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Bild: Pixabay 

Innovation: Was denken Manager?

29.08.2017 | 12:00 |  Cornelia Holzbauer (DiePresse.com)

Wer Innovation will, muss an der richtigen Stelle ansetzen. Dabei wird oft unterschätzt, wie viel die Nutzer zu kreativem Denken beitragen

Als Steve Jobs und Steve Wozniak das erste iPhone herausbrachten, traten sie eine riesige Welle los. Innovatives Denken verhalf ihnen zum Erfolg. Wer mit seiner Firma an der Spitze sein will, muss den Markt aufmischen. Disruptives Innovationsmanagement nennt man das heutzutage. Dafür ist es allerdings wichtig, zu wissen, wo die Quelle der Innovation wirklich liegt. Nicht immer ist nur das Unternehmen dafür verantwortlich.

Forscher der Wirtschaftsuniversität Wien (WU) und der Technischen Universität Hamburg wollten herausfinden, ob Führungskräfte wissen, was die wichtigsten Quellen der Innovation sind.

Die Benutzer sind der Schlüssel zur Innovation

User sind die wichtigste Quelle zur Innovation. Das sagt die Forschung. Zahllose Erfindungen, vom Mountain Bike über die Herz-Lungen-Maschine, stammen von Nutzern, die mit etwas nicht zufrieden waren und eine kreative Lösung gefunden haben. Eric von Hippel vom Massachussetts Insititute of Technology (MIT) belegte mit seinem Team, dass ein großer Teil der wichtigsten Innovationen eines Marktes auf Ideen von Usern zurückgehen. Außerdem ist die Welt immer besser vernetzt, wodurch Nutzer noch mehr Möglichkeiten zum Austausch haben.

Was denken Manager?

Hier setzt die Forschung der WU Wien und der TU Hamburg an. Nikolaus Franke und Christian Lüthje wollten wissen, ob auch Manager das innovative Denken von Nutzern miteinbeziehen. Dafür befragten sie rund 1.800 Führungskräfte in Unternehmen, Politik und Wissenschaft. Die möglichen Quellen, die die Forscher bereitstellten, waren User, Herstellerunternehmen, Forschungseinrichtungen beziehungsweise Universitäten und Erfinder oder sonstige Dienstleister. Die Manager sollten wichtige Innovationen in Feldern wie Medizin Apps, wissenschaftlichen Elementen und Finanzdienstleistungen diesen zuordnen. Da die wirklichen Zahlen bekannt sind, war es für die Forscher einfach, die Schätzungen mit den tatsächlichen Werten zu vergleichen.

Ergebnis: User werden unterschätzt

Insgesamt unterschätzten die befragten Entscheidungsträger User als Innovationsquelle um 58% - die wahre Bedeutung dieser wichtigsten Quelle wird im Schnitt also nicht einmal zur Hälfte erkannt. Nur eine winzige Minderheit der Befragten – genau neun Personen – schätzen die Bedeutung von Usern korrekt ein oder überschätzten sie leicht. 99,5 Prozent der Manager glaubten dagegen, dass auf User weniger Innovationen zurückgehen, als dies tatsächlich der Fall war.

Unternehmen legen Quelle der Innovation nicht offen

Warum werden Nutzer so stark unterschätzt, wenn es um disruptive Innovationen geht? Dafür haben die Forscher zwei Erklärungen. Zunächst fehlt es an aktuellem Wissen über Innovationsforschung. Traditionelle Lehrbücher vermittelten das Bild des Herstellerunternehmens als zentralem Innovationstreiber. Die Unternehmen, die User-Innovationen wirklich aufgreifen und vermarkten, geben oft nicht an, dass diese von Nutzern kommen. Der zweite Grund ist, dass Innovationen von außerhalb des Unternehmens oft als Bedrohung empfunden werden. „Not invented here“ heißt die weitverbreitete Tendenz von Organisationen, die Kreativität außerhalb des Unternehmens aktiv abzuwerten.

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