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Bild: Marc Fippel Fotografie 

"Innovateure sind wie Vulkane, die Feuer haben"

27.08.2017 | 07:00 |  Cornelia Holzbauer (Die Presse)

Zukunft. Dietmar Dahmen sieht in der Digitalisierung die Chance, lästige Aufgaben von Maschinen erledigen zu lassen.

Egal, wie viel Maschinen in Zukunft leisten werden, sie werden menschliche Handlungen nicht komplett ersetzen. Davon ist Dietmar Dahmen überzeugt. Er ist Futurist, Autor und Experte für Transformation.

Es gebe im Job zwei Möglichkeiten: Man könne die Jetzt-Situation akzeptieren oder man baue genug „Hass“ auf, um das Jetzt zu ändern. „Nein-Sagen ist der Motor für Innovation. Die Steinzeit endete nicht aus Mangel an Steinen, sondern weil einer Nein zum Stein sagte. Innovation ist die Negation des Bestehenden. Wer das mit Feuer und Leidenschaft für das Neue kombiniert, ändert die Welt. Innovateure sind wie Vulkane, die Feuer haben“, sagt Dahmen.

Diese Leidenschaft lasse sich in jeder Position umsetzen, dafür müsse man kein Vorstandsmitglied sein. Wenn man an der Rezeption sitzt, kann man dafür brennen, Menschen zu helfen und die Firma zu repräsentieren, oder es hassen und seine Aufgaben schlecht erledigen. Das thematisiert Dahmen auch in seinem Buch „Transformation. Bamm!“, das am 12. September erscheint.

Digitales Upgrade

Hier liegt für Dahmen der Vorteil der Digitalisierung in Form von künstlicher Intelligenz und Robotern. Ungeliebte Teile des Jobs, die erledigt werden müssen, können künftig Maschinen übernehmen. Dahmen nennt es „Digitales Upgrade“. Ein Beispiel: Der Hotel-Portier begrüßt Gäste und hält ihnen die Tür auf. Öffnet ein Roboter die Tür, kann sich der Portier auf das Menschliche seiner Arbeit konzentrieren. Er erkundigt sich nach dem Befinden der Gäste und gibt ihnen das Gefühl, zuhause zu sein. „Diese Werte sind für ein Hotel wichtig“, sagt Dahmen. Somit können Unternehmen den Fokus auf Kundenbeziehungen legen, auf menschliche Aufgaben, die Roboter (noch) nicht beherrschen, während letztere den mechanischen Teil übernehmen.

Die Digitalisierung wird Mitarbeiter nicht obsolet machen, sondern ihre Aufgaben ändern. Das gebe mehr Zeit für Kreativität und Eigeninitiative. Maschinen übernehmen, was wir tun müssen. Wichtig sei: „Wir müssen wissen, was uns Spaß macht. Wir müssen wissen, wofür wir brennen.“

Verantwortung ist gefragt

Digitalisierungskritikern, die vor digitaler Erschöpfung warnen, hält Dahmen die Eigenverantwortung entgegen. Auch bei Smartphones und Co. mache die Dosis das Gift. Die Gesellschaft habe den Wunsch, bewusster zu leben. Das zeige sich in vielen Bereichen: „Bio, vegetarisch, Detox sind in“, sagt Dahmen, „auch Digital Detox – also das Handy auch einmal abzuschalten.“

Allerdings müsse dies eine Entscheidung aus eigenem Willen sein, selbstverantwortlich und erwachsen. „Wir sind nicht Opfer der Technik. Sie ist da, um uns upzugraden. Technik muss uns helfen, besser zu leben und erfüllter zu arbeiten. Den digitalen Downgrade sollten wir bekämpfen.“

(Print-Ausgabe, 26.08.2017)

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