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Bild: Pixabay 

Noch lang nicht fit für mobile Arbeit

14.10.2017 | 13:00 |  Von Michael Köttritsch (Die Presse)

Digitalisierung. Sechs von zehn Arbeitnehmern arbeiten nicht mehr nur von ihrem Arbeitsplatz aus. Vielen von ihnen fehlt die nötige Kompetenz dafür: viel Arbeit für Personalentwickler.

Die Zahl mag überraschen: 39 Prozent der Beschäftigten gelten als Stationary Worker. Sie verlassen während ihrer Dienstzeit ihren Arbeitsplatz nicht. 61 Prozent hingegen sind Mobile Worker und arbeiten nicht mehr nur von ihrem Arbeitsplatz aus. Sie bewegen sich also im Büro bzw. auf dem Betriebsgelände oder sind überhaupt auswärts unterwegs. Diese Zahlen hat Jochen Prümper, Professor für Wirtschafts- und Organisationspsychologie an der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin, für Deutschland erhoben. In Österreich dürfte sich ein ganz ähnliches Bild ergeben.

Prümper klassifiziert die Teilnehmer der Studie in vier verschiedene Typen. Den Großteil (rund ein Drittel) bilden die

  • Mobile Minds: Sie stehen technologischen Entwicklungen aufgeschlossen gegenüber. Sie nutzen die neuen Möglichkeiten gekonnt und fühlen sich damit sehr wohl. Ähnlich groß ist die Gruppe der
  • Mobile Potentials: Bei ihnen ist in Bezug auf die Digitalisierung noch Aufholbedarf vorhanden. Sie könnten aufgeschlossener und kompetenter im Umgang mit den technischen Möglichkeiten sein.
  • Mobile Dreamer: Jeder Fünfte steht neuen Arbeitsweisen zwar aufgeschlossen gegenüber, fühlt sich aber nicht mehr so wohl, wenn sie umgesetzt werden sollen.
  • Mobile Naïfs: Sie sind zwar offen für die Digitalisierung, können aber noch nicht richtig mit den neuen Gegebenheiten umgehen.

 

Bemerkenswert sei, sagt Prümper, dass mehr als jeder zweite Mobile Potential und Mobile Dreamer und sogar 70 Prozent der Mobile Naïfs mobil arbeiten – ohne offenbar ganz sattelfest zu sein. Er rät Unternehmen zur gezielten Kompetenz- und damit Personalentwicklung. Denn diese sei erfolgskritisch. Prümper hat auch analysiert, was „digitale Handlungskompetenz“ ausmacht. Er dröselt sie in drei Felder auf:

  • Digitale Sachkompetenz heißt zu wissen, wie sich Daten bei der digitalen Zusammenarbeit über die verfügbaren IT-Geräte nutzen und schützen lassen. Sie zu erhalten sei eine essenzielle Aufgabe der Unternehmen.
  • Digitale Sozialkompetenz: Sie zeigt sich darin, ob es gelingt, dem Gesprächspartner eigene Anliegen über digitale Kommunikationswege verständlich zu machen – wie sehr das gelingt, ist vielfach eine Frage der Persönlichkeit.
  • Digitale Selbstkompetenz: Sie zeigt sich darin, wie die größeren Gestaltungsspielräume genutzt werden, die durch das digitale Arbeiten möglich werden. „Sie muss vom Kindergartenalter an vermittelt werden“, sagt Prümper. In sie zu investieren lohne sich: Denn Mobile Worker mit hoher digitaler Selbstkompetenz berichteten in der Studie über deutlich höhere Zufriedenheit mit der Vereinbarkeit von Beruflichem und Privatem. Sie würden sich körperlich, sozial und psychisch wohler fühlen und wären zufriedener mit den eigenen Arbeitsergebnissen.

Auf einen Blick

Digitale Selbstkompetenz ist die digitale Schlüsselkompetenz, ermittelte Jochen Prümper in der Studie „Mobile Work 2017“ gemeinsam mit dem Spring-Messe-Management. Um Digitalisierung geht es auch bei der Fachmesse Personal Austria (8./9. November) in Wien.

(Print-Ausgabe, 14.10.2017)

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