Print-Ausgabe, 14.10.2017)

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